Kultur Musik

„Es duftet nach Zuckerwatte, Rauch, verschüttetem Bier“: Willkommen im Paradies!

In Scharen strömten Teenie-Gruppen, dunkel gekleidet, überwiegend in Hoodies, zur ausverkauften Halle02. Einlass um 18 Uhr, aber schon um 12 Uhr sollen sie vor der Halle gewartet haben.Es spielte Ufo361.

Nebenan allerdings in der kleineren Version der Halle02 spielte am Samstagabend auch Tristan Brusch, der gerade mit seinem 2018 veröffentlichten Debütalbum „Das Paradies“ tourt. Kurz vor Beginn wirkt der Raum fast leer. In den dunkleren Ecken des Raumes, die mit einer Sofalandschaft ausgekleidet sind, verstecken sich noch schüchtern ein paar kleinere Gruppen und Pärchen. Hier soll jetzt ein Konzert stattfinden?! Plötzlich steht Tristan auf der Bühne und flüstert ins Mikrofon „Kommt mal alle her, ich muss euch mal was erzählen“. Und wir folgen seiner lockenden Handbewegung.

Dicht vor der mit Efeu verzierten Bühne versammelt, entsteht das Gefühl einer verschworenen Gemeinschaft von ca. 30 Leuten, der Eindruck eines ausgewählten Publikums, das den Massen eine Halle weiter trotzt und nun etwas ganz Besonderes erleben darf: einen „echten Geheimtipp“ in intimer Atmosphäre.

Tristan wirkt privat und einnehmend. Seine Texte transportieren die Haltung eines Freigeistes, der mit Fingerspitzengefühl gesellschaftskritische und erschreckend ehrliche Geschichten erzählt. Vorgetragen wirken sie wie Szenen eines extravaganten Theaterstücks.

Das spielerische Talent kommt dabei nicht von ungefähr: seit er drei Jahre alt ist spielt Tristan Geige. 2012 wurde er Gitarrist der Orsons, für die er auch einige Lieder schrieb, supportete unter anderem Cro, Mine und Fatoni und bringt daher eine Menge Bühnenerfahrung mit.

Wer seine Musik kennt, lässt sich vom Outfit des 30-Jährigen gar nicht erst irritieren: Adidas-Jogginghose, Lederweste, darunter ein Metal-Shirt und zur Abrundung der grotesken Inszenierung ein Brilliantenklunker an der rechten Hand. Dazu pinke Blumen am Mikro. Auf einen kleinen Technik-Fehler reagiert Tristan gekonnt selbstironisch und wie der Abend selbst – authentisch. Er trägt nach außen, was auch seine Musik ausmacht – keine Schublade passt! Es lässt sich auch kaum benennen, welchen Stil Tristan Brusch dabei auslässt. Spielerisch mixt er in seiner einmaligen Art Chanson, Trashpop, Rock und New Wave mit einem Kirmes-Thema und präsentiert sowohl ausgelassene als auch balladig-schlagereske Songs.

Zuletzt lässt er stilecht das Mikro fallen und verlässt daraufhin theatralisch die Bühne. Nach Applaus und Zugabe jedoch wieder der nahbare Tristan: „Wir rauchen jetzt gerade noch eine und danach trinken wir mit euch ein Bier!“.

Bitte mehr davon!

 

Text: Nina Burau

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.