Kultur Musik

Auf Klangreise mit den Grandbrothers

Vergangenen Dienstag lud die Halle02 in Heidelberg zu einem Konzert der besonderen Art ein: Die Grandbrothers stellten ihr neues Album vor und bezauberten mit außergewöhnlicher Klangkunst, die trotz komplexer Melodien Ohrwurmgarantie besitzt.

„Die Idee ist, dass alle Klänge aus dem Flügel entstehen“. So erklärt der Tontechniker nach dem Konzert die Funktionsweise des Sounds, der das Duo Grandbrothers so einzigartig macht. Grandbrothers – das sind zwei junge Männer aus Bochum und Wuppertal, die so sympathisch wirken, dass man sie gerne in seinem Freundeskreis hätte. Erol spielt auf der Klaviatur des Flügels, während Lukas von seinem Laptop aus kleine Hämmerchen steuert, die die Saiten des offenen Tasteninstruments anschlagen oder auf das Holz des Resonanzbodenkorpus klopfen. Alles an dieser Konstruktion ist selbstgebaut – so sind die Hämmerchen zum Beispiel in Wirklichkeit Nähmaschinenspulen. Im Nachgespräch erklärt Lukas, dass der Flügel immer von der jeweiligen Konzertlocation geliehen werde und sie dann vor Ort erst die Hämmerchen und Mikrophone befestigten. „Seltsamerweise hatte noch kein Konzertveranstalter Angst, dass wir den Flügel kaputt hämmern“.

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Durch das Zusammenspiel von analogen und digitalen Elementen entsteht ein Klang, der den gesamten Raum ausfüllt und das Publikum in eine Art Trance versetzt. Was im ersten Moment taktmäßig nicht zusammenpasst, wirkt rund und harmonisch in der Gesamtform. Während das Duo mit höchster Konzentration live die Harmonien zusammensetzt, begibt man sich als Zuhörer auf eine Traumreise, lässt seine Gedanken schweifen und beobachtet die durch Laser und Nebel erzeugten Visualisierungen auf der Bühne. Nachdem ein Song beendet ist, scheint es unmöglich zu sagen, wie lange dieser gedauert hat. Am liebsten würde man seinen Körper sanft im Takt wiegen, aber der Saal ist bestuhlt, wodurch sich die Atmosphäre in der Halle 02 jedoch so entspannt wie selten anfühlt.

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Teilweise erkennt man bestimmte Lieder vom ersten Album („Dilation“) wieder, was jedoch nicht immer der Fall ist, da Lukas und Erol die Live Versionen stark modifizieren. Die Klänge wirken noch unruhiger, der Bass wummert stärker. Auch Kompositionen des zweiten Albums, welches im Herbst erscheinen soll, bekommt man zu hören. In den Pausen zwischen den Songs versucht sich das Duo an Ansagen, die etwas unbeholfen, gleichzeitig aber sehr sympathisch wirken. „Wie ihr vielleicht merkt, sind wir nicht so die großen Entertainer“, sagt Lukas selbstironisch und erntet dafür Lachen und Applaus im Publikum.

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Am Ende dieses Abends geht man mit einer neuen Schallplatte nach Hause, erwartet mit Spannung das neue Album und summt unbestimmte Melodien, die nur im Kopf vor dem Hintergrund der eben gehörten Klänge Sinn ergeben.

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Text und Bilder: Louise Kaufmann

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