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Corona-Quarantäne: Wie die COVID-19-Pandemie Herr unseres Handelns wird

Überall in den Nachrichten wütet das Thema „Corona-Virus“. Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland steigt, Kliniken sind bereits überfordert und Menschen werden dazu gedrungen, sich in Isolation zu begeben. Der Virus betrifft Menschen jeder Schicht, Generation und Ethnie und ist daher ein einzigartiges Ereignis, für welches jeder Bürger Verantwortung trägt. Es ist kaum zu glauben, dass wir Zeitzeugen späteren Geschichtsbuch-Materials sind. Aber wie geht es den Menschen, die bereits in Quarantäne sind und noch abgekapselter leben als der Rest der Bevölkerung?  Marie Berle (18) aus Ratingen berichtet von ihren Erfahrungen.

Uni-Magazin: Könntest du uns erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass du nun in Quarantäne bist?

Marie Berle: Ich habe mein Praktikum letzte Woche Mittwoch angefangen. Da hieß es schon davor, dass es einen Fall in der Firma gab. Trotzdem habe ich mich dazu entschieden, dort anzufangen, weil Maßnahmen durchgeführt wurden dagegen. Am Mittwoch habe ich dann angefangen und wurde von meinem Praktikumsbetreuer eingewiesen und ich habe den ganzen Tag mit ihm verbracht. Abends ging ich nach Hause und dann kam die Nachricht von ihm, dass er leichte Kopfschmerzen und Fieber hat und ich die nächsten Tage nicht kommen soll. Letztendlich wurde er positiv auf Corona getestet, was für mich bedeutete, dass ich als Kontaktperson ersten Grades in Quarantäne muss.

Uni-Magazin: Inwiefern wirkt sich die Isolation nun auf dein alltägliches Leben aus?

Marie Berle: Es ist schon komisch, wenn man gar nicht raus darf. Im Prinzip ist es ähnlich wie Schulferien, da man ja auch nur teilweise zu Hause sitzt. Aber wenn man Sachen benötigt, dann muss man natürlich erstmal auch die Eltern schicken. Man muss man sehr stark auf den Körper hören, denn wenn sich Symptome aufzeigen, dann muss man das Gesundheitsamt direkt informieren. Ich führe so ein Kontaktpersonen-Tagebuch, da muss ich zweimal am Tag Fieber messen.

Uni-Magazin: Du hast jetzt auch erwähnt, dass du noch mit deinen Eltern zusammenlebst. Inwiefern wirkt sich die Situation auf sie aus?

Marie Berle: Im Prinzip muss ich möglichst viel Abstand von meiner Familie halten. Sie müssen nicht in Quarantäne. Also die Regelung gilt für sie erst, wenn ich Corona habe. Dann gelten sie ebenfalls als Kontaktperson ersten Grades und müssen in Quarantäne. Anweisungen vom Gesundheitsamt waren, dass ich natürlich ein eigenes Zimmer und Bad habe, weil auch durch Dämpfe der Virus ausgebreitet werden kann. Empfohlen wurde, dass Mahlzeiten alleine eingenommen werden, aber bis jetzt weise ich noch keine Symptome auf. Deshalb sitze ich quasi am Ende des Tisches bei meiner Familie. Wir haben abgemacht, dass ich erstmal nichts in der Küche mache und ich wenig anpacke. Ist allerdings ein wenig schwierig, da man sich manchmal in die Quere kommt.

Uni-Magazin: Was ist denn das schlimmste, was du bisher durch die Isolation erlebt hast?

Marie Berle: Der Corona Virus betrifft uns ja jetzt leider alle. Das Praktikum, was ich letztendlich für einen Tag geführt habe, wurde abgesagt und dann auch noch ein weiteres Praktikum, was geplant war für April bis Juni. Man sitzt dann zu Hause und erfährt solche Sachen, wogegen man wenig machen kann. Eine Umarmung kann ich auch nicht bekommen und das ist dann halt schade.

Uni-Magazin: Hat sich aus der Quarantäne auch was Positives für dich ergeben?

Marie Berle: Ich muss halt sagen, man überlegt sich so: Was fang ich jetzt mit meinem Leben an? Ich führe auf Instagram z.B. ein Quarantäne-Tagebuch, wo ich einfach ein bisschen davon zeige, wie ich lebe und was ich mache. Und man fängt halt generell so an, sich Gedanken zu machen über Hobbys. Ich habe beispielsweise jetzt angefangen, Gitarre zu lernen. Ich weiß nicht, wie lange das anhält, aber naja. Ansonsten wird man einfach kreativ. Und das Wetter ist gut, d.h. man kann wenigstens noch raus in den Garten. Das ist schon mal ganz gut, ein bisschen Auslauf zu haben.

Uni-Magazin: Was hast du in der Isolations-Zeit bereits schätzen gelernt?

Marie Berle: Einfach das normale Rausgehen. Was mir z.B. Spaß macht ist Joggen gehen, vor allem im Wald, wo sag ich mal wenig Leute angetroffen werden, aber das muss man jetzt auch komplett auslassen. Einfach dieses freie Bewegen. Ich bin jetzt bei Tag Vier, da geht’s noch, aber ich kann mir vorstellen, dass es nach paar Tagen echt langweilig sein wird.

Uni-Magazin: Du hast ja noch paar Tage vor dir. Was gibt dir Kraft, die restliche Zeit zu überstehen?

Marie Berle: Ich beobachte jetzt auch viel was für Neuigkeiten bezüglich Corona kommen. Positiv eingestellt bin ich gerade, weil ich keine Symptome aufweise, ich hoffe das bleibt auch so. Und was ich mir erhoffe ist, dass ich mich bald dann auch mit Freunden treffen kann, was jetzt ja schwierig ist, weil ich keine sozialen Kontakte haben darf. Trotzdem fokussiere ich mich darauf, was ich nach der Isolation endlich machen kann. Man beobachtet das mit dem Corona Virus und hofft, dass sich die drastischen Maßnahmen lindern in den nächsten Wochen und weniger Leute betroffen sind. Auch wenn ich in Quarantäne bin, wünsche ich das keinem.

Uni-Magazin: Gehst du aus der Isolationszeit mit einer neuen Einstellung in die Welt hinaus? Oder hat sich für dich nach wie vor nichts geändert?

Marie Berle: Ich glaub jetzt gerade, kann ich’s noch nicht super beurteilen, aber ich habe mir auch darüber Gedanken gemacht, dass man allgemein immer versuchen sollte, die Hygiene einzuhalten. Hände gründlich waschen usw. . Man sieht halt, wie schnell sich Viren verbreiten können. Menschen müssen in Quarantäne und das sind Maßnahmen, die getroffen werden müssen. Man sollte trotzdem nicht Panik verbreiten. Solange man das soziale Leben ein wenig eindämmt und regelmäßig seine Hände wäscht, kann man sich und seine Umwelt schützen. Und indem man möglichst wenig Klopapier kauft!

Interview: Nisha Gurung

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