Campusleben

Ein Politik Abend über Finanzpolitik, Digitalisierung und Nacktkalender

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Donnerstagabend fand die Podiumsdiskussion anlässlich der Uni-Wahlen am kommenden Dienstag und Mittwoch statt. Die Vertreter*Innen der jeweiligen Hochschulgruppen hatten hier die Chance ihr politisches Wahlprogramm vorzustellen und sich vor der Studierendenschaft zu rechtfertigen. Wir, vom uni[ma]gazin, waren mit dabei, um für euch zu berichten. Ein Resümee: Im Ostflügel des Ehrenhofs erhofften sich hochschulpolitikinteressierte Studierende einen spannenden Schlagabtausch. Eine knappe viertel Stunde vor Beginn der Veranstaltung war der Saal noch recht überschaubar gefüllt. Die Spitzenkandidaten saßen noch mit ihren engsten Beratern zusammen und stimmten sich schon mal auf die bevorstehende Diskussion ein. Kurz vor 19 Uhr füllte sich der Raum dann doch noch recht schnell und es wurde klar wo die ganzen Studierenden herkamen. Gut eingedeckt mit Bier und Snacks vom Supermarkt, kam richtig gesellige Stimmung auf. Keine Spur von spießigen Wahlkampfflair und noch spießigeren BWL-Justussen (von denen es dennoch eine Handvoll gab), wie man es ja durchaus von politischen Hochschulgruppen der Uni Mannheim erwarten könnte. Dass die Universität Mannheim bei weitem keine Klischees bedient und sich grundsätzlich eher für Offenheit Toleranz und ein gemeinsames Miteinander aussprach, wurde an diesem Abend mehr als deutlich. Während es sich die letzten Schaulustigen in den hinteren Reihen gemütlich machten, ihr Bier öffneten und nochmal leidenschaftlich mit ihren Freunden über „diese beschissene Anwesenheitspflicht“ diskutierten, nahmen die Spitzenkandidaten auch schon ihre Positionen ein.

Moderator an diesem Abend war Simon Krause. Und der bezog auch gleich das Publikum mit ein: „Jetzt mal alle Hände hoch, die bei einer politischen Hochschulgruppe aktiv sind!“, forderte er in die Runde. Ernüchternde Bilanz: Es meldeten sich knapp die Hälfte aller Anwesenden. Und noch ernüchternder wurde es, als die anschließende Frage aufkam: „Wer hat sich denn schon entschieden, wen er wählt?“, worauf sich sogar noch mehr Leute meldeten. Ein Publikum, das also viel von Hochschulpolitik verstand, jedoch auch schon eine klare Position bezog und somit auch kaum zu überzeugen war. „Schade“, stellte Luca Keller (Spitzenkandidat der LHG für die Senatswahl) fest.  Unter den Hochschulgruppen herrschte immerhin darüber Konsens, dass die Sinnhaftigkeit einer solchen Diskussion in so einem Kontext vielleicht nochmal überdacht werden. Solche Veranstaltungen seien ja eigentlich da, um Unentschlossene zu überzeugen und noch ein paar Stimmen zu sichern.

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An diesem Abend hatten sich aber schon fast alle Leute entschieden, wen sie wählen. Dennoch bleibt eine Podiumsdiskussion wichtig und wird auch hoffentlich in den kommenden Jahren stattfinden. Vielleicht ist aber auch einfach nur der Termin der Veranstaltung Grund für das ausbleibende Besucherinteresse. Die Disskusion sollte nächstes Mal eventuell nicht auf einen Donnerstag gelegt werden, wo sich viele schon für den Schneckenhof (Gehen da echt noch so viele hin?) einstimmen. Aber vielleicht sah ein Großteil des Publikums einfach daheim auf dem Sofa und schaute sich die Diskussion per angebotenem Livestream an. Gerade die LHG will sich ja für eine Digitalisierung der Universität stark machen und begrüßte dementsprechend die Nutzung des Livestreams.

Das waren also die Voraussetzungen, mit denen sich die Spitzenkandidaten an diesem Abend konfrontiert sahen. Nach dieser kurzen Meinungsumfrage hatten alle Kandidaten drei Minuten Zeit sich und ihr Wahlprogramm vorzustellen. Schon die Sitzordnung machte dabei deutlich welche Positionen vertreten wurden. Während auf der linken Seite (vom Publikum aus) mit Mark Danker (Juso-HSG und VS) und Elena Klafsky (gahg und Vorsitzende des AStAs) zwei Mitglieder des AStAs saßen, die für sich für eine Stärkung und Ausbau des AStAs aussprachen, saßen auf der anderen Seite mit Luca Keller (LHG) und Florian Lichtenberger (RCDS) zwei Vertreter, die den AStA eher kritisierten. Vor allem die Intransparenz dieses Gremiums und wie es der RCDS in ihrem Wahlprogramm pointierte: „Die Finanzierung gleiche der griechischen Wirtschaftspolitik“, wurden kritisiert. Allgemein wurden die AStA Vertreter oft auf ihre Rolle und Projekte angesprochen und kritisiert, was einen Großteil der Zeit an diesem Abend in Anspruch nahm. Ob Finanzierungsrechtfertigungen, Transparenz oder Projektplanung, stets mussten sie sich rechtfertigen und konnten kaum auf die Punkte ihrer jeweiligen Hochschulgruppe eingehen. Dies störte besonders Elena Klafsky (gahg), welche sich am Ende sogar genötigt sah zu betonen, dass sie eigentlich als Vertreterin der gahg gekommen sei, aber kaum deren Wahlprogramm vorstellen bzw. diskutieren konnte. Statt über Nachhaltigkeit und eine geplante Fair-Trade Uni zu sprechen, musste sie immer wieder die Rolle der AStA-Vorsitzenden einnehmen.

Aber auch andere Themen wurden emotional diskutiert. Zum einen das Kulturticket, das zwar von allen prinzipiell gefordert wird, jedoch momentan als schwer zu finanzieren gilt. Und auch das Konzept an sich scheint bisher irgendwie zu schwammig, um es zu realisieren. „Es ist natürlich eins der komplizierten Projekte, dass die Zustimmung vieler Kultureinrichtungen braucht und an dem auch aktiv gearbeitet wird, um es in der nächsten Legislaturperiode in den Ring zu schmeißen“, so Mark Danker (Juso-HSG). Bleibt also mal ab zu warten, ob wir demnächst für 2€ ins Theater gehen können.

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Natürlich wurden auch die Bib-Öffnungszeiten angesprochen. Hier sehen sich Juso-HSG und gahg bisher vor allem in der „Opferrolle“, da das Rektorat sie momentan noch nötige QS-Mittel für die Verlängerung der Bib-Öffnungszeiten einzusetzen. Mittel, die eigentlich an anderen Stellen benötigt werden bzw. vorgesehen sind. Langfristig wollen sie den Spieß umdrehen und dem Rektorat bewusstmachen, dass eine „starke Uni auch starke Bib-Öffnungszeiten“ (Mark Danker Juso-HSG) bräuchte, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Einen anderen Lösungsweg schlagen LHG und RCDS vor, die eher auf Drittmittel setzen und z.B Investoren werben wollen. Dabei plant die LHG langfristig (sehr langfristig gesehen) eine 24/7-Bib, was natürlich eine gewagte Forderung ist. Aber auch der RCDS schreckt vor kühnen Projekten nicht zurück und würde auch Notfalls die Namensrechte der Bibliotheken verkaufen. Vielleicht gehen wir denn bald alle in die Monsanto Unibibliothek Mannheim (wenn Bayer denn mal endlich die vom uni[ma]gazin schon längst prophezeite Übernahme gelingt). Die Liste hat dabei wohl die pragmatischste Lösung: Wir sind für die immerwährende Schließung der Bibliotheken, denn Studierende gehörten in eine Kneipe oder sollten mit einander verkehren“, so Spitzenkandidatin Lena Müller.

Und ja, die Liste war auch vertreten und versuchte das zu machen für was sie einsteht. Lustig, sarkastisch und im gewissermaßen politisch desinteressiert zu wirken. Auf die Frage: „Könnt ihr auch ernsthafte Politik?“, lautete die Antwort Lena Müllers „Ja, ich habe in der 6ten Klasse einen Buchstabierwettbewerb gewonnen und ich finde, dass ist das einzige was zählt“. Vielmehr stand für die Liste die Förderung von Interkulturalität (durch den Antrag Pjöngjang als Partneruni zu gewinnen) im Vordergrund. Und natürlich wurde auch ordentlich die Werbetrommel für den offiziellen Nacktkalender gerührt. Davon abgesehen, dass Lena Müller es als einzige für nötig hielt sich entsprechend einer politischen Veranstaltung eine Krawatte umzubinden, trug sie eine Carlson-vom-Dach-Gedächtnis-Mütze, deren Propeller sie stets bemüht war zu drehen. Den mehr als „stets bemüht“ war dieser Auftritt denn auch nicht. Wo blieb die Schlagfertigkeit und Spontanität à la Martin Sonneborn?! Die Antworten waren zwar recht witzig und unterhaltsam, wirkten aber einstudiert und irgendwie auch krampfhaft aufgezwungen komisch. Es bleibt offen, ob die Liste der Uni Mannheim überhaupt inhaltlich etwas bieten kann, außer Unterhaltung (worin sie ja eigentlich ziemlich gut ist!).

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Nach einer Stunde hatte das Publikum nochmal Zeit Fragen zu stellen. Hier wurde es denn auch mal schnell persönlich. Da wurde dem RCDS populistischer Wahlkampf vorgeworfen und der Juso-HSG unterstellt, dass sie sexistisch seien, weil sie sich nicht gegen weibliche Verbindungen aussprachen (what?!?!). Zwar waren „Zwiegespräche“ untersagt, dennoch schreckte dies einige nicht ab auf Konfrontationskurs zu gehen und stellenweise absurde Themen anzusprechen. Den Höhepunkt erreichte dabei das Rezitieren eines Dudenbeitrags: „was bedeutet xenophob“, da wohl begriffliche Unklarheit über diesen Begriff herrschte. Die Fragerunde nahm dann auch nochmal eine Stunde in Anspruch, weswegen die Podiumsdiskussion nach knapp zwei Stunden, stellenweiser erhitzter Debatten, ihr Ende nahm.

Eine der letzten Fragen war dabei nochmal ein Highlight. Gefragt wurde nach einer kritischen Einschätzung (an Hand einer Skala von 1-10), wie spannend die Spitzenkandidaten die Diskussion fanden und wie sie zu dem offiziellen „die Liste Nacktkalender“ stehen.

 

Die Bilanz:

gahg:              Kalender: bereits gekauft und als gut empfunden.                 Diskussion: 6/10

Jusos-HSG:    Kalender: aus Prinzip nicht gekauft                                          Diskussion: 5/10

Die Liste:        Kalender: 10/10                                                                             Diskussion: 2/10

LHG:                Kalender: enthalten                                                                    Diskussion: 5/10

RCDS:              Kalender:  9/10                                                                             Diskussion: 5/10

 

uni[ma]gazin:

Kalender: Schade, dass wir keine Presseversion bekommen haben, um eine ausführliche Rezension zu schreiben. Aber für die Idee gibt es eine 10/10.

Diskussion: Es war es ein interessanter und unterhaltsamer Abend, der stellenweise einen guten Einblick in die Hochschulpolitik gab. Vor allem durch die Anwesenheit der beiden AStA-Vertreter, die sich schon länger aktiv engagieren. Nächstes Jahr sollte vielleicht mehr Werbung für diese Veranstaltung gemacht werden, damit noch mehr unentschlossene Studierende an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Wer sich die Veranstaltung gern im Nachhinein anschauen möchte, der/die kann dies auf der Facebook-Seite des AStAs machen.

Text: Joe Brandes

Bild: Mit freundlicher Kooperation des bAStAs

 

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