Kultur Musik

Stilmix, Spaß und Fernweh

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“Do you need love? The next band is gonna to give you love.” So wird die vierköpfige Band “Bukahara”am 27.04.2017 in der Alten Feuerwache von dem Frontsänger Paul der Vorband „The Magic Mumble Jumble“ angekündigt.Die Band hat sich 2009 zusammengetan und war seitdem auf einigen Festivals z.B. beim Isarinselfest in München oder dem Veszprém in Ungarn unterwegs. Sie kennen sich teilweise aus ihrem Jazzstudium an der Kölner Musikhochschule oder durch ihre Straßenmusik. 2016 brachten sie ihre CD „Strange Delight“ heraus, auf die jetzt das neue Album „phantasma“ folgt. Dieses Jahr werden sie noch in bekannten Locations, wie dem Tollhaus in Karlsruhe oder dem Jazzhaus in Freiburg auftreten.

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Die Jungs sehen aus, als könnte man sie bei einer Backpackreise durch den Nahen Osten oder Süd-Ost-Asien bei einem Bier im Hostel antreffen. In lässigen, bunten Kleidern und barfuß betreten sie die Bühne. Dabei sieht man sofort, dass jeder seinen ganz individuellen Stil mitbringt. Ihre Musik setzt sich hauptsächlich aus Instrumenten Tuba, Posaune, Geige, Kontrabass, sowie Gesängen zusammen. Über allem steht dabei das Gefühl der Freiheit. Sie möchten nur ihre ganz eigene Musik spielen. So präsentieren sie sich auch dem Publikum. Es gibt keine steif einstudierte Formation, der sie folgen, alle stehen einfach ganz weit vorne, so nahe wie möglich am Publikum. Wenn dann alle vier gemeinsam spielen und ihr Können zusammenbringen, entsteht eine ganz neue Klangkulisse. Besonders die Geige legt einen ganz eigenen Zauber über die Musik. Der Geiger und die beiden anderen Bandmitglieder tragen neben dem Leadsänger auch ihren Teil zu den Vocals bei. Achmed, der Kontrabassspieler, singt einmal auf seiner Landessprache palästinensisch-arabisch, der Geiger einige Male auf Deutsch, wogegen sich der Frontsänger an englische Texte hält. Am besten klingt es jedoch, wenn alle vier zusammen singen. Auch die unterschiedlichsten Musikrichtungen werden in einen Topf geworfen. Dabei kommt dann zum Beispiel eine Mischung aus Barockklängen von französischen Höfen und fernöstlichen Einflüssen heraus. Oft sprechen sie auch negative Gefühle durch langsame Lieder an und lassen sie dann mit einem lustigen, glücklichen und rhythmisch schnellen Ende, wie eine lustige Pointe los. Man bekommt so den Eindruck, dass man nicht alles zu ernst nehmen sollte, sondern der Spaß am Leben einfach wichtig ist.

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Die Jungs folgen an diesem Abend keinem geplanten Ablauf.  Es wird getanzt was das Zeug hält, gelacht, herumgealbert. Ganz natürlich eben- genauso wie ihre Musik.  Jeder der vier Bandmitglieder bringen seine ganz eigenen Künste und Fertigkeiten mit. Achmed spielt zu Beginn ein Kontrabasssolo, das mir Gänsehaut verleiht. Der Sänger erzählt über Achmeds Heimaturlaub, den er in Palästina bei seinen Eltern verbrachte und von dort die Töne der Stadt mit nach Mannheim bringt. Durch eine Mischung aus orientalischer-indischer Richtung und ganz eigener Interpretation des Musikers nimmt er das Publikum mit auf eine Reise in eine andere Welt. Dabei bringt er auf seinem Instrument didgeridooartige Klänge hervor. Die anderen Bandmitglieder setzen sich für diesen besonderen Moment auf der Bühne hin, mit einem Bier in der Hand und lauschen der Melodie, als würden sie sie zum ersten Mal hören. Man schmeckt praktisch die fernen Länder. Es ist hypnotisierend. Auch der Geiger spielt später ein Solo und stößt meine Gefühlswelt wieder in eine ganz andere Richtung. Das merkt man auch dem Publikum an. In einem Moment tanzen und springen alle noch ganz mitgerissen, fünf Minuten später sind sie alle ganz leise und lauschen der Musik, so als würde man eine noch nie gehörte, spannende Geschichte erzählt bekommen.

Besonders der Sänger mit seiner rauchigen Stimme und seinem geheimnisvollen Erscheinungsbild ist ein Publikumsmagnet für alle Besucherinnen, wie sich zum Beispiel bei einem Gespräch mit Annika und Christina hausstellt. Kurz bevor das Konzert beginnt treffe ich beide im Zuschauerraum und unterhalte mich mit ihnen über ihre Verbindung zu der Band. Beide kennen sie bereits seitdem sie noch keine Locations wie die Alte Feuerwache restlos füllen. Vor wenigen Jahren haben sie bei der Hochzeit des Cousins der beiden mit knapp 50 Gästen gespielt. Dass das heute noch möglich wäre, scheint bei der Publikumsmenge unvorstellbar. Eigentlich hören beide Mädels eher Pop oder Rock. Trotzdem hat sie die Band in ihren Bann gezogen. „Eyes Wide Shut“ ist zu ihrem Lieblingssong der Band geworden. Der jährliche Besuch eines Konzertes von Bukahara ist bei den beiden eine Art Geburtstagsritual.

Immer wieder flüstern sich die Musiker etwas zu und begleiten sich gegenseitig ganz spontan. Es gibt ein kurzes Trompetenbattle zwischen dem Sänger der Vorband und dem Geiger von Bukahara. Sie basteln sogar mit dem Publikum an zwei ihrer neuen Songs. Dabei testen sie während des Spielens verschieden Stimmlagen aus oder ändern die Anzahl der Stimmen und reagieren dann auf die Resonanz des Publikums. Daumen hoch, Jubel und Klatschen heißt „beibehalten“ und Buh-Rufe oder Kopfschütteln heißt „rauswerfen“. Somit werden manche Teile beibehalten, andere aus dem Lied rausgeworfen oder abgeändert, teilweise ein weiteres Stück Text dazu erfunden.

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„Stay as we are“, wie der Sänger in einem Song besonders hervorhebt, ist ein Satz, der mir im Kopf geblieben ist. Denn was mir dieser Abend vermittelt hat ist Liebe und Geborgenheit, aber auch Akzeptanz und Wohlfühlen.

Text und Bilder: Alischa Thomas

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