Bücher Kultur

Bücherrezensionen

Keine Lust mehr Zusammenfassungen und Vorlesungsnotizen zu lesen? Hier sind unsere Büchertipps für das aktuelle Semester:

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Ullrich Wellhöfer: BUNT braucht keine Farbe

Bei diesem Buch ist der Leser gefragt:

135 Seiten voller Bilder, Zitate, Gedichte und kleiner Geschichten rund um die Stadt Mannheim. Nur eins fehlt: Die Farbe, alles in schwarz-weiß. Monoton ist das Buch trotzdem nicht, denn „BUNT braucht in erster Linie Fantasie und Offenheit“.
Die Bilder, allesamt Einsendungen von Mannheimerinnen und Mannheimern, bieten einen etwas anderen Blick auf die Stadt. Jeder Fotograf hat seine ganz eigene Perspektive, sein eigenes Motiv festgehalten, was dem Leser ermöglicht, Mannheim einmal durch die Augen eines Anderen zu sehen. In Verbindung mit den beigefügten Gedichten, Bildtiteln, Zitaten oder Geschichten aus dem Mannheimer Leben, laden die Bilder den aufmerksamen Leser auf eine Reise durch die Multikulti-Stadt ein. Es bleibt viel Platz für die Fantasie des Betrachters, sodass die Bilder schnell ihre Farblosigkeit verlieren und sich Mannheim von seiner multikulturellen, weltoffenen, von seiner bunten Seite zeigt.
„Mannheim – BUNT braucht keine Farbe“ ist gleichsam eine indirekte Liebeserklärung an die Stadt als auch ein Appell an den Leser, für mehr Weltoffenheit einzustehen, damit Mannheim weiterhin ein Paradebeispiel für das funktionierende Miteinander der Kulturen bleibt. Wellhöfer Verlag, 15,00 Euro.

Text: Sophie Peters

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Kathrin Radke: Ft oder das Recht auf Faulheit

Es ist das Phänomen, das alle Studierenden (zumindest gelegentlich) verbindet: die Faulheit. Von den Professoren und Professorinnen gefürchtet, von Kathrin Radke mit Witz in Szene gesetzt. So kommt Ft oder das Recht auf Faulheit daher und regt zum Überdenken alteingesessener Einstellungen an. Denn auch das Nichtstun darf seinen festen Platz in unserem Leben haben, denn es macht unser Leben doch um ein kleines bisschen schöner. Diese Schönheit spiegelt sich in der künstlerischen Umsetzung des Themas in diesem Werk wieder und wurde mit dem German Design Award 2016 in der Sparte Editorial ausgezeichnet. Ein Buch für alle, die bereit sind, die neuen Seiten der Faulheit zu erkunden. Kunstanstifter Verlag, 18,00 Euro.

Text: Marie Amberg

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Bernd Franzinger: Tannenberg ermittelt wieder in der Pfalz

Es beginnt mit einer lustigen Familienanekdote. Der Pfälzer Kommissar Wolfram Tannenberg und sein Vater gehen ihren Tätigkeiten zu Hause nach. Während der gutmütige Sohn einfach nur sein Frühstück genießen will, unterbricht ihn sein Vater mit einer knallharten und überraschend ironischen Entdeckung aus dem Internet. Alte Bekannte tauchen wieder auf, aber nicht etwa Kollegen aus vielen Jahren sorgsamer Polizeiarbeit. Nein! Diese vier Männer saßen einmal auf der anderen Seite der Gefängnisgitter. Viele Jahre ist das nun schon her. Was könnte wohl plötzlich passiert sein, dass Tannenberg Senior und sein Sohn plötzlich in helle Aufregung geraten?
Diesen, und 29 weitere Fälle erzählt der Kriminalautor von Kaiserslautern, Bernd Franzinger, in seinem Roman „Tannenberg ermittelt wieder in der Pfalz“. Dabei geht es um Delikte jeglicher Art, nichts ist für Tannenberg zu schwer. Unabhängig davon, ob es sich um Diebstahl, einen Banküberfall oder hinterlistige Familienmitglieder handelt, die anderen Schaden zufügen wollen.
Auf witzige, charmante und provinzielle Art und Weise löst er die Fälle der Betroffenen in der Umgebung und überlässt dabei auch dem Leser selbst die Möglichkeit, die Initiative zu ergreifen und die Fälle mitzulösen. Knifflige Rätsel regen dazu an, selbst einmal in der Haut eines Kommissars zu stecken und dem Verbrechen auf die Spur zu gehen.
Dieses Buch ist für jeden etwas, der Lust hat auch einmal selbst aktiv zu werden und sich für kurzweilige Kriminalgeschichten aus der Region begeistern kann.
Meine persönliche Meinung zu dem Werk: Grundsätzlich habe ich Gefallen daran gefunden, da es leicht zu lesen ist und unterhaltsame Geschichten bietet. Außerdem war für mich die Idee neu, den Leser auf diese Weise in das Geschehen miteinzubeziehen. Das ist auf jeden Fall ein ganz großer Pluspunkt. Auf der anderen Seite, schafft es Franzinger leider nicht in seinen Geschichten besonders in die Tiefe zu gehen. Aufgrund der Kürze der Erzählungen werden die Fälle oft etwas oberflächlicher behandelt und die Charaktere sind nicht ganz ausgebaut. Das Buch ist also nichts für Spannungsfanatiker und Thriller-Leser.
Trotzdem kann ich es sicherlich weiterempfehlen und kann jedem nur raten, sich einfach mal selbst eine Meinung darüber zu bilden. Gmeiner Verlag, 6,99 Euro.

Text: Laura Niedzela

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Sebastian Fitzek: Das Joshua Profil

Max Rhode ist Thriller Autor. Nach seinem ersten Roman „Die Blutschule“ konnte er bis jetzt aber keine weiteren Erfolge mehr feiern. Neben seiner beruflichen Karriere geht auch die Beziehung zu seiner Freundin Kim immer mehr in die Brüche. Doch plötzlich verändert sich Max‘ Leben durch den Anruf eines Unbekannten. Er wird gewarnt vor Joshua. Denn Joshua weiß, dass Max bald ein Verbrechen begehen wird. Nur Max selbst hat davon noch keine Ahnung. Sebastian Fitzek schafft es in diesem Thriller bis zum Schluss eine konstante Spannung und eine dauerhafte Ahnungslosigkeit über die großen Zusammenhänge der Geschichte beim Leser aufrecht zu erhalten. Wer starke Nerven hat und mit der Schilderung von Gewalt in Büchern klarkommt, wird dieses nicht mehr so schnell weglegen können. Bastei Lübbe, 19,99 Euro.

Text: Matthias Mohler

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Ullrich Wellhöfer: Mannheim kocht

Ein Kochbuch, so international wie Mannheim. Personen verschiedener Kulturen erzählen Anekdoten aus ihrer Heimat, die vermengt sind mit Daten und Fakten der einzelnen Länder. Alle jedoch haben eins gemeinsam; sie wohnen in der liebenswertesten Stadt der Welt: Mannheim. Gleichberechtigt neben typisch deutschen Gerichten tümmeln sich hier Lieblingsrezepte aus aller Welt, die von den einzelnen Personen vorgestellt werden. Hier sollte wirklich jeder auf seinen Geschmack kommen und auch der Schwierigkeitsgrad variiert, sodass blutige Anfänger und etablierte Spitzenköche die Gerichte nachkochen können. Tipp: Die einzelnen Pita Variationen von Ivo und Nevenka sind auch für geldarme Studierende etwas, die dennoch Geschmack auf höchstem Niveau erleben möchten. Wellhöfer Verlag, 25,00 Euro.

Text: Marie Amberg

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Benjamin Courtault: Plötzlich Funkstille

Bilderbuch für Erwachsene gibt‘s nicht? Gibt‘s doch! Benjamin Courtault erzählt in seinem Werk über einen außergewöhnlichen Roadtrip und unterlegt die kurzen, aber prägnanten Texte mit einer wundervollen Bilderwelt, die den Leser mitreißt. Gedruckt wurden die Grafiken in fünf Sonderfarben, die den gewohnten Sehprozess verändern und so ein imposantes Buch schaffen, das trotz wenig Worten gewaltig erscheint. Wen alltäglicher Lesestoff langweilt, der sollte hier zugreifen und sich auf eine neue Welt des Sehens einlassen. Kunstanstifter Verlag, 22,50 Euro.

Text: Marie Amberg

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Ben Kane: Die vergessene Legion

Der historische Roman handelt von Fabiola und Romulus, zwei Brüder, die schon früh als Sklaven verkauft werden. Während Fabiola in einem Bordell arbeitet, muss Romulus als Gladiator in der Arena antreten. Doch als dieser beschuldigt wird, einen Patrizier ermordet zu haben, flüchtet er mit Brennus, dem besten Gladiator Roms. Die Beiden schließen sich römischen Truppen an, mit denen sie sich auf eine lange Reise begeben. Dass sie am Ende auf das wohl mysteriöseste Geheimnis der Antike stoßen, ist ihnen dabei noch nicht bewusst. Nicht nur Fans historischer Erzählungen kommen hier auf ihre Kosten, auch Freunde von spannenden Geschichten mit kleinen Fantasy-Teilen sollten sich diesen Roman nicht entgehen lassen. Das Werk ist der Anfang einer Buchreihe, das jedoch auch einzeln gelesen werden kann. Bastei Lübbe, 9,99 Euro.

Text: Marie Amberg

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Julia K. Stein: Vergoogelt

Bin ich internetsüchtig? Diese Frage muss sich Protagonistin Lena sehr häufig stellen. Aber als Betreiberin eines erfolgreichen Marketing-Blogs scheint ihr doch nichts Anderes übrig zu bleiben, als dauerhaft online zu sein, oder? Neben ihrem beruflichen Blog existiert ebenfalls einer, auf dem Lena ihren Lesern alles über ihr privates Leben berichtet, in dem gerade ziemlich viel los ist: Probleme mit ihrem nahezu perfekten Freund Björn und seiner schnöseligen Familie, finanzielle Engpässe, ein Wiedersehen mit alten Feinden, die viel zu junge Freundin des Vaters – das alltägliche Chaos eben! Lena ist ein sehr liebenswürdiger Charakter, mit dem sich jeder Leser in irgendeiner Weise identifizieren kann, eben weil sie so perfekt unperfekt ist. Das Buch ist wie einer von Lenas Blogs aufgebaut, was das Lesen locker und leicht gestaltet. Ein perfektes Buch für den Urlaub oder diejenigen, die es authentisch mögen!

Tipp: Es existiert ein Vorgängerband mit dem Titel: „Liebe kann man nicht googlen“, den man jedoch nicht unbedingt zum Verstehen des Romans lesen muss. Gmeiner Verlag, 12,99 Euro.

Text: Elisabeth Zax

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Sonja Klein: Crime Master

Wer schon immer einmal in die Rolle eines Profi-Ermittlers schlüpfen wollte, für den ist dieses Krimikartenspiel genau richtig. Insgesamt gibt es 25 Kriminalfälle, die sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz abspielen. Durch die oftmals wenigen Hinweise und spärlichen Informationen kommen Fragen auf, die beantwortet werden müssen. Wer war der Täter? Welche Hilfsmittel benutzte er? Was ist überhaupt geschehen? Ziel ist es, sich den mysteriösen Verbrechen durch Fragen, Raten und geschicktes Kombiniere Schritt für Schritt zu nähern. Gespielt wird im Wettstreit mit den anderen Ermittlern oder gemeinsam im Team. Gmeiner Verlag, 9,90 Euro.

Text: Lena Laier

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Klaus Hansen: Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne

»Jedem Anpfiff wohnt die Hoffnung inne, dass mein Verein und nicht der andere gewinne.«, so berichtete schon Hermann Hesse über die Emotionen während eines Fußballspiels. Wer jedoch Fußball nicht nur auf dem Platz spielt, sondern mit dem ganzen Herzen dabei ist, für den ist dieses Buch ein Muss! Hansen zeigt auf poetische Art und Weise, was alles noch hinter dem Phänomen des Lieblingssports der Deutschen noch steckt und veranschaulicht einzelne Gedanken in Grafiken und Tabellen. Mit jeder Seite regt er den Leser zu Nachdenken an und spinnt so den roten Faden zwischen den einzelnen Seiten. Egal ob Profisportler oder Couchpotatoe, dieses Buch bietet für jeden die richtige Portion Sportweisheiten. Kunstanstifter Verlag, 19,80 Euro.

Text: Marie Amberg

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Ullrich Wellhöfer, Herbert W. Rabl: Wir sind Mannheim

„Negative Meinungen über Mannheim gehen ausnahmslos auf Unkenntnis zurück.“ (Zitat aus dem Buch)
Um dieser Unkenntnis entgegen zu wirken wurde dieses Buch verfasst, in dem Mannheimer ausdrucksstark mit Bild und Text porträtiert werden. Die Personen könnten nicht unterschiedlicher sein: Da ist der ehemalige Direktor der Universität, der über Elitenförderung und Rankings spricht, da ist aber auch „Mo der Mobster“, der mit seinen Raptexten über Mannheim punktet („Nicht geboren in dieser City aber geboren für diese Stadt / Viele scheinen hier verloren doch gehn nach vorne wie Soldat“). Es gibt interessante Persönlichkeiten, wie zum Beispiel die erste weibliche Pfarrerin Mannheims, es gibt aber auch ganz gewöhnliche Menschen wie Jochen Hans-Werner Bernauer, der auf die Frage, was an Mannheim außergewöhnlich sei, gekonnt antwortet: „Nun, ich wohn halt da, alles ganz normal.“ Auch Xavier Naidoo darf natürlich nicht fehlen, der passend zum Thema den Liedtext von „Meine Stadt“ zum Besten gibt. Wirklich sehenswert sind aber die Fotos Thommy Mardo, der Lieblingsfotograf der Söhne Mannheims, welche die Porträtierten in ein ganz besonderes Licht rücken.
Ein Buch, das einem zum Lachen bringt und vor allem ein wunderschönes MannHeimat Gefühl verbreitet. Geheimtipp der Redaktion: Das Foto von Xavier Naidoo liefert den ultimativen Beweis, dass er Mitglied der Illuminati ist. Wellhöfer Verlag, 16,90 Euro.

Text: Louise Kaufmann

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Siegfried Lachmann: 22 Tipps gegen Aufschieberitis

Du musst eine Million Aufgaben auf einmal erledigen und aus schlechtem Gewissen machst du gar nichts? Morgen ist ja schließlich auch noch ein Tag und jetzt erstmal ‚ne Folge „Game of Thrones“. Für alle, die jeden Tag gegen ellenlange To-Do Listen ankämpfen, notorisch Aufgaben auf den letzten Drücker erledigen oder Nachts wach liegen und an den Stapel mit unerledigtem Unikram denken: „22 Tipps gegen Aufschieberitis“ ist ein übersichtlicher Leitfaden, mit dem diese Krankheit heilbar ist. In kurzen, knackigen Kapiteln mit vielen Fragen zum Ankreuzen und Checklisten kannst du herausfinden, welcher Aufschiebetyp du bist und welche Lösungswege es gibt. Gmeiner Verlag, 9,99 Euro.

Text: Nadine Jäckel

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Nora Noé: Tod im Jungbusch

Das Nora Noé aus dem Mannheimer Jungbusch kommt merkt man ihrem Krimi „Tod im Jungbusch“ schon nach kürzester Zeit an. Zu detailreich sind ihre Beschreibungen und Kenntnisse der Örtlichkeiten im ehemaligen Mannheimer Hafenviertel.
Die Geschichte beginnt nach klassischer Krimimanier mit dem plötzlichen Auftauchen einer Frauenleiche unter der Teufelsbrücke. Der Leser folgt nun der Journalistin Jenni bei ihren Ermittlungen rund um die mysteriöse Wasserleiche. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, muss Jenni immer wieder in der Vergangenheit des Viertels forschen. Diese Passagen löst Nora Noé geschickt mit passenden Rückblenden. In ihrem Krimi gelingt es ihr mit Hilfe von akkuraten Ortsbeschreibungen und tiefgründigen Charakteren eine dichte Atmosphäre zu erschaffen. Schnell ist man auf der Suche nach neuem Lesematerial. Zum Glück ist „Tod im Jungbusch“ der erste Teil ihrer Mannheim-Krimi-Reihe. Teil zwei gibt es schon im Handel. Wellhöfer Verlag, 14,95 Euro.

Text: Lars Sellien

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Roman Klementovic: Immerstill

Drei Jahre ist es her, seit sich im überschaubaren Örtchen Grundendorf eine schreckliche Tragödie ereignet hat: Zwei Jugendliche sind in der Faschingsnacht spurlos verschwunden. Nach erfolglosen Ermittlungen scheint der Fall allerdings in Vergessenheit zu geraten. Doch Lisa, die froh war dem Dörfchen entfliehen zu können, wird eines Tages unerwartet zur Rückkehr gezwungen, als sich die Ereignisse von vor drei Jahren wiederholen. Wieder sind zwei Jugendliche in der Faschingsnacht verschwunden und dieses Mal befindet sich Lisas Schwester unter den Vermissten. Lisa versucht mit Hilfe der Polizei, Licht ins Dunkel zu bringen und wird dabei nicht nur mit der ein oder anderen gefährlichen Situation, sondern auch mit dem seltsamen Verhalten der anderen Dorfbewohner konfrontiert…
Das Buch zieht einen mit der düsteren, schwermütigen Atmosphäre und der authentischen Darstellung der Charaktere sofort in seinen Bann. Man fühlt von Anfang an mit der verzweifelten Lisa mit und die Frage, was mit den Jugendlichen wirklich passiert ist, lässt einen nicht mehr los. Der fesselnde Schreibstil und die unerwartete Wendung am Schluss machen es zusätzlich schwer, das Buch vor Ende wieder aus der Hand zu legen. Wer Spannung und packende Stories mag, sollte „Immerstill“ auf jeden Fall lesen! Gmeiner Verlag, 12,99 Euro.

Text: Katharina Scholl

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Lucinde Hutzenlaub, Anja Koeseling, Mara Andeck: Wir Wollten Niemals Auseinander Gehen

Als sich die drei Freundinnen Anja, Lucinde und Mara nach einer langen Zeit wieder sehen, wachen sie nicht nur mit einem Kater, sondern auch mit der Erinnerung an eine spontan gebuchte Thailand Reise auf. Doch sich im Bikini am Pool räkeln? Das ist für die drei Mütter in ihren Vierzigern undenkbar, haben sie doch um einiges mehr auf den Rippen als in ihrer schlanken Jugend. Trotz dem stressigen Alltag und einem nagenden inneren Schweinhund beschließen sie, die Reise trotzdem durchzuziehen –und den überflüssigen Kilos endlich den Kampf anzusagen.
Das Buch erzählt auf humorvolle Weise von der dreimonatigen Diät-Achterbahn der Freundinnen. Mit insgesamt 26 verschieden Diäten hat der Leser nicht nur einiges zu verdauen, sondern durch die sympathische und gnadenlos ehrliche Erzählweise auch viel zu lachen. Von minimalistischen Promidiäten bis zu spirituellen Methoden wird einiges ausprobiert und geschildert, wobei die Frauen körperlich und emotional an Ihre Grenzen gehen.
Auch wenn sie am Ende ihres Experiments etliche Kilos verloren haben, lernen die drei Freundinnen, dass es schlussendlich wichtigeres gibt als die Zahl auf der Waage. Und was genau das ist? Es liegt nun an dir es herauszufinden. Bastei Lübbe, 9,99 Euro.

Text: Ellen Robinson

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Karl Heinz Mehler: Mannheimer Zeitzeugen Band 3 – Der Weg bis zum bitteren Ende – 1933-1945

„Was hatte man mit uns angestellt, die wir treu und brav an die Rechtmäßigkeit des Systems und an die Notwendigkeit des Krieges geglaubt hatten. Wie konnte es sein, dass man Millionen unschuldiger Menschen umgebracht hatte. Jahrelang hatten wir stets nur die eine Seite der Medaille gesehen. Wir kannten nur die Gräueltaten der anderen. Was Deutsche während des Krieges in ganz Europa angerichtet hatten und was mit den Juden geschehen war, das erfuhren meine Kameraden und ich erst jetzt. Es war für uns alle unfassbar.“ Karl Heinz Mehler, geboren am 27. Mai 1929 in Mannheim-Neckarau, schildert in diesem Buch eindrücklich seine Kindheit und Jugend während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges in Mannheim. Durchgehend unterstützt er die Erlebnisse und Eindrücke seiner Familie mit Zitaten vieler weiterer Zeitzeugen, die sowohl alle politischen, als auch sozialen Schichten abdecken. So erhält der Leser eindrücklich Einblicke in das „private Leben“ und erkennt, dass dieses von der Politik und der „großen Geschichte“ untrennbar ist. Karl Heinz Mehler ist dabei stets ehrlich mit sich selbst, reflektiert zu verschiedenen Stadien des Krieges, wie er selbst bis zum Schluss an das Deutsche Reich geglaubt habe. Dazu veröffentlicht er viele Tagebuch- und Briefauszüge, aber auch Seiten von Schulbüchern. Dieses Buch lässt nicht nur einen neuen, sehr tiefen Blick in die damaligen Geschehnisse vor allem in Mannheim zu, sondern verdeutlicht auf ein Neues, wie wichtig es ist, kritisch zu hinterfragen und sofort seine Stimme zu erheben, wenn offen Unrecht und Unmenschliches geschieht. Wellhöfer Verlag, 24,80 Euro.

Text: Clara Schäper

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Phillip P. Peterson: Paradox

Paradox handelt von dem Traum, den Sternen näher zu kommen. Geschrieben ist es aus der Sicht von Colonel Ed Walker, einem schon in die Jahre gekommenen Astronauten, der schon auf vielen Einsätzen zur ISS Kommandant der Missionen war. Außerdem wird auch aus Daniel Holmes Sicht erzählt, einem jungen Wissenschaftler, der sich für den interstellaren Raum interessiert. Die Handlung setzt ein paar Jahre später an, ungefähr 2019. Nach dem plötzlichen verschwinden der Sonden Voyager 1 und 2 in einer Entfernung von 134 Astronomischen Einheiten wird der junge Wissenschaftler David stutzig. Ein Projekt eines Internetmilliardärs holt ihn schließlich zu sich, damit der interstellaren Raum weiter erforscht werden kann, weil dessen Sonde ebenfalls in der gleichen Entfernung verschwunden ist. Auch Ed wird für diese Mission an Land gezogen und zusammen mit zwei anderen Astronautinnen begeben sie sich auf die Reise zu den Sternen.
Beleuchtet wird in dieser Geschichte besonders das Innenleben von Ed und David, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ed ist eher der abgehärtete Astronaut, während David sehr viel Angst und vor allem Zweifel an sich hat vor seinem ersten Flug ins All. Die Geschichte ist wunderbar erzählt, gelegentlich stolpert man über Abkürzungen, die aber auch alle erklärt werden. Meiner Meinung nach ist nur die Zeit, in der von dem Training erzählt zu lang und dafür die Möglichkeiten im All nicht genug ausgeschöpft. Sehr gut geschildert wird, wie die Erde aus dem Weltall aussieht, sodass man es sich wunderbar vorstellen kann. Das Buch ist allen zu empfehlen, die Science-Fiction mögen oder die gerne selbst mal zu den Sternen fliegen wollen. Bastei Lübbe, 9,99 Euro.

Text: Lisa Braunert

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Sigi Kube: Aller Abgang ist schwer

Von vorneherein sollte über dieses Buch gesagt sein: Wer morbiden Themen mit angemessenem Respekt und Demut begegnen möchte, dem ist besagte Lektüre eher nicht zu empfehlen Alle anderen, die es mit der Moral nicht ganz so ernst nehmen und dem Tod mit Humor begegnen können, haben hier ihren Spaß. Die Autorin Sigi Kube trägt unter dem Titel „Aller Abgang ist schwer“ die sensationellsten und unglaublichsten Todesfälle berühmter Persönlichkeiten zusammen und lässt uns daran teilhaben, wie schräg es wirklich wird, wenn bei den Reichen und Schönen der letzte Vorhang fällt. Neben bekannteren Berichten, wie zum Beispiel Antoine Saint-Exupérys Flugzeugabsturz oder Isadora Duncans „ungewollte Strangulation durch ein Automobil“, finden sich im Buch auch diverse ungewöhnliche Fälle, welche den meisten unbekannt sein dürften. Auf rund 200 Seiten findet die Autorin Zeit, jeden einzelnen Protagonisten vorzustellen und einen Überblick über ihre meist schillernden Lebensläufe zu geben, bevor sie sich mit Witz und einer Messerspitze Ironie deren Ableben widmet. Denn was wäre ein Leben im Rampenlicht ohne passenden Abgang? Ob man die geschilderten Geschichten lustig, traurig, makaber oder einfach unterhaltend findet, ist natürlich jedem selbst überlassen. In jedem Fall sind sie zumindest eines: herrlich skurril. Bastei Lübbe, 8,99 Euro.

Text: Ellen Fritzenschaft

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