Film Kultur

Emotionen im Minutentakt

Freitagabend, 19:40 Uhr. Als wir ankommen, tummeln sich bereits einige Menschen am Haupteingang und in der Aula der Universität Mannheim. Es findet jedoch kein außerplanmäßiger Schneckenhof statt, sondern das 10. Low & No Budget ClipAward Kurzfilmfestival. Am Eingang gibt es erst einmal einen Stempel und das Programm für das Wochenende. 3 Tage lang werden Kurzfilme in verschiedenen Kategorien gezeigt und die besten mit Preisen belohnt. Heute eröffnet das Festival mit dem „Internationalen Wettbewerb“. In den nächsten Tagen gibt es noch die Kategorien „Junger Kurzfilm“, „Musikvideos“ und „der große Kurzfilmwettbewerb“. Das ganze wird noch aufgelockert mit interessanten Workshops, Q&A-Runden, Sonntagsbrunch zu Trash-Filmen und Afterparties.

Zum heutigen „Internationalen Wettbewerb“ treten elf Filme aus 10 verschiedenen Ländern an. Darunter sind auch die Ukraine, der Libanon und die Philippinen. Vor dem Vorführungssaal ist eine kleine Kunstausstellung zu bewundern und es gibt eine Bar mit Getränken, Kuchen, frischen Brötchen und sogar Popcorn. Stilecht ausgestattet mit jeweils einer Tüte voll süß duftendem, weißem Puffmais und einer Flasche Bier machen wir uns auf den Weg ins Hörsaalkino, in dem sich bereits die meisten einen Platz gesucht haben. Es geht los mit einem humorvollen, aber aussagekräftigen Jubiläumsclip, der Ausschnitte der vergangenen Festivals zeigt und Lust auf die kommenden Filme macht. Nach der Begrüßungsrede des Organisationsteams werden dann endlich die Lichter ausgemacht und was folgt, lässt mich staunen: Mit jedem Film tauche ich in eine neue Welt ein, neue Geschichten, neue Emotionen. Den Anfang macht Vadym Shapran aus der Ukraine mit seinem 15 minütigen Werk „Must Escape“, der die humorvolle Geschichte eines jungen Mannes erzählt, welcher ironischerweise in einem Kurzfilm gefangen ist und einen Weg sucht auszubrechen. Andere Filme, wie „Typo“, „Doris“ oder „The Call“ sind auf ihre eigene Art so ergreifend, dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Einige Minuten später lache ich schon wieder über eine satirische Gesellschaftskritik aus Schweden namens „We Got Your Back“, welche auch den Abschluss bildet. Kurz gesagt: in zwei mal 45min durchlaufe ich eine Achterbahn der Gefühle und bin am Ende sehr beeindruckt von der Kreativität und Liebe zum Detail mit der jedes einzelne Werk glänzte.

Der Gewinner ist letztendlich „The dream that Nida Chua dreamed on the morning of May 25, 1985“ von Jordan de la Cruz von den Philippinen, der geschichtliche Ereignisse des Landes auf eine Art verarbeitet, die unter die Haut geht. Den zweiten Platz belegt „We Got Your Back“ aus Schweden, von Viktor Hertz und auf dem dritten Platz liegt der deutsche Kurzfilm von Ammar Sonderberg namens „The Call“. „The Call“ ist ein knapp vierminütiges Werk, welches dem Publikum das von Kriegen ausgelöste Leid mit einer solchen Wucht vor Augen führt, dass man kaum atmen kann und dabei ohne blutige Szene auskommt.

Alles in allem eine tolle Auswahl von Filmen und ich empfehle jedem, sich das nächste Kurzfilmfestival dick im Kalender zu markieren. Mein persönlicher Liebling: „Doris“ von der Britin Francesca Silveri. Ein rührender Film über die Gefühlswelt einer Drag Queen.
Text: Ellen Fritzenschaft

Foto: Pressefoto

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