Kultur Musik

Fatoni in der halle02

Fatoni

Fatoni ist das Chamäleon der deutschen Rapszene. Mit pointierter Selbstironie eignet er sich die aktuellen Trends an und entlarvt ihre und seine Oberflächlichkeit. Zuletzt hat er in die halle02 in Heidelberg eingeladen um Songs seines neusten Mixtapes „Im Modus“ zu präsentieren aber auch in alten Hits zu schwelgen.

Das Konzert hätte eigentlich schon vor einigen Monaten im Rahmen der Tour zum letzten Album „Yo, Picasso“, welches Fatoni zusammen mit Produzent Dexter aufgenommen hat, stattfinden sollen. Aus medizinischen Gründen wurde es dann aber erst mal in die unbestimmte Zukunft verschoben. Das kam mir sehr gelegen, denn zum Konzert letztes Jahr hätte ich wegen meinem Auslandssemester nicht hingehen können.
Aber auch dieses Konzert sollte nicht verschont bleiben von krankheitsbedingten Ausfällen. Es traf (zum Glück nur) den Supportact Juse Ju, der wegen einem entzündeten Zahn zu Hause bleiben musste. Schade war das vor allen Dingen, weil Fatoni und Juse Ju einige Tracks für „Im Modus“ zusammen aufgenommen hatten und diese erstmalig live präsentieren wollten. Die Premiere musste also vertagt werden. Die Songs hören wir trotzdem wobei Ersatz-Supportact Lux wieder für Juse Ju einspringt.

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Fatonis Musik ist lustig aber ernst zugleich. Mit ein bisschen mehr Politik-Briefing würde man in glatt eine Sendung à la John Oliver zutrauen. Aber seine politischen Ausflüge halten sich zum Glück in Grenzen, denn ein Konzert mit ihm soll Spaß machen und nicht den Kopf zum qualmen bringen. Musikalisch greift er gerne auf was gerade aktuell ist. So sind auf dem neuen Mixtape einige Trap-Beats über die er gekonnt rappt. Nicht nur in seiner Technik hebt er sich vom Juse Ju, Edgar Wasser und co. ab. Sein größtes Talent ist die Fähigkeit Dinge auf den Punkt zu bringen – „Zehn Jahre nach der WM alles beim Alten – die Welt zu Gast bei Feinden“ (Gravitationswellen). Und dann ist da noch sein Hang zur Selbstironie – „Hängengebliebene fragen: „Macht Fatoni jetzt Trap?“, Yep, einfach so (einfach so), Jeder dumme Spast fragt jetzt nach mir als wäre ich der WiFi-Code, Jaja, ihr seid alles MCs, aber dann bin ich ein Ähmm-Sinatra, Bester Entertainer, hab ich alles gelernt am Theater.“ (auch Gravitationswellen).

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Die neuen Songs sind gut aber kommen nicht an das Niveau der letzten Platte ran. Das soll aber auch gar nicht so sein. Fatoni hat kein neues Album veröffentlicht, sondern ein Mixtape. Manche Tracks sind eher wie Gedanken, die weitergesponnen wurden bis zwei Strophen und eine Hook dabei rausgekommen sind. Sie leben von einer Unmittelbarkeit und Aktualität, die Fatoni auf seinen Alben nicht gleichermaßen anstrebt. Auch in der Produktion merkt man das. Live fügen sie sich dennoch nahtlos in das Set ein.

Nach anderthalb Stunden ist Schluss. Fatoni hat das volle Programm geboten inklusive Cypher, einigen Freestyles, einem Stück mit Akustikgitarre und einem Überraschungsgast. Kurz vor Schluss holt er die Heidelberger Raplegende Toni L für einen Freestyle-Battle auf die Bühne. Mit Advanced Chemistry hat er eine der ersten deutschen Rap-Gruppen gegründet.
Man verlässt das Konzert vergnügt und mit dem Vorsatz sich selbst und was sonst so in der Welt passiert nicht immer so ernst zu nehmen, sondern mehr so wie Fatoni.
„Apropos die anderen: Die stell ich in den Schatten aber mich selbst auch
Denn ich hab ziemlich empfindliche Haut“
(letztes Mal Gravitaionswellen)

Text: Lars Sellien
Titelbild: Conny Mirbach Fatoni|FB

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