Allgemein Campusleben

Alltagsrassismus und institutionalisierter Rassismus in Deutschland

BLM-Demo in Mannheim

 „Man fühlte sich wie eine Familie, zu Hause“, beschreibt Ifrah Hanad, die Veranstalterin der Anti-Rassismus Demo in Mannheim, das Gefühl mit über 4000 Menschen für Solidarität und Gleichbehandlung zu demonstrieren. Sie versammelten sich am 6. Juni auf dem Ehrenhof, um auf die Probleme in den USA aufmerksam zu machen. In diesem Zusammenhang war auch der Rassismus in Deutschland ein großes Thema.

Der brutale Mord an dem 46-jährigen Afroamerikaner George Floyd im Kontext rassistisch motivierter Polizeigewalt in Minneapolis löste eine globale Protestwelle aus. Unbeteiligte filmten, wie der unbewaffnete Mann von vier Polizeibeamten zu Boden gedrückt und zu Tode gewürgt wurde. 

Der Fall von George Floyd ist nur einer von vielen, bei denen Afroamerikaner*innen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert, unter Generalverdacht gestellt und schlimmstenfalls ermordet werden.

Im vergangenen Jahr gab es in den USA 1.099 Tötungsfälle durch die Polizei. Nur an 27 Tagen des Jahres wurde kein Mensch durch die Polizei erschossen. Davon waren 24 Prozent Schwarze. Sie machen jedoch nur 13 Prozent der US-Bevölkerung aus. 

Die Auswirkungen des institutionalisierten Rassismus in den Vereinigten Staaten sind inmitten der Corona-Krise noch sichtbarer geworden: Etwa 70 Prozent der Todesopfer durch das Virus sind Afroamerikaner*innen. Zudem stieg die Zahl der Arbeitslosen in dieser Bevölkerungsgruppe viel höher und erheblich schneller an. Trevor Noah, Moderator der Daily Show bezeichnet all diese schwerwiegenden Auswirkungen als Dominosteine, die hintereinander umfallen und damit die globale Protestwelle verursachen. Donald Trumps öffentliche Auftritte und Ansprachen, in denen er die Bevölkerung noch weiter spaltet und polarisiert, sind dabei zusätzlicher Rückenwind.

So nimmt auch diese Protestwelle Schwung in Europa, in Deutschland und in Mannheim auf. 

Ifrah Hanad und Sima Aysu, die die Demonstration in Mannheim organisierten, meldeten 650 Menschen für die Kundgebung an. Man habe höchstens 1000 Menschen erwartet. Schlussendlich versammelten sich 4000 Demonstrant*innen vor dem Schloss. Die beiden Abiturientinnen erfreuten sich besonders an der hohen Anzahl der freiwilligen Helfer*innen. Es wurden Reden gehalten, gerappt, geschrien und solidarisiert. Stark kritisiert wurde außerdem der Alltagsrassismus in Deutschland. 

„Im Alltag werden viele schwarze Menschen häufig mit dem N-Wort beleidigt. (…) Als Mensch mit Migrationshintergrund hat man ständig mit rassistischen Vorurteilen zu kämpfen. Menschen, die man neu kennenlernt, denken von Anfang an man sei kriminell, würde klauen, wäre gewalttätig, wäre dumm, könne kein Deutsch, wäre vertrauensunwürdig und vieles mehr.“ So schätzt Moses Ruppert, Student der Uni Mannheim und einer der Redner bei der Demo die Situation in Deutschland ein. Er erfährt den täglichen Rassismus in Deutschland am eigenen Leib. So würden unter anderem Menschen mit Migrationshintergrund überproportional häufig von der Polizei kontrolliert.

Wie häufig werden Menschen, die nicht Meier, Müller oder bestenfalls Braun heißen, trotz gleicher Qualifikation nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen? Wie häufig können sie nicht die gewünschte Wohnung mieten, teils nicht mal einen Besichtigungstermin bekommen? Wie oft bekommt die Person mit Migrationshintergrund als Einzige vom Türsteher gesagt, der Club sei schon zu voll, während der nächsten Gruppe der Einlass problemlos gewährt wird? Und mit Blick auf die Fernsehbranche: Wer spielt die Guten und wer spielt die Bösen? 

Für Moses ist das ein deutliches Zeichen von institutionalisiertem Rassismus. Er sei zwar häufig nicht intendiert, aber es werde auch nichts gegen ihn unternommen.

Dem Anschein nach ändert sich das jedoch. Die Menschen gehen auf die Straßen und das Thema kommt mehr und mehr in der öffentlichen Debatte zur Sprache. Die Öffentlichkeit lehnt nicht nur pauschal Rassismus ab, sondern bespricht, wie man als Individuum im Alltag aktiv dagegen vorgehen kann. 

Für Sima und Ifrah war der Tag unvergesslich und die hohe Anzahl der Demonstrant*innen ein klares Zeichen dafür, dass sich die Situation in Deutschland ändern könnte. Sie hören nicht auf, sich zu engagieren und planen bereits weitere Kundgebungen in Mannheim. 

In diesem Sinne appellieren auch wir: Werdet aktiv! Wenn Euch jemand sagt, er käme aus Köln, dann findet Euch mit dieser Antwort ab und fragt nicht nach den Wurzeln der Großeltern. Informiert Euch über Rassismus. Und schaut nicht weg, wenn Ihr ihn im Alltag mitbekommt.

Black lives matter. 

Text: Antonia Beljo

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