Kultur Musik

Blitz und Donner im Forum – Jlin und Klein beim Jetztmusik Festival

Mit etwa 20 Minuten Verspätung tritt Klein am Mittwoch auf die Bühne des Jugendkulturzentrum Forum, während Jlin, die wohl gerade erst angekommen ist, im gleichen Moment zwischen den Gästen hindurch hinter die Bühne schleicht. Während es im gut gefüllten Zuschauerraum langsam still wird, bereitet sich die britische Künstlerin mit nigerianischen Wurzeln auf ihr Set vor.

 

Klein startet ihre Performance mit einem eher klassischen Intro an dem Klavier, das am Ende des Raums zwischen den Zuhörern steht. Kurz darauf, erklingen experimentelle Elektroklänge , die von grellen Visuals im Hintergrund begleitet werden. Dass Klein eine enge Bindung zu den Traditionen ihres Herkunftslandes hat, wird durch Gospelelemente und hypnotischem Sprechgesang deutlich. Klein, die momentan als eine der innovativsten Musikerinnen  der britischen Underground-Szene gehandelt wird, verbindet zeitgenössische Genre mit ihrem kulturellen Erbe und kreiert dabei kontrastreiche Soundcollagen. Trotz verschiedenster Einflüsse steht am Ende des einstündigen Auftritts eine ganzheitliche, inspirierende Perfomance.

 

Nach einer kurzen Pause, in der wir Zeit haben Kleins Konzert Revue passieren zu lassen, tritt Jlin hinter das Pult, auf dem kompliziert aussehende Technik aufgebaut ist. Die aus Gary, Indiana stammende Juke-Produzentin will sich keinem festen Genre zuordnen, sie lässt die Grenzen lieber verschwimmen. Ihre Werke sind  stark  von dem Chicago Footwork, einem House-Genre aus den 90er Jahren, beeinflusst. Jlin verknüpft diesen speziellen Sound mit energiegeladenen Percussionelementen. Während sich die eine Hälfte des Publikums schnell zu den treibenden Rhythmen bewegt, sind die Anderen zuerst von der Wucht der Bässe und dem schnellen Tempo überfordert. Es braucht allerdings nicht lange bis sich die chaotischen Takte in Kombination mit den Vocals  zu einer komplexen aber stimmigen Komposition zusammenfügen.

 

Obwohl klanglich beide Künstlerinnen doch recht weit auseinander liegen überzeugen sie gleichermaßen durch ihre intelligenten Kompositionen und musikalische Innovation. Durch großflächige Visuals im Hintergrund wird bei der jeweiligen Frau am Mischpult die akustische Stimmung optisch einfangen. Da fliegen Gewitterwolken und Blitze oder abstrakte Formen über die Leinwand. Nach etwa 2 Stunden und mehreren Zugaben von Seiten Jlins ist ein sehr gut durchdachter Konzertabend zu Ende und damit leider auch schon der letzte des Jetztmusik Festivals 2018.

Text: Liv Nickel und Ellen Fritzenschaft

Foto: Ellen Fritzenschaft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.