Campusleben

Finde das Defizit

Woher kommt das Defizit? Diese Frage dominierte vor der Podiumsdiskussion zum „Finanziellen Defizit der Universität“ und am Abend des 14. Oktober das Gespräch im A3. Frau Dr. iur. Susann- Anette Storm, die Kanzlerin der Universität stellt bei ihrer Vorstellung fest: In den 14 Jahren, die sie an der Universität arbeitet, war das Interesse an den Finanzen noch nie so groß! Nach einem halben Jahr und schon fertigen Sparplänen, war es also gestern schon fast zu spät für eine inhaltliche Diskussion der Sparmaßnahmen.

Auf dem Podium diskutierten zwei Lager, die Geschäftsführerin des ASta Clara Weißenfels und der Vorsitzende des Fachschaftsrat Tobias Kopf, gegen den Rektor Professor Dr. Ernst-Ludwig von Thadden und die Kanzlerin Frau Dr. iur. Susann- Anette Storm. Nicht nur, dass sich die Universitätsvertreter*Innen regelrecht im Hexenkessel von Studierenden befanden, sondern auch die Sitzordnung auf dem Podium gab einem das Gefühl, dass, wie bisher, auch an diesem Abend mehr gegeneinander als konstruktiv miteinander gearbeitet werden würde. Jetzt wissen wir um das „Setting“, aber wo bleibt das Defizit?

Schnell deuteten einige Omen darauf hin, dass an diesem Abend keine Berge verrückt werden: Ein falsch vorgestellter Moderator, Dr. John Feldman, zu schnell auf Konfrontationskurs setzende Studierende und eine Diskussion ohne roten Faden.
Mittags Senat, dann Unirat, abends Studierende. Man wollte den sich auf Erklärungstour befindenden Rektor aus der Reserve locken. Doch dies gelang den Studierenden an diesem Abend nur bedingt bis überhaupt nicht. Jedes Argument gegen die Vorhaben der Universität oder jedes persönliche Schicksal der Betroffenen von den Sparmaßnahmen führten nicht zu einem Umdenken, sondern wurden in höchst routiniert wirkenden Antworten und Reaktionen des Rektors abgewiegelt.
Nichtsdestotrotz haben es die Redner*Innen geschafft, die aktuelle Lage so verständlich zu skizzieren, dass die vielen wissbegierigen Studierende informiert den Saal verließen. Über den historischen Hintergrund, die Schuld der Landesregierung und das Eigenverschulden der Universität an der jetzigen Lage, über die „flexiblen“ Sparmaßnahmen- immerhin darf jede Fakultät und Institution entscheiden, wo genau sie den ihr auferlegten Betrag einspart, über den Verbleib der QSM und den (Nicht-) Zusammenhang mit den Kürzungen wurde diskutiert.

Deutlich wurde, dass sich die Studierendenvertung uninformiert fühlt, weil das defizitäre Wirtschaften schon lange bekannt war. Über den Haushalt wird Ende des Jahres im Senat berichtet. Dort hat Sie seit 2012 jährlich die Entwicklungen angekündigt, aber „in ihren Konsequenzen nicht deutlich genug“, räumt die Kanzlerin ein. Von Thadden formuliert dies noch überspitzter „ich habe erst in diesem Frühjahr verstanden, worum es wirklich geht.“
Leider verlor die Veranstaltung inhaltlich noch an Substanz, als es nach gut einer Stunde in die offene Fragerunde mit den Studierenden ging. Einzige Ausnahme war der emotionale Beitrag eines der ersten Opfer der Einsparungen und Kürzungen. Julia Marinitsch studiert Unternehmensjura im elften Semester. Im Januar stehen Ihre mündlichen Prüfungen an. Mit der bereits jetzt angekündigten Schließung der Bibliothek vom 24. – 3. Januar werden den Prüflingen elf Tage genommen, an denen Sie sich unter Bereitstellung aller nötigen Lektüren auf diesen einschneidenden und maßgeblichen Moment ihrer akademischen Karriere vorbereiten können. „Ich bin ungläubig, wie das einfach an den Universitätsvertreter*Innen abprallt“, sagt Julia Marinitsch ein Tag nach Ihrem Plädoyer. Zudem erklärte sie der Redaktion, dass sie und andere Studierende planen gegen die geplanten Maßnahmen durch einen Protest der Studierenden unter Mithilfe der Professoren der juristischen Fakultät vorzugehen.

Was wir also konkret für die Zukunft mitnehmen können: Jeder muss zum Ausgleich des ca. 3,5 Millionen Euro großen Defizits beitragen, eben auch wir Studierende und wir werden uns noch „wundern, dass manche Hilfeleistungen nicht mehr so sein werden, wie sie waren.“
Zusammenfassend bleiben zwei Probleme, die die Studierendenvertreter und das Rektorat ab jetzt am besten gemeinsam angehen wollen und sollten. Das Kommunikations- und Transparenzdefizit, sowie das der Finanzen und Sparmaßnahmen. Alle schienen gewillt diesen Problemen gemeinsam entgegenzutreten. Am Ende blieb Ernüchterung und die Aussicht auf „weitere Gespräche“. Die Kanzlerin lud Clara Weißenfels zur gemeinsamen Suche nach der Entstehung des Defizits ein, während von Thadden es schon lange gefunden hat: Ein Defizit? – „Das entsteht, wenn man mehr ausgibt, als man einnimmt.“ Heureka! Es gibt also tatsächlich noch komplexere Gründe für ein Defizit, als es sich mit unserer Schulweisheit erträumen lässt.

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Das “Zitate-Best-Of”
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„Woher kommt das Defizit?“ Clara Weißenfels direkt zu Beginn

„Wir haben eine sehr kompetente Finanzberatung“, Ernst- Ludwig von Thadden während seines Rechenschaftsberichtes vor dem Senat

„Dass ich erst in diesem Frühjahr verstanden habe worum es geht“ Ernst-Ludwig von Thadden

„Aber hätten die Erstsemester das nicht lieber vorher gewusst?“ Clara Weißenfels zu Ernst-Ludwig von Thaddens

„Wenn ich eine Bemerkung als Laie hierzu machen darf.“ Ernst- Ludwig von Thadden, zum Beitrag der Jurastudentin

„Woher kommt denn nun das Defizit?“ Clara Weißenfels zwischendurch

„Sie sind ein Opfer – im normalen deutschen Wortgebrauch“ Ernst- Ludwig von Thadden zum Beitrag der Jurastudentin

„Das ist eine Dreistigkeit“ Jurastudentin
„Da müssen Sie sich fragen, ist der Jurastudiengang an dieser Universität noch tragbar?“

„Ich war noch nie um acht Uhr in der Bib und ich glaube das geht den meisten hier genauso.“ Student mit Lösungsansätzen

„Ich weiß es immer noch nicht… Woher kommt das Defizit?“ Clara Weißenfels Schlussworte

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Text: Clara Schäper und Akin Mert

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