Campusleben

“Das Kirchturmdenken muss aufhören!”

Ein Erfahrungsbericht von einem Wandertag mit der neu gegründeten SDS.Die Linke

Die politische Hochschulgruppe „SDS.Die Linke“ hat sich dieses Semester neu an der Uni Mannheim gegründet. Wir haben uns mit ihnen über die Pläne der nächsten Monate, ihre betont unhierarchische Struktur und die Hintergründe der Neugründung unterhalten. Und so unkonventionell wie sie sie sind, nicht mit zwei oder drei Vertretern bei einer Tasse Kaffee, sondern auf einer Wanderung durch den Käfertaler Wald.

Selbst wenn alle Klischees einer unhierarchischen, linken Hochschulgruppe sich innerhalb der ersten zehn Minuten zu bestätigen scheinen: Bei der SDS.Die Linke geht es um mehr als um Gruppenspiele, Imitieren von Bewegungen und Adjektiv-Vornamen-Alliterationen in Vorstellungsrunden. In ihren neu gegründeten AKs setzen sie sich thematisch auf eine Menge allgemeinpolitischer Ziele fest. Seit Anfang des Semesters gibt es unter anderem zu Antirassismus, Wirtschaft, Feminismus und Hochschulpolitik inhaltliche Arbeitskreise. Man befasst sich mit Nachhaltigkeit, der Arbeit mit Geflüchteten und dem Mitorganisieren eines 68er Kongresses in Berlin anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums. Und eben alles in einer unhierarchischen Art und Weise und in einem kritisch solidarischen Verhältnis zur Partei “Die Linke”.

Gegründet hat sich die Hochschulgruppe erst Ende Januar. Nach einem konstituierenden Treffen einiger Interessierter hatte sich auch bald eine Gruppe motivierter Studis rund um die anfänglichen Initiatoren Leon Brülke und Hanna Böhm gebildet. Wie Viele in der Gruppe sind sie im vierten Semester. Von der alten “linke.sds” an der Uni Mannheim haben die meisten auf der Wanderung also nicht viel mitbekommen.

Die alte Hoschulgruppe des SDS war im Rahmen der Hochschulwahlen 2014 durch den Verdacht auf Unterschriften- und folglich auch Wahlfälschung aufgefallen. Zu einem Urteil ist es dabei letztendlich nicht gekommen. Die Hochschulgruppe hatte sich infolgedessen dennoch aufgelöst. “Es ist jetzt alles ziemlich unabhängig aufgebaut worden.”, erklärt uns Paul, Beauftragter des AK für Antirassismus. “Die Uni ist auch ein schnelllebiger Ort. Insgesamt ist man mit dem Auslandssemester vielleicht zweieinhalb Jahre da. Und dementsprechend ist von der alten “Linke.sds” niemand mehr an der Uni oder sonst in der Gruppe aktiv. Es ist alles also alles ziemlich neu und unbefangen. Uns ist bewusst, dass es passiert ist, aber es hat mit keinem Mitglied bei uns was zu tun.”

Dass es nicht immer einfach ist, bei so viel Engagement  auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, ist klar. “Das Ding mit den flachen Hierarchien ist, dass man unglaublich viel Zeit in unglaublich kleine Sachen investiert. Letztens haben wir ewig über irgendeine Formulierung diskutiert, Das nervt dann schon ein bisschen.”, meint Hannes, Zweitsemester Politikwissenschaft. “Es gibt natürlich eine gewisse inhaltliche Struktur, aber eben keine Hierarchie, die mit Machtpositionen einhergeht.”, erklärt Hilke, momentan AStA Referentin für Gleichstellung. “Leute arbeiten inhaltlich, und für die Aufbereitung und Weiterverarbeitung der Information sind dann Einzelne zuständig, die das in einem anderen Kreis besprechen. Aber es gibt keine gewählten Vorsitzendenämter oder dergleichen, wo man dann anfängt Geschenke zu verteilen um gewisse Posten abzugreifen.”

Den Vorwurf, die SDS Gruppen an deutschen Unis würden sich zu wenig für Hochschulpolitik interessieren und zu selbstständig allgemeinpolitische Ziele verfolgen, findet Hagen Grimsehl, Viertsemester Politikwissenschaft,  übertrieben. “Das Kirchturmdenken muss aufhören! Man muss nicht immer zwischen Hochschul- und Allgemeinpolitik unterscheiden. Es wäre auch traurig, wenn die SDS.Die Linke aufhören würde, sich mit Themen zu befassen, die über den eigenen Tellerrand hinausgehen. Als Studis haben wir da irgendwo auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.”

Wenn es um Inhaltliche Unterschiede zu den anderen politischen Hochschulgruppen geht, schätzen die meisten dabei vor allem den gesellschaftspolitischen Fokus der SDS.Die Linke. “Ich war auf der Suche nach einer linken Möglichkeit mich zu engagieren. Und mir persönlich ist einfach Tierschutz nicht so wichtig.”, erklärt Dana später. Hilke war die politische Landschaft an der Uni auch bisher zu wenig ansprechend. “Deswegen hab Ich mich über eine Option links der bestehenden Hochschulgruppen gefreut.”

Mittlerweile befindet sich die Hochschulgruppe in der Planung ihres Wahlkampfs für die Hochschulwahlen am 17. und 18. April. Welche Themen sie dabei in den Mittelpunkt rückt, steht noch aus. Fest steht aber, dass sie mit einer Liste antreten wird und der Uni nach drei Wahlperioden wieder eine Option links der Jusos und der gahg eröffnet. Es bleibt abzuwarten, was sie dabei an Aktionen und Vorschlägen aus dem hut zaubern.

 

Text: Carlos Hanke Barajas

Bild: Leon Brülke

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