Comedy Kultur

Ds Passiert Alles In Dein Birne

Es gibt nicht viele Künstler, die an einem warmen Sommertag viele tausend Menschen in die dunkle SAP-Arena locken können. Der Stuttgarter Schauspieler Tedros „Teddy“ Teclebrhan schafft dies aber mit einer Leichtigkeit. Am vergangenen Sonntag feierte er in der Mannheimer SAP-Arena mit seinem aktuellen Bühnen-Programm „DS PASSIERT ALLES IN DEIN BIRNE“ ein gebührendes Tour-Finale.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch an diesem Abend. Aus Lautsprecherboxen vor der SAP-Arena wird mit automatischen Durchsagen im Fünfminuten-Takt darauf hingewiesen, dass keine Taschen und große Gegenstände mit in die Halle genommen werden dürfen. Brav stellen sich tausende Menschen draußen in die Schlange vor einem Baucontainer, um dort ihre Wertgegenstände abzugeben. Auch im Inneren der Halle sind gefühlt mehr Sicherheitskräfte im Einsatz, als bei anderen Großveranstaltungen in diesem Jahr. Ein komisches Setting für einen Abend, an dem sich so viele Besucher versammelt haben, um gemeinsam Spaß zu haben.

Dass gute Unterhaltung in so einer Situation aber dennoch möglich ist, zeigt Teddy gleich zu Beginn des Abends, als er in seiner Rolle Percy zunächst die Bühne verlässt, um die breit gebauten Sicherheitsmänner im Publikum abzuchecken. Diese sind sichtlich überrascht, auf einmal von einem Spot-Licht angeleuchtet und auf die große Videowand projiziert, im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen.

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Es sind genau diese Momente, die den Schauspieler Tedros Teclebrhan vor fast 6 Jahren mit Hilfe eines YouTube-Clips mit dem Titel „Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde)“ schlagartig berühmt werden ließen. Spontane und lustige Improvisationen von erfundenen Charakteren, festgehalten durch eine Kamera und veröffentlicht im Internet. Das Ganze ist auf den ersten Blick immer so authentisch, dass es kein Wunder war, dass 2011 auf zahlreichen Schulhöfen dieses Landes heiß darüber diskutiert wurde, ob der Typ aus dem Integrationstest-Video echt oder ein Fake ist. Schnell stellte sich heraus: Es handelte sich bei dem komischen Mann mit weißen Unterhemd und Schnauzer, um einen ausgebildeten Schauspieler aus Stuttgart, der gerade sein Debüt in der Kölner Produktion des Musicals „Hairspray“ gefeiert hatte. Von da an ging für Teddy alles sehr schnell. ZDFneo sendete seine eigene TV-Show, kurz darauf eroberten er und seine Figuren die Mehrzweckhallen dieses Landes.

Wie auch schon das erste Programm des Stuttgarters, steht seine neue Show ganz im Zeichen der skurrilen Charaktere, die der Schauspieler über die letzten Jahre entwickelte und deren Geschichten er auf der Bühne und in Webvideos weitererzählt. Verbunden durch kurze Filmsequenzen zaubert Teddy in der ersten Hälfte des Abends eine Figur nach der anderen aus dem Bühnenvorhang. Da gibt es den temperamentvollen Italiener Guido mit Dauerwelle und Herrn Riedler, einen schwäbischen Mann im besten Alter, mit rechter politischer Gesinnung, der zwar nichts gegen Ausländer hat, dennoch davon überzeugt ist, dass sie alle klauen. Gefolgt von Lohan Cohan einem amerikanischen Pop-Star mit Überbiss und Helene-Fischer-Gedächtnismikrofon, der mit zarter Soul-Stimme eine emotionale Ballade präsentiert und dabei immer wieder kehlig schräg in das Mikrofon lacht. Und natürlich Percy, ein prolliger Typ mit Zuhälter-Bart, einer Frisur im Topfschnitt und Sprachfehler. Jede Figur für sich ist ein einzigartiges Original.

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Alles was Teddy, in seinen Figuren, auf der Bühne macht ist eine bunte Mischung aus Stand Up Parts, die er immer wieder mit Improvisationen durchbricht. Eigentlich genauso, wie in seinen Videos auf YouTube, nur live und ohne Schnitte. Das dieses Konzept auch sechs Jahre nach dem Internet-Hype immer noch aufgeht, liegt vor allem daran, dass sich Teddy und seine Figuren weiterentwickelt haben. Sie haben es nicht mehr nötig die kultigen Sprüche aus den frühen erfolgreichen YouTube-Videos zu wiederholen. Sie erzählen inzwischen neue Geschichten und überzeugen mit originellen Aktionen, die wiederum das Potential haben zum Kult zu werden. So gelingt es dem Künstler schon seit einigen Jahren deutschlandweit tausende Menschen in seine Vorstellungen zu locken, ohne dafür in jeder erdenklichen Fernseh-Talksendung gewesen zu sein, um dort auf schlecht recherchierte Fragen zu antworten, um Promo für seine Auftritte machen zu können. Alle Zuschauer wissen, was sie erwartet und genau deswegen sind sie auch hier.

 

Nach der Pause steht dann die vielleicht bekannteste Figur von Teddy auf der Bühne: Antoine, der Typ aus dem Integrationstest-Video, der zusammen mit der fünfköpfigen Live-Band einen selbstgedichteten Pop-Song über einen Wellensittich in Grönemeyer-Manier vorträgt. Spätestens an dieser Stelle wird klar: Alles was an diesem Abend passiert, trägt den unverkennbaren Teddy-Stempel, eine Art von Humor, die live erlebt äußerst unterhaltsam ist, aber niedergeschrieben in einem Text viele Fragen aufwirft – ganz nach dem titelgebenden Motto „Ds passiert alles in dein Birne“.

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Percy checkt die Sicherheitsmänner vor der Bühne der SAP-Arena.

Tedros Teclebrhan überzeugt in der SAP-Arena als wahrer Entertainer, sowohl gesanglich als auch tänzerisch und schauspielerisch. Er erzählt auf der Bühne keine billigen Zoten oder Altherrenwitze, keine altbekannten Gags über die Besuche bei den Schwiegereltern (Kennste?) oder darüber, wie es ist mit Migrationshintergrund in Deutschland zu leben. Es sind pointierte, absurde Geschichten die ihren Humor daraus entwickeln, dass sie aus der Perspektive von Teddys vielschichtigen Charakteren erzählt werden – immer gewürzt mit einer kleinen Priese Wahnsinn. Vielleicht könnte man sagen, dass Teddy eine Art Helge Schneider für die Generation-YouTube ist: musikalisch, spontan, manchmal auch befremdlich, aber immer auf eine, teils unerklärliche, Art höchst unterhaltsam.

Text und Bilder: Matthias Mohler

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