Kaleidoskop

Frauen gründen anders

Mannheim wurde in den letzten Jahren für Unternehmensgründungen immer beliebter. Wer selbst mit dem Gedanken spielt, ein Start-Up ins Leben zu rufen, findet im Gründerinnenzentrum gig7 eine Anlaufstelle. Von ihren Erfahrungen, Höhen und Tiefen, berichten die Gründerinnen der Mannheimer Start-Ups „Kuchen im Glas“ und „von Jungfeld“.

„Man muss diesen Gründergeist mitbringen, das heißt, den Willen, etwas von Null aus aufzubauen mit wenig Mitteln. Man muss bereit sein, enorm viel zu geben, auch wenn der Erfolg sich erst später einstellt“. Laut Maria Pentschev, der Mitgründerin des Sockenlabels von Jungfeld, sind das die Eigenschaften, die Frau als angehende Gründerin mitbringen sollte.

Längst gilt nicht mehr nur Berlin als Hotspot für Start- Up-Unternehmen. Auch Städte wie Mannheim werden immer interessanter als Standorte für junge Unterneh- mensgründerInnen. Neben von Jungfeld haben auch die drei Frauen von Kuchen im Glas ihren ersten Laden hier erö net und verschicken von Mannheim aus ihr Gebäck im Glas nach ganz Deutschland. Für den Standort Mannheim sprachen die guten Konditoreien, ein passendes Netzwerk und die Möglichkeit der räumlichen Zusammenarbeit der drei. Die Stadt Mannheim unterstützt bereits durch die acht branchenübergreifenden Existenzgründungszentren der mg (mannheimer gründungszentren gmbh) über hundert Unternehmen und ist damit Vorreiter in Baden-Württemberg. Eines dieser Zentren ist das Gründerinnenzentrum gig7, welches speziell Frauen in allen Gründungsphasen unterstützt.

Ob Start-Up, Praxis oder Restaurant; in G 7 wird Frauen ein Umfeld geboten, in dem genau darauf eingegangen wird, wie jede Einzelne von ihnen gründen möchte. Das Motto lautet hier: Frauen gründen anders. Und das sei auch gut so, wie Barbara Limbeck, die Leiterin des gig7, verrät. Ihrer Erfahrung nach haben Frauen andere Denkstrukturen, was das Gründungsverhalten angeht, arbeiten sehr sorgfältig und risikobewusst. Viele wollen aus eigener Kraft heraus etwas auf die Beine stellen und sich durch gute und genaue Planung gegen mögliche Rückschläge absichern. Das gig7 sei ein Raum frei von Rivalität und Ellbogenmentalität, dort werde die individuelle Gründungs- und Lebenssituation in der Beratung berücksichtigt.

Das Gründerinnenzentrum im Quadrat G7

Das Gründerinnenzentrum im Quadrat G7

Beratungsangebote, wie sie das Gründerinnenzentrum anbietet, seien laut Pentschev sehr sinnvoll: „Diese Institutionen sind sehr gut zugeschnitten auf alle Formen der Existenzgründung, nicht nur auf Start-Up-Unternehmen“. Das Kuchen im Glas-Team bekommt beispielsweise Unterstützung vom gig7, indem es die Räumlichkeiten für Büro und Ladengeschäft zu vergünstigten Mietkonditionen nutzen kann. Hinter Kuchen im Glas stehen jedoch keine gänzlich unerfahrenen Geschäftsfrauen. Die Geschäftsidee wurde bereits 2006 online umgesetzt, das Team bestehend aus Linda Dröge, Alexandra Bald und Stephanie Becker besteht aber erst seit 2012.

Der Mangel an Frauen im Unternehmertum ist spürbar

In die kostenfreie Vorgründungsberatung des gig7 können aber auch Frauen kommen, die bisher nur eine Idee mitbringen, aber noch keine praktischen Erfahrungen haben. Im Rahmen des „EXI-Gutschein-Mannheims“, einer Initia- tive des Verbunds Start im Quadrat können zusätzlich je nach individuellen Voraussetzungen Seminare, Coachings und individuelle Beratungen in Anspruch genommen werden, sodass auch Nicht-BetriebswirtInnen das passende Handwerkszeug zur Existenzgründung an die Hand gelegt wird.

Frauen stehen dabei anderen Herausforderungen gegenüber als Männer. Hier ist nicht nur die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gemeint, sondern auch der spürbare Mangel an Frauen im Unternehmertum. „Man kann schon sagen, dass es eine Männerdomäne ist. Es gibt relativ wenige Frauen in dieser Branche, das merkt man besonders auf Netzwerktreffen“, sagt Pentschev. Die Idee zu von Jungfeld hat sie zusammen mit dem Mannheimer Student Lucas Pulkert entwickelt, da sich die Persönlichkeiten der beiden im Geschäftsleben sehr gut ergänzen. Ein gut harmonierendes Team ist für den Erfolg einer Gründung laut Pentschev essentiell.

Damit junge Frauen einen Start ins Unternehmertum finden, kann es laut Limbeck sehr hilfreich sein, im Austausch mit anderen Gründerinnen zu stehen. Erfolgsgeschichten gibt es beim gig7 zahlreiche: Mehrere Apotheke- rinnen haben den Schritt von Angestelltenverhältnis zur Selbstständigkeit gewagt, eine alleinerziehende Kellnerin ist nun selbst Chef in in ihrem Restaurant und ein Team junger Frauen hat eine internationale Altenpflegevermittlung ins Leben gerufen. Achtzig Prozent all jener, die nach der Beratung des gig7 tatsächlich gründen, können ihr Unternehmen etablieren. Trotzdem gibt es einige, die aufgeben oder merken, dass die Selbstständigkeit doch nicht das Richtige für sie ist. Oft ist dies jedoch kein Scheitern, sondern eine bewusste Entscheidung. Was bleibt, sind wertvolle Erfahrungen und Know-how.

Für Studentinnen der Universität Mannheim wird einmal im Monat ein Erstberatungsgespräch des gig7 in der Uni angeboten. Schließlich sollte keine gute Idee an Zaghaftigkeit scheitern. Die vier Stammberaterinnen des Gründerinnenzentrums können aufgrund ihrer zahlreichen Erfahrungen realistische Einschätzungen geben. Sie selbst waren in verschiedenen Branchen angestellt und selbstständig und können den baldigen Gründerinnen ihre Erlebnisse und Netzwerke im Kunst- und Kulturbereich, der Unternehmensberatung, im Controlling und der Kreativwirtschaft zu Nutze machen. Auch bei Terminen, wie Besuchen bei Versicherungen oder Geldgebern, können die Frauen auf Wunsch von den Beraterinnen begleitet werden. Durch eine vertrauensvolle Unterstützung ist eine Spezialisierung nicht in allen bürokratischen Schritten notwendig. Stattdessen sind mehr zeitliche und gedankliche Ressourcen frei, um sich auf die Weiterentwicklung von Geschäftsidee zu konzentrieren. Und das trägt auch in Mannheim zu einer interessanten und vielfältigen Unternehmenskultur bei.

Text: Leonie Ader, Natalie Buss und Ann-Christin Schiller, Fotos: Anna Logue, Leonie Ader

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