Kultur Theater

Hänsel und Gretel – eine Oper

„Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“ – Ein Satz, den vermutlich jeder im Schlaf einordnen könnte. Märchen sind etwas Wundervolles, doch wir lassen sie meist gemeinsam mit unserer Kindheit zurück. Wir wollten uns überzeugen lassen, dass Märchen auch für Erwachsene funktionieren und haben „Hänsel und Gretel“ als Oper für euch besucht.

Das Nationaltheater Mannheim hat sich an das Grimm’sche Märchen gewagt und bewiesen, dass Märchen auch etwas für Erwachsene sein können! Anstelle der eher üblichen Theateraufführung haben die nämlich „Hänsel und Gretel“ als Oper in ihren Spielplan aufgenommen. Dort bekommt ihr eine etwas verkürzte und abgewandelte Form von Engelbert Humperdincks berühmter Oper aufgeführt.  Begleitet werden die Sänger von magisch klingender, märchenhafter Musik aus dem Orchestergraben. Bevor sich der Vorhang überhaupt öffnet, spielt das Orchester einige Minuten, wobei man sich wunderbar in die Welt der Märchen einfinden kann. Der Vorhang geht auf und zu sehen ist ein schlichtes, doch authentisches Bühnenbild. Viele Bäume im Hintergrund und eine kleine Holzhütte im Vordergrund, in der Hänsel und Gretel gemeinsam spielen und ihren Hunger beklagen.

Wo bleiben die Brotkrumen?

Hier kommt eine entscheidende Änderung für die Handlung: Die Stiefmutter der beiden ist nicht böse und egoistisch wie im ursprünglichen Märchen, sondern eine besorgte Mutter, die ihre Kinder Hunger leiden sieht. Deshalb schickt sie sie in den Wald um Beeren zu sammeln. Dadurch fällt leider ein typisches Merkmal des Märchens raus, nämlich wie die Kinder sich durch Kieselsteine und Brotkrumen den Weg vom tiefen Wald zurück zum Haus merken. Im Wald haben sich Hänsel und Gretel bekannter Weise verlaufen. Die beiden werden nachts von mystischen Wesen wie einem Taumännchen, einem Sandmännchen und einem Engelschor mehr oder minder wissend begleitet. Die Kinder irren im dichten Wald, bis sie auf das Lebkuchenhaus stoßen und der bösen Hexe begegnen. Die Oper bleibt dabei nah am Märchen der Brüder Grimm, bei dem Hänsel weggesperrt wird und Gretel die Hexe in den Ofen schubst. Die Hexe bringt alle charakteristischen Merkmale und Sprüche aus dem bekannten Märchen mit sich, sodass man bei ihrem Auftritt nichts missen muss. Zum Schluss erwecken die beiden versteinerte Kinder wieder zum Leben und singen gemeinsam mit ihnen im Chor. Hänsel und Gretels Eltern kommen hinzu und es wird singend, tanzend und lackend ein Happy End gefeiert.

Die Oper schafft es, mit ihrer wundervollen Musik, den mehrmals wechselnden Bühnenbildern und den fantastischen Kostümen das Publikum in die Welt der Märchen zu ziehen. Mittelpunkt des Bühnenbildes sind die vielen Bäume, die den dichten Wald in verschiedenen Variationen darstellen. Die drei Handlungsorte sind die Hütte der Eltern, der tiefe dunkle Wald und natürlich das Lebkuchenhaus samt Ofen. Das Bühnenbild wirkt authentisch und wird durch Licht und einige Vorhänge auch während der Vorstellung schnell mal verändert. Auch die Kostüme tragen zur perfekten Illusion bei: Hänsel und Gretel, wie man sie sich vorstellt in einfachem Hemd und Kleid, ebenso rustikal sehen die Eltern aus. Die böse Hexe trägt keinen langweiligen schwarzen Umhang, sondern erstrahlt in einem leuchtend roten Kleid.  Die Gestalten im Wald tragen aufwendige Kostüme, die fast etwas Orientalisches an sich haben.

Witziger Weise wird Hänsel von einer Frau und die böse Hexe von einem Mann gespielt, was spätestens am Gesang auffällt. Aber schlimm ist das nicht, Hänsel mag eben noch nicht im Stimmbruch sein und die Hexe hat eine dunkle Stimme weil sie einfach alt ist. Singen können sie beide gut, genauso wie die anderen Darsteller. Obwohl die Oper auf Deutsch gesungen wird, ist es schwer den Gesang zu verstehen. Hier wären erklärende Übertitel hilfreich gewesen. Das Verstehen der Aufführung an sich wird dadurch aber wenig beeinflusst. Sicher erkennt ihr trotzdem einige Lieder wieder, wie zum Beispiel „Ein Männlein steht im Walde“ oder „Suse, liebe Suse“.

Trotz der eher kindlichen Geschichte ist diese Oper anspruchsvoll und begeistert ihr Publikum bestehend aus allen möglichen Altersklassen. Aber ihr könnt euch gerne selbst davon überzeugen, denn das Nationaltheater spielt das Stück von November bis Anfang Januar noch insgesamt fünfmal.

Text: Sophia Zang, Fotos: (c)Christian Kleiner

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