Kaleidoskop

“Die weibliche Perspektive steht im Vordergrund.”

Die gebürtige Berlinerin Lea-Sophie Cramer war nach ihrem BWL-Studium an der Universität Mannheim unter anderem Beraterin bei der Boston Consulting Group und für die Rocket Internet GmbH tätig. Ende 2012 gründete sie zusammen mit Sebastian Pollok das E-Commerce Start-Up Amorelie und vertreibt seitdem online Sexspielzeug und Dessous.

uni[ma]gazin: In Mannheim, wo Sie selbst Ihr BWL-Studium abgeschlossen haben, gibt es ein Gründerinnenzentrum, das Gründungsinteressierten und Unternehmerinnen ein vielfältiges Angebot an Beratung und Coaching bietet. Das Motto lautet: Frauen gründen anders. Würden Sie dieser Aussage zustimmen?

Lea-Sophie Cramer: Eine Frage, die man aus meiner Sicht nicht pauschal beantworten kann. Frauen haben auf viele Sachen einen anderen Blickwinkel als Männer und auch andere Führungsansätze. Das kann dann natürlich auch dazu führen, dass sie anders gründen und führen.

uni[ma]gazin: Mit welchen Herausforderungen wurden Sie in der Gründungsphase von Amorelie speziell als Frau konfrontiert?

Lea-Sophie Cramer: Von der Ansprache oder Akzeptanz hat sich im Vergleich zu vorherigen Jobs nichts geändert. Natürlich macht man sich immer im Vorfeld Gedanken, aber das liegt mehr an dem generellen Wagnis, einen Neuanfang zu starten, als an einer speziellen Branche. Ich weiß aber, dass ich in diesem Punkt privilegiert bin und bei meinen bisherigen Jobs „Glück“ hatte, weil die Tatsache, dass ich eine Frau bin nie ein Thema war. Zudem habe ich viel Rückendeckung und Unterstützung erfahren. Es gibt jedoch immer noch genug Beispiele, bei denen das Geschlecht zum Thema gemacht wird und mehr als die Qualifikation zählt. Das ist mehr als falsch und wir sollten alles geben, um diesen Umstand zu ändern.

uni[ma]gazin: Welche Vorteile hatte es, Amorelie nicht allein, sondern zusammen mit Sebastian Pollok ins Leben zu rufen? Wie ergänzen Sie sich?

Lea-Sophie Cramer: Ein tolles Team zeichnet sich dadurch aus, dass 1 + 1 mehr als 2 ergeben. Das erlebe ich bei uns genau so! Dadurch, dass wir ein geschlechtergemischtes Gründerteam mit unterschiedlichen Blickwinkeln sind, wirken diese sich positiv auf unser Geschäft aus und gerade in unserem Business, das sich mit Liebe und Körperlichkeit beschäftigt, spielen beide Geschlechter eine Rolle. Man kann sich gegenseitig ergänzen und ausgleichen. Zu zweit macht es zudem mehr Spaß und schwierige Zeiten durchlebt man leichter.

Lea-Sophie Cramer gründete ende 2012 zusammen mit Sebastian Pollok das Start-Up Amorelie

Lea-Sophie Cramer gründete ende 2012 zusammen mit Sebastian Pollok das Start-Up Amorelie

uni[ma]gazin: In einem Interview mit der Berliner Morgenpost sagten Sie: “Wir sind ein hochwertiger Lifestyle-Onlineshop für die moderne, selbstbewusste Frau und ihren Partner.“ Wie sprechen Sie speziell die Bedürfnisse von Frauen an? Fällt Ihnen das leichter, weil Sie selbst eine Frau sind?

Lea-Sophie Cramer: Unser Fokus liegt bei Frauen und Paaren ab 25 Jahren. Bei der Kommunikation stellen wir die weibliche Perspektive in den Vordergrund, sprich frische, bunte Farben, ein schlichtes Design und natürliche Bilder von Frauen und Paaren (ohne Nacktheit). Bei Paaren sind es meist die Frauen, die entscheiden, welches Produkt gekauft wird oder nicht. Ich gehöre genau zu unserer Zielgruppe, oder anders gesagt, ich komme aus der Zielgruppe heraus und kann somit die Bedürfnisse von diesen Frauen sicherlich leichter verstehen.

uni[ma]gazin: Was würden Sie den potenziellen Start-up Gründerinnen der Universität Mannheim raten? Welche persönlichen Eigenschaften müssen sie mitbringen?

Lea-Sophie Cramer: Es ist sehr wichtig, flexibel zu bleiben und sich immer wieder neu zu fokussieren. Genauso wichtig ist es, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen, um von neuen Ideen, spannenden Leuten oder neuen technischen Fortschritten früh zu erfahren. Natürlich sind Mut, Ehrgeiz und Risikobereitschaft Eigenschaften, die mitgebracht werden müssen. Aber all das bezieht sich sowohl auf Gründer als auch auf Gründerinnen. Man sollte an die Idee glauben und sich nicht unterkriegen lassen. Gründet etwas, an dem ihr lange mit Optimismus und Spaß weiterarbeiten wollt. Meine Erfahrung ist auch, dass es durchaus Sinn ergibt, so viel wie möglich über seine Ideen zu sprechen. Viele halten ihre Ideen geheim, verpassen aber so unheimlich wichtigen Input von den vielen Menschen, mit denen man sich austauscht. Ich habe mit ein paar weiteren Business Angels eine Beteiligungsgesellschaft namens Starstrike Ventures (www.starstrike-ventures.com) gegründet, um unsere Erfahrungen gründungsinteressierten Abiturienten, Studenten, Schülern oder Arbeitenden weiterzugeben und auch Kapital zu investieren. Ich kann nur raten, diese Expertise, den Austausch und die Erfahrung zu nutzen. Deshalb schreibt uns gerne eine E-Mail!

uni[ma]gazin: Ihre Heimatstadt Berlin hat den Ruf einer Kreativschmiede. Hier sammeln sich neben Amorelie noch viele weitere Start-ups. Sehen Sie Mannheim als attraktiven Standort für die Gründung eines Start-ups?

Lea-Sophie Cramer: An Berlin ist toll, dass man durch die ganze Start-up-Szene super netzwerken kann. Das könnte zu Anfang in Mannheim fehlen. Im Grunde kann sich aber überall etwas bilden, wo kluge Köpfe sitzen und das ist an der Universität Mannheim auf jeden Fall so.

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