Kultur Theater

An Enemy of the People- wie schnell wird aus Freund Feind?

Was passiert wenn Menschen die Wahl zwischen Geld und Moral haben? Wie viel braucht es um aus einem  akzeptierten Mitglied einer Gemeinschaft einen Außenseiter zu machen? – Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich das Theaterstück An Enemy of the People nach  Henrik Ibsen. Es wird die Geschichte von einem Streit zwischen zwei Brüdern erzählt , der eine idealistisch und wahrheitssuchend- der andere berechnend und auf seinen Vorteil bedacht.

Die Anglistische Theatergruppe der Universität Mannheim  zeigt  vom 18.-20.Mai ihre Interpretation des Stücks an Akardentheater .

Die Zuschauerränge sind gut gefüllt, es ist der Auftakt von insgesamt vier Aufführungen der Stücks. Der  eher kleine Saal sorgt für wenig Distanz zwischen Schauspielern und Zuschauern.

In der ersten Szene herrscht noch  Ausgelassenheit und  Unbeschwertheit, die heile Welt der Kleinstadt hat noch keine Risse. Dr. Thomas Stockmann, der Arzt des Ortes, der später zur tragischen Figur werden soll , ist  perfekt in die Gemeinschaft integriert  und veranstaltet einen feucht-fröhlichen Abend mit anderen Dorfbewohnern.

Doch nur  wenig später erhält er eine folgenschwere Nachricht: Das Trinkwasser seiner Heimatstadt ist durch die umliegenden Fabriken verseucht.  Bewohnern und Touristen drohen gesundheitliche Probleme. Für den Doktor steht schnell fest, dass dieser Befund nicht vor der Öffentlichkeit verschwiegen werden darf: Er verfasst einen Artikel,  über den Zustand des örtlichen Wassers, welcher in der regionalen Zeitung erscheinen  soll.  Doch  die Ehrlichkeit des Doktors ist seinem  kühl kalkulierenden Bruder, dem Bürgermeister der Stadt, ein Dorn im Auge. Obwohl das Wasser eine Gefahr für  die Dorfbewohner und all seine Besucher darstellt, lehnt er eine Erneuerung des Wassersystems komplett ab. Er fürchtet die immensen Kosten des Projekts.

Während zu Anfang des Stücks Thomas, der wahrheitsliebende Arzt eine Vielzahl von Verbündeten hat , versucht  sein Bruder nach und nach auf manipulative Weise Dorfbewohner  von seiner Meinung zu überzeugen und seinen Bruder an den Rand der Gesellschaft zu drängen. Doch Dr. Stockmann plädiert trotz allem dafür die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Ob für die Mehrheit der Dorfbewohner nun Moral oder Geld die wichtigere Bedeutung haben soll sich endgültig auf einer großen öffentlichen Abstimmung entscheiden.

Um das Verständnis des englischen Drehbuchs muss sich niemand Gedanken machen, der nicht völlig mit der englischen Sprache auf dem Kriegsfuß steht.

Requisite und Bühnenbild spielen bei dieser Aufführung kaum eine Rolle. Besonders wird das Stück durch die lebhafte, überzeugende Leistung des Ensembles. Herausstechen unter ihnen, Ricarda  Schäfer  als leidenschaftlich- kämpferischer  Dr. Stockmann, dessen Wut und Entrüstung gerade gegen Ende des Stücks für den Zuschauer spürbar wird. Sowie Henrik Sauer , der glaubwürdig den überheblich- manipulilativen Bruder darstellt.

Theatererfahrung war kein Muss für eine Teilnehme an der ATG, einige der Darsteller hatten jedoch schon erste Schauspielerfahrungen in der Schule. Anfang  des Frühjahrsemesters begannen die Proben. Das Stück wurde  von der ATG ausgesucht  um die Zuschauer nicht nur zu unterhalten, sondern sie auch zum Nachdenken über gesellschaftliche Probleme an zu regen.

 

Text: Jennifer Reutter

Bild: Erik Zeidler

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