Wir alle haben vergangenen Sonntag unsere Uhren eine Stunde zurückgestellt. Wer noch nicht genug vom Zeitreisen hat, kann seine Uhr metaphorisch gleich vier Monate zurückdrehen und (nochmal) die Mystery-Serie „Dark“ anschauen, in der es um eben dieses Thema geht und deren finale dritte Staffel diesen Sommer auf Netflix veröffentlicht wurde.

Die Handlung lässt sich ohne schwerwiegende Spoiler nur sehr grob beschreiben. In der deutschen Kleinstadt Winden verschwinden Kinder spurlos. Dieses Rätsel ist tief verwoben mit den persönlichen Geheimnissen und Intrigen der Bevölkerung der Stadt, in der jeder die eine oder andere Leiche im Keller zu haben scheint. All dem liegt zu Grunde, dass Zeitreisen möglich sind, wie bereits relativ früh klar wird.

Außergewöhnlich (für eine weltbekannte Netflix-Produktion) ist, dass „Dark“ in Deutschland spielt und mit deutscher Besetzung in deutscher Sprache gedreht wurde, wodurch man sich in der fiktiven Welt sehr zuhause fühlt. So kann man sich gänzlich dem Enträtseln der mysteriösen Handlungszusammenhänge widmen. Die Hinweise sind allerdings so sparsam, dass man lediglich Theorien aufstellen kann. Die Aha-Momente (oder besser „What?!“-Momente) kommen in der Regel erst dann, wenn eine Tatsache explizit aufgeklärt wird.

Neben dem Wunderlichen thematisiert „Dark“ auch die ganz großen philosophischen Fragen, unter anderem die nach Freiheit und Determination. Kann ich die Gegenwart ändern, indem ich in die Vergangenheit eingreife? Kann ich meine eigene Existenz verhindern? Diese Frage zieht sich als Kernelement durch alle drei Staffeln und wird auf geniale Weise beantwortet.

Abgesehen von der rein physikalisch-kausalen Fragestellung, die Zeitreisen aufwerfen, geht es in der Serie auch um das Wesen des Menschen. Ein häufig vorkommendes Zitat nach Schopenhauer lautet: „Wir sind nicht frei in dem, was wir tun, weil wir nicht frei sind in dem, was wir wollen.“ Na super, denkt man sich, während sich die Serienfiguren unwissentlich, aber grob fahrlässig, immer tiefer reinreiten. Nicht durch Mord und Totschlag, sondern durch kleine und große Gemeinheiten, die zu einem unentwirrbaren Geflecht unermesslichen Leids beitragen. Und durch die Zeitreise steht immer im Hintergrund die Frage: „Aber was, wenn nicht…?“

Text und Illustration: Felix Dunker

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