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Der ungeklärte Untergang einer Zivilisation – Ein Bericht über das Volk der Maya

Die Maya – lange bekannt als das friedliche Volk der Sternengucker– bergen immer noch viele Rätsel für die Forschung. Mit der Entzifferung der Hieroglyphenschrift Mitte des 20. Jahrhunderts gelingt es dem jungen Forschungszweig endlich, zunehmend mehr über die versunkene Hochkultur und ihren rätselhaften Untergang zu erfahren. Die Ausstellung „Maya – Das Rätsel der Königsstädte“ in Speyer möchte Antworten auf noch ungeklärte Fragen unter Einbezug der neuesten Forschungserkenntnisse liefern und eröffnet zudem unerwartete Fakten über die Maya.

Mit 6,50 Euro weniger in der Tasche (gilt für Studenten), dafür aber mit einem Audioguide ausgestattet, taucht der Besucher in die Welt des kakaotrinkenden Volkes ein – den Regenwald. Der Vorraum ist nur spärlich belichtet. Runde Infotafeln mit Palastbauten der Maya inmitten eines grünen Waldes darauf präsentieren einleitende Texte, während die Stimme des Erzählers aus dem Audioguide detailreichere Informationen liefert. Das Bild des Regenwaldes, das wie ein durchlässiger Schleier wirkt, trennt den Prolog der Ausstellung von dem folgenden Raum ab und kreiert endgültig das Gefühl, bei einer Expedition im Dschungeldickicht dabei zu sein. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler, sich stark für die versunkene Kultur zu interessieren und das Maya-Land zu erforschen. Damals war es ein anstrengendes Unterfangen, die Maya-Städte zu erkunden: Kilometerlange Märsche durch den Dschungel bei sengender Hitze – ein Abenteuer wie aus dem Bilderbuch. Mittlerweile ist die Erforschung in dieser Hinsicht ein wenig unspektakulärer geworden. Die Technologie erspart den Wissenschaftlern viele Strapazen, denn mithilfe von Fernerkundung ist es heute möglich, die Ruinen aus der Luft zu entdecken. Trotz der langen Expeditionsgeschichte liegen nur wenige Erkenntnisse über das Volk vor. Grund hierfür ist die späte Entschlüsselung der Hieroglyphenschrift, die Forschern erst in den 1980er Jahren auf der Grundlage von den Aufzeichnungen eines spanischen Geistlichen gelang. Allerdings konnten bis heute nur rund 70 Prozent der 800 Zeichen entschlüsselt werden. An einem großen Monitor kann man sich durch genauere Erklärungen zur Bedeutung und Gestalt einzelner Glyphen klicken.

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Mit dem Wissen über die Hieroglyphen war es der Wissenschaft möglich, das alltägliche Leben, die Rituale und die Schlachten der Maya langsam zu rekonstruieren. In Kombination mit den Ausgrabungsstätten ergab sich nach und nach ein zusammenhängendes Bild der Kultur aus den einzelnen Puzzleteilen. So erfuhr man beispielsweise, dass die großen Pyramiden der Maya, die bis zu 45 Meter hoch sein konnten, als Ort für Zeremonien dienten. Die architektonischen Meisterleistungen der Hochkultur sind unangefochten, doch damit nicht genug. Ebenfalls ein breites Ingenieurswissen war innerhalb ihrer Gesellschaft vorhanden. Um den knallharten Bedingungen des Regenwaldes trotzen zu können, bauten die Maya Regenauffangbecken und Reservoire, um auch in der Trockenzeit ausreichend Wasser für die Bewässerung ihrer Felder zu sichern. Eine von den Maya besonders verehrte Anbaupflanze, neben Kakao, Kürbissen und Bohnen, war der Mais.  Der Sage nach schufen die Götter den Menschen aus Mais, nachdem die Versuche, Lehm und Holz als Material zu nutzen, fehlschlugen. Besucher, die mehr über den Alltag und die Bewässerungstechniken der Maya erfahren wollen, können sich dazu jeweils zwei Kurzfilme ansehen.

Die Maya besaßen nicht nur architektonische Fähigkeiten, sie waren ebenfalls für ihre sehr ausgeprägten, mathematischen und astronomischen Kenntnisse bekannt. Besonders die Sterne spielten eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Es wurden sogar Observatorien erbaut, um den Verlauf der Gestirne zu verfolgen und so auf deren Grundlage Kalender zu entwickeln. Ihre Berechnungen sind, mit der Ausnahme des vermeintlichen Weltuntergangs am 21.12.2012, sehr genau. Der Sonnenkalender Haab gilt als einer der präzisesten Kalender überhaupt und wurde mit dem Ritualkalender Tzolk´in und der Langen Zählung kombiniert. Gemeinsam bildeten sie eine Orientierung für die Maya, nach der sie ihre Rituale, Ernten und Opfer richteten, ein Umstand, der ihnen die Bezeichnung der „friedvollen Sternengucker“ einbrachte. Jedoch zu Unrecht, wie die Ausstellung überraschenderweise aufklärt. Die Maya waren ein kriegerisches und blutrünstiges Volk. Zahlreiche Vasen und Stelen, die in der Ausstellung zu sehen sind, unter anderem die Berliner Kriegsvase, berichten von Schlachten, Siegen und Verlusten. Der wohl größte Konflikt herrschte zwischen den Großmächten Talkin und Calakmul, welcher unzählbare Tote und einen Zusammenbruch der politischen Hierarchien zur Folge hatte.

Die Gesellschaft der Maya war hierarchisch gegliedert. An der Spitze hiervon stand der sogenannte Gottkönig, welcher als Vermittler zwischen der irdischen und der göttlichen Sphäre angesehen wurde. Das Oberhaupt hatte alles Andere als ein leichtes Leben. Zum Antritt seiner Amtszeit war er verpflichtet, den Göttern ein Blutopfer darzubringen, um die Ernte zu sichern. Dieses Opfer war mit enormen Schmerzen verbunden, denn der Penis des zukünftigen Herrschers wurde mit einem Dornenstrang durchbohrt und sein Blut in einer Schale aufgefangen. Trotz allen Strapazen schien es die Gottkönige stolz zu machen, Opfer für ihr Volk zu bringen, da manche das Ritual in Stein meißeln ließen, wie ein Exponat in der Ausstellung belegt. Wer denkt, dass diese Zeremonie schon verrückt war, der wird eines Besseren belehrt. Die Maya waren ein merkwürdiges Volk. Um mit ihren verehrten Göttern in Kontakt zu kommen, stellten sie Rauschmittel her. Kombiniert mit Musik, Tanz und wenig Essen glaubten sie, so in die göttlichen Sphären zu gelangen.

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Ganz vernarrt war das Volk in Jade – das „grüne Gold“ der Maya. Um ihren Reichtum zu zeigen, schmückten Adelige sogar ihre Zähne mit kleinen Stückchen des grünen Edelsteins. Ein weiteres edles Gut der Maya war der Kakao. Er war lediglich den Herrschern vorbehalten (was für eine grauenhafte Vorstellung!) und wurde mit Chili oder anderen Gewürzen getrunken. Wem hier das Wasser im Mund zusammenläuft, der hat nach der Ausstellung die Möglichkeit, einen solchen Kakao im Museumscafé zu genießen. Ein Tipp an dieser Stelle: Der Maya Kakao schmeckt bestimmt unglaublich gut, aber der normale tut es für 90 Cent weniger auch.

Nachdem die Besucher einen ordentlichen Fußmarsch durch die zahlreichen Räume und Gänge der Ausstellung zurückgelegt haben, lädt ein knapp 15-minütiger Film zum Sitzen und Nachsinnen über die Eingangsfrage ein. Wie konnte ein so hoch entwickeltes Volk, wie das der Maya, einfach verschwinden? Die Antwort ist eindeutig uneindeutig. Was die Forschung weiß, ist, dass es viele Gründe dafür gab, die sich gegenseitig beeinflussten und den langen Prozess des Kollapses verursacht haben. Aber welche das sind, das müsst Ihr selbst herausfinden, ich habe jetzt schon genug Geheimnisse der Maya verraten. Bis zum 24. April 2017 habt Ihr noch die Chance dazu, die Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet! Fahrtkosten für die Expedition der versunkenen Welt fallen nicht an – Speyer könnt Ihr mit dem Semesterticket erreichen. Plant bitte viel Zeit für den Ausflug ein, denn die Ausstellung ist durch die zahlreichen Infotafeln, Exponate, Audioguide-Beiträge und Mitmachstationen sehr umfangreich.

 

Text und Bilder: Elisabeth Zax

 

 

 

 

 

 

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