Film Kultur

Call me Kuchu

Die Hochschulgruppe Amnesty International und Café Vogelfrei haben sich zusammengetan, um den preisgekrönten LGBTI Dokumentarfilm „Call me Kuchu“ vorzuführen. Das uni[ma]gazin war für euch dabei.

Mittwochabend, 19 Uhr. Noch herrscht im Café Vogelfrei in den Mannheimer Quadraten gemütliche Plauderstimmung. Das Café ist gut gefüllt, alle Tische sind besetzt und wer keinen Platz gefunden hat, sitzt auf dem Boden. All diese Besucher sind nicht nur wegen dem guten Kaffee gekommen: Die Hochschulgruppe Amnesty International und Café Vogelfrei haben sich zusammengetan, um einen Film vorzuführen, der den Nerv der Zeit trifft. „Call me Kuchu“ ist ein preisgekrönter Dokumentarfilm aus dem Jahr 2012, der die Situation der LGBTI (Lesbian Gay Bisexual Transsexual Inersexual) -Gemeinschaft in Uganda beleuchtet. Nach ein paar allgemeinen Worten zur Hochschulgruppe Amnesty International und einer kleinen Einführung beginnt der Film.

Homophobie ist in der Gesellschaft Ugandas tief verwurzelt

Am Anfang des Films wird gleich erklärt, dass sich die Mitglieder der LGBTI Gemeinschaft untereinander „Kuchus“ nennen. Die Kamera begleitet vor allem die Aktivisten um den ersten öffentlich schwulen Mann in Uganda, David Kato. Sie alle verfolgen eine gemeinsame Mission: Den Kampf gegen Homophobie und staatliche Unterdrückung. Das ist leichter gesagt als getan. Homophobie ist in der Gesellschaft Ugandas tief verwurzelt und vor allem Politiker und die Medien schüren Hass, um das Volk gegen die LGBTI Gemeinschaft aufzuhetzen.

„Wenn wir uns weiter verstecken, werden sie so tun als gäbe es uns nicht“

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Bisher wurde die LGBTI-Gemeinschaft in viele Gefahrensituationen gebracht, die größte Hürde ist jedoch nicht überwunden. Der Staat plant ein Gesetz zu verabschieden, dass Homosexualität mit Gefängnis oder sogar mit dem Tod straft. Dieses umgangssprachlich sogenannte „Kill the Gays“-Gesetz sieht nicht nur vor Homosexualität zu bestrafen, auch Mitwisser hätten demnach die gesetzliche Pflicht Homosexuelle zu melden. Obwohl es für die LGBTI-Aktivisten zunehmend gefährlich wird, stellen sie sich öffentlich gegen den Gesetzentwurf und schaffen es mit internationaler Hilfe tatsächlich das Gesetz zu verhindern. In Katos Worten: „Wenn wir uns weiter verstecken, werden sie so tun als gäbe es uns nicht.“ Tragischerweise wird David Kato kurz darauf in seinem Haus brutal ermordet. Der Film zeigt den Schmerz seiner Angehörigen so ergreifend, dass auch einige Zuschauer im Café Vogelfrei in Tränen ausbrechen. Trotzdem lassen sich die Mitglieder der LGBTI Bewegung nicht unterkriegen und kämpfen bis heute unter lebensbedrohlichen Bedingungen weiter für ihre Rechte.

Es ist eine Sache sich zu outen, eine andere zurückgewiesen zu werden

Der Film ist vorbei und im Café Vogelfrei ist es totenstill. Nach und nach stehen die ersten auf, doch von der anfänglichen Plauderstimmung ist nichts mehr übrig. Eine der Organisatorinnen bricht das Schweigen und erzählt, dass Ugandas Regierung 2013 trotzdem ein Anti-Homosexuelles Gesetz einführte, was 2014 glücklicherweise wieder außer Kraft gesetzt wurde. Die Besucher im Café Vogelfrei sind erleichtert, doch den meisten hat der Film immer noch die Sprache verschlagen, denn „Call me Kuchu“ geht unter die Haut. Nicht nur, weil die Situation für Homosexuelle in Uganda so schwierig ist, sondern weil die Intoleranz, die Vorurteile und der grundlose Hass gegen die LGBTI-Gemeinschaft so unbegreiflich sind. In den Worten einer Aktivistin: „Es ist eine Sache sich zu outen, eine andere zurückgewiesen zu werden.“

Wer sich weiter informieren möchte findet Informationen auf: https://callmekuchu.com/

Autorin: Ellen Robinson, Fotos: (c) Call Me Kuchu

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