Allgemein Campusleben

Ersti im Homeoffice

Weiblich, 20, sucht Kontakt zur Außenwelt. Als Erstsemester an der Universität Mannheim im historischen Barockschloss gibt es viel zu erleben. Partys ohne Ende, Kampf der Initiativen, Flunkyball-Turniere in ernster Manier. So sähe mein Alltag eigentlich aus. Aber es kam da was dazwischen. Husten, Fieber oder Geschmacksverlust. SARS-CoV-2. Laut unserer Kanzlerin die „größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Ich bin durch die Präventions-Maßnahmen bei Weitem nicht so hart eingeschränkt wie andere, noch bin ich besonders gesundheitlich gefährdet. Aber Veränderung findet bei uns allen statt.

Bei mir hat es meinen Uni-Alltag betroffen. Partys oder Mensa-Essen nach einer gemeinsamen Vorlesung finden nicht statt. Stattdessen sitze ich um 8:30 Uhr im Bett und lasse neben mir die erste Vorlesung laufen, während ich immer wieder in den Halbschlaf versinke. Dann im Schlafanzug in die Küche und Frühstück machen. Immer noch im Schlafanzug die nächste Vorlesung anschauen.

Zwischendurch immer mal wieder aufs Handy starren und die sozialen Medien abklappern… Erst Instagram, dann Facebook, dann einen Snap an meine Freunde schicken, wie ich, offensichtlich gelangweilt, vor meinen Bildschirm hocke. Ein Gang zum Kühlschrank. Nichts drin. Wieder vor den Laptop. Wieder zum Handy. Habe ich eigentlich immer noch meinen Schlafanzug an…? So sah für mich schon das erste halbe Jahr 2020 aus, nur dass ich statt der Vorlesung Netflix offen hatte. Dann ging die Uni los.

Die Fachschaft hatte sich sogar relativ viele Präsenz-Veranstaltungen überlegt. Bar-Besuche, Bowling und einige Kennenlern-Treffen standen auf dem Wochenplan. Das war überraschend und klang so normal…? Also raus auf die Straßen und Leute von Angesicht zu Angesicht treffen. Da habe ich fast die Pandemie vergessen. Klar, in Bus und Bahn immer mit Maske auf, aber kaum im Freien, gab es die Pandemie nicht mehr.

Bis dann nach einem gemeinsamen Essen eine Freundin, die ich während den Ersti-Veranstaltungen kennengelernt hatte, mir schrieb. Corona-Test: positiv. Mist. Die Pandemie war also durch mein leichtsinniges Vergessen nicht einfach verschwunden. Zurück in die Isolation. Test gemacht, war negativ. Aber trotzdem saß ich wieder vorm Laptop. Also doch noch eine Weile warten, lieber Memes und Snaps an die Freunde schicken, statt sich tatsächlich zu treffen.

So sahen die ersten Wochen aus. So wird wahrscheinlich das gesamte Semester ausfallen. Klar, vielen anderen geht es so viel schlechter. Arbeitslosigkeit, Krankheit, der Verlust von Angehörigen. Aber ich will mich nicht zum Vergleich hergeben. Sondern einfach nur mal meine Seite erzählt haben. Als Studentin im ersten Semester während einer globalen Pandemie.

Text: Freya Entrup

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