Campusleben

Ein Brief an die Career Fair

Liebe Career Fair,

 

Wir haben uns gefragt, was du für Studis abseits der Wirtschaftswissenschaften zu bieten hast. Wir wollten dir einfach mal eine Chance geben. Unsere Filterblase voller Vorurteile verlassen. Dazu haben wir dich gestern besucht und uns mit den Ausstellern unterhalten, die im Katalog angegeben hatten, Studis nicht wirtschaftlicher Studiengänge einzustellen.

 

Du als Karrieremesse, die den Anspruch erhebt, allen Studis der Uni Mannheim mögliche Karriereoptionen und Arbeitgeber vorzustellen, hast nämlich auf den ersten Blick ein großes Manko: Du beherbergst ausschließlich Arbeitgeber aus der Privatwirtschaft. Das hat uns ein bisschen enttäuscht. Auf der Suche nach Stiftungen, Gewerkschaften, NGOs oder Kultureinrichtungen haben wir deinen kleinen blauen Katalog von vorne bis hinten durchgeblättert. Fehlanzeige. Kein Wunder also, dass uns auch an für Sozialwissenschaftler*innen ausgewiesenen Ständen mit einem süffisanten Lächeln erklärt wird, dass man mit Politikwissenschaften “leider nicht ins Anforderungsprofil passt.” Oder an anderen Ständen, dass Unternehmen “natürlich immer auf das Gesamtprofil schauen! Man lernt ja auch als Geisteswissenschaftler immer dazu.” Auf mögliche Positionen für eine Sprachwissenschaftlerin angesprochen, wurde zwar sehr viel geredet, doch am Ende blieb es dann meistens auch eher bei einem “Mit entsprechenden Vorpraktika könnte es in der PR- und Marketingabteilung etwas werden. Aber schwierig wird es natürlich trotzdem!” – “Aber Sie haben hier im Heft doch Geistes-und Sozialwissenschaften angekreuzt!” – “Oh, tatsächlich? Davon wusste ich jetzt leider auch nichts, das war wohl die HR-Abteilung. Grundsätzlich sind wir ja auch für jeden Werdegang offen, aber schwierig wird es natürlich trotzdem!” Es folgt eine freundliche Verabschiedung, zwei Hände voll Give-aways und auf Wiedersehen. Oder auch nicht. Spricht man die Vertreter der Unternehmen auf deine offensichtlich fehlende Diversität an, haben die meisten nämlich sogar Verständnis für unser Anliegen. Der Tenor: “Die fehlende Diversität ist mir auch bewusst. Tragen Sie die Kritik doch an die Organisatoren weiter! ”

 

Und das tun wir gerne. Deine Organisatoren, Liebe Career Fair, haben sich nämlich leider noch nicht mit einem allgemeingültigen Verständnis von Karriere beschäftigt. Geht man davon aus, dass mit Karriere der Berufsweg gemeint ist, geht die Gleichung “Karriere gleich Privatwirtschaft” nämlich nicht für alle Studis der Uni Mannheim auf. (Die Gleichung ist irgendwo auch Sinnbild für das Selbstverständnis der Uni Mannheim, aber darüber sprechen wir ein anderes Mal.) Wir würden uns jedenfalls freuen wenn du als Karrieremesse mit deinen Machern –  der Universität Mannheim Service und Marketing GmbH – sprichst. Ein bisschen Abwechslung tut dir nächstes Jahr bestimmt gut! Und löst damit gleich auch die offensichtlichen Legitimitätsprobleme unter den Studis, die sich noch nie für Supply Chains, Consulting und Marketing interessiert haben. Die wären nämlich entzückt, wenn du mehr für sie zu bieten hättest, als Kugelschreiber, Süßigkeiten und das Gefühl von “schwierig wird es aber trotzdem”.

Eine andere Option wäre es, deinen Anspruch auf Allgemeinheit aufzugeben und dir einen neuen, ehrlichen Namen zu suchen, der dich beschreibt, wie du bist. “Business Fair” zum Beispiel.

 

Wir freuen uns jedenfalls auf eine Antwort deiner Organisatoren! Schönes Wochenende!

 

Dein uni[ma]gazin

 

Text: Carlos Hanke Barajas, Ellen Fritzenschaft

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