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Eine Räuberpistole – von kleinerem Kaliber, aber mit ordentlicher Durchschlagskraft

Rezension zu „Ein Dieb – Bekenntnisse“ von Lucien DeLong

Sein Diebesleben ist nach langem Hin und Her zu Ende. Man hat ihn hinter Gitter gebracht, wo er nun einige Zeit ausharren muss. Doch statt Trübsal zu blasen, beginnt der namenlose Protagonist damit, aus seinen Jahren als Schwindler zu berichten. Und da gibt es einiges, das einen Bericht wert ist.

Lucien DeLong weiß, wie er das sprachliche Maximum aus seinem Arsenal an Wörtern herausholt.

Dem Autor gelingt es sehr gut, das unstete Leben seines Protagonisten sprachlich einzufangen und zu bebildern. Ohne große Mühe schafft er es, vor dem inneren Auge der Leser*innen die verschiedenen Etappen der Diebestour – seien es Jamaika, die USA oder Kuba – plastisch nachzuzeichnen. Wird zu Denglisch oder dergleichen gegriffen, wird es mühelos in den Erzählfluss integriert und fügt sich homogen ins sprachliche große Ganze ein.

Die Handlung schreitet schnell voran, man wägt sich glatt selbst in einer Hetzjagd nach dem nächsten Gauner-Coup.

Über die relativ wenigen Seiten hinweg (es sind 143) begleiten wir den Protagonisten, wobei zum Teil sehr große erzählerische Schritte gemacht werden. Teilweise wird einem Land nur ein Kapitel gewidmet, manchmal auch ein paar mehr. Dadurch bleibt eine gewisse Kurzweiligkeit des Geschehens erhalten und ein Stocken im Lesefluss wird verhindert. Gleichzeitig haftet der Geschichte durch die recht großen erzählerischen Schritte etwas leicht Grobes und Oberflächliches an. Der Autor versäumt es nämlich ab und an, bei der ein oder anderen Reiseetappe in die Tiefe zu gehen und nicht nur vom Offensichtlichen zu erzählen, sondern auch das Spezielle zu beschreiben. Die Gaunereien selbst werden gut in Szene gesetzt und nachvollziehbar geschildert.

Der Protagonist trägt keinen Namen.

Er hat sich selbst dem Leben in der Kriminalität verschrieben und da scheint es nur folgerichtig, dass er den Namen, den er einst als Normalo trug, nicht mehr hat. Dass wir als Leser*innen darüber hinaus aber sonst nicht viel mehr Tiefergreifenderes aus seinem Seelenleben erfahren und wenn doch, das relativ schnell abgehandelt wird, ist schon etwas schade. Man hätte ruhig etwas mehr den dadurch vielleicht entstehenden Identitätskonflikt herausarbeiten können, welcher das ein ums andere Mal angedeutet wird. Seine beiden etwas länger dauernden Beziehungen (zum einen mit einer Geschäftsfrau und zum anderen mit einer jungen Mutter) werden gut bebildert, auch wenn vor allem ersterer eine gewisse Schema-F-haftigkeit anhaftet.

Zwischen Tristesse und dem Hochgefühl.

Neben dem Hin und Her durch einige Länder unserer Welt und dem Beschaffen von immer mehr wird das Wechselspiel von Hoch- und Tiefgefühl gut geschildert. Man kann nachempfinden, warum es dem Protagonisten immer wieder in ein Tief stürzen lässt, wenn er sich mal nicht im Diebesrausch befindet oder sich anderweitig vergnügt. Auch der unterschwellige innere Zwang, nicht in einem solch langweiligen Leben festzustecken wie die, mit denen er in seiner Normalo-Zeit gelebt hat, taucht immer wieder zwischen den Zeilen auf.

Dem Cover haftet eine Atmosphäre des Gehetzten an.

Es ist in Grau-Tönen gehalten und man sieht einen Mann in Anzug, der an einer Glasfront vorbeigeht, hinter welcher sich die Wolkenkratzer einer Großstadt abzeichnen. Da ebenfalls die Bewegungen der Person eingefangen wurde und sie somit leicht verwischt wirkt, könnte man fast schon denken, man hätte diesen Jemand bei einer Flucht oder dergleichen fotografiert. Dadurch wird wunderbar die Hektik angeschnitten, die im Roman den Ton angibt.

Abschließend lässt sich sagen, dass Lucien DeLongs „Ein Dieb – Bekenntnisse“ trotz der recht großen erzählerischen Schritte und der leichten Oberflächlichkeit weiß, wie man ein Gangsterleben stimmungsvoll und sprachgewaltig einfängt. Definitiv eine Empfehlung an alle, die gerne Gauner-Romane oder -Filme rezipieren.

Autor: Stefan Lautenschläger

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