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American History X

American History X ist ein 1998 erschienener Film, welcher sich mit der amerikanischen Neonazi- Szene auseinandersetzt und der seine Aktualität bis heute nicht verloren hat.

Der Film startet mit Danny Vinyard (Edward Furlong), welcher einen provokanten Aufsatz mit dem Titel „My Mein Kampf“ geschrieben hat und daraufhin zu Einzelstunden bei seinem Rektor (Avery Brooks) verdonnert wird. Seine erste Aufgabe ist es, einen neuen Aufsatz zu schreiben, diesmal über seinen großen Bruder und Vorbild Derek (Edward Norton), welcher fest in der Neonazi-Szene verankert ist und am Anfang des Films aus der Haft entlassen wird. Zentrale Frage des Aufsatzes (und auch des Filmes) ist, was zu Dereks Verurteilung geführt hat.

Der Film teilt sich somit von Anfang an in zwei Handlungsstränge. Der in Farbe gedrehte Teil beschreibt die Gegenwart, wie Derek langsam die Beziehungen in die Szene kappt und versucht seine mittlerweile verarmte Familie zu retten. Der schwarz-weiße Teil erzählt die Vergangenheit, wie Derek in die Szene kam, wie er zwei Schwarze Männer ermordete und schließlich den Neonazis den Rücken kehrt.

Edward Norton spielt diese drei Rollen (Einsteiger, Neonazi, Aussteiger) überzeugend und gefühlvoll, was ihm auch eine Nominierung als bester Hauptdarsteller bei den Oscars 1999 einbrachte. Auch die anderen Darsteller schaffen es, Emotionen zu vermitteln, sodass man teilweise Mitglieder der Neonazis unangenehm sympathisch findet.

Die Kameraführung stellt die Emotionen stark in den Vordergrund. Lange Aufnahmen von Gesichtern, gut gesetzte Schnitte zwischen Gesichtern während Unterhaltungen. Tony Kaye schafft es, die Stimmung und die Gefühle in einzelnen Szenen perfekt einzufangen. Der Film bedient sich einiger Gewaltdarstellungen, welche aber niemals nur um der Gewalt Willen vorkommen, sondern als klares Stilmittel zu verstehen sind.

Allgemein ist es interessant, die Entwicklung einer solchen Biografie mal aus einer anderen Seite zu betrachten und sich die Fragen zu stellen, woher Hass überhaupt kommt. Der Drehbuchautor David McKenna kommt zu dem Schluss, dass der Ursprung allen Hasses die Familie ist. So wird in einer eindrücklichen Szene ein Gespräch am Esstisch mit der gesamten Familie gezeigt. Gerade diese trifft einen Nerv, denn die Aussagen des Vaters, wie z.B. „Tauschen wir jetzt alle guten Bücher gegen schwarze Bücher? Ist das vernünftig? Sowas musst du in Frage stellen, Derek. Du musst den Überblick behalten… Bei euch geht’s nur um Bücher, aber bei mir geht’s auch um meinen Job“, kommen uns allen nur allzu bekannt vor. McKenna drückt dadurch aber auch aus, dass niemand als Rassist auf die Welt kommt, sondern Menschen sich im Laufe der Zeit zu einem entwickeln.

Diese Entwicklung vor allem am Anfang des Films wird jedoch ohne Kontext gezeigt und kann dazu verleiten, ihn als rechte Propaganda einzuordnen. Die Ästhetisierung von rechter Gewalt in diesem Film stellt die Figuren als Helden dar. Es fehlt ein korrigierendes Narrativ, welches das Gesehene einordnet. Die Figur der liberalen Schwester hätte Potential gehabt, das rechte Narrativ zu durchbrechen und den Konflikt innerhalb der Familie weiter auszuführen. Dies wurde leider nicht weiter ausgearbeitet.

Insgesamt hat American History X unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst und ist bis heute Auslöser von Diskussionen. Aus diesem Grund sollte er auch nicht unreflektiert betrachtet werden. Die Geschichte dieses Films ist erfunden, die der Rassenkonflikte und Nazis jedoch nicht.

Text: Melissa Nüßle

Foto: user Wikipedia “Schreibwerkzeug” 13. Februar 2017 https://de.wikipedia.org/wiki/American_History_X#/media/Datei:American_History_X_Logo.png

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