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Hjertelig velkommen i København – Herzlich Willkommen in Kopenhagen

Vielleicht geht es euch wie mir. Ich war gerade neu im dritten Fachsemester an der Uni und meisterte meinen Studienalltag eben wie immer zu Beginn eines neuen Semesters, erstmal entspannt. Ich studiere Politikwissenschaft und im dritten Semester hatte ich prinzipiell genug zu tun mit den Aufbaumodulen, neuen Hauptseminaren und Übungen. Doch da war ja noch etwas! Ganz zu Beginn meines Bachelorstudiums in Mannheim hatte ich mir dieses Datum schon fett im Kalender markiert – den Bewerbungsschluss für ein Auslandssemester im fünften Semester! Ich wollte diese Chance unbedingt nutzen und mich für einen einsemestrigen Aufenthalt an einer Erasmus Partneruniversität bewerben. Doch wohin gehen bei all den verschiedenen Möglichkeiten? Gar keine so leichte Aufgabe bei der Auswahl durchzublicken und die Liste auf drei Favoriten zu beschränken.

Ich entschied mich nach langem Abwägen schließlich für die Universität Kopenhagen. Ich wollte unbedingt in ein skandinavisches Land – und das im Wintersemester – da war schnell klar, zu weit nördlich sollte es nun auch wieder nicht sein. Kopenhagen schien die perfekte Wahl. Zum einen ist Kopenhagen die Hauptstadt Dänemarks und wartet dementsprechend mit einer Vielzahl an kulturellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten auf. Zum anderen bot die Universität eine, für mich fachlich sehr reizvolle, Ausrichtung auf internationale Beziehungen und Konfliktforschung und warb mit einer entspannten, freundlichen Lernumgebung. Sie gehört zu den ältesten und größten Universitäten Dänemarks und genießt international hohes Ansehen. Die Dänen sollen ja außerdem bekanntermaßen eines der glücklichsten Völker sein. Kurzum, die Bewerbung war schnell geschrieben, das notwendige Sprachzertifikat erworben und die gesammelten Unterlagen eingereicht. Nach einiger Zeit kam dann auch die lang ersehnte Zusage.

Doch wie bereitet man sich nun auf so ein Auslandssemester vor, was muss im Vorfeld alles geplant werden? Eine der größten Hürden, Kopenhagen betreffend, ist Wohnraum. Bezahlbaren Wohnraum gibt es in Kopenhagen schlichtweg nicht. Die einheimischen Studenten ziehen unter Umständen alle paar Monate von einer WG in die nächste, weil dauerhafte, bezahlbare Lösungen fehlen. Um internationalen Studierenden die Situation etwas erträglicher zu machen, gibt es eine Organisation über die Wohnoptionen gebucht werden können. Ich erspare euch hier die Details, es war ein langer, steiniger Weg, aber schließlich hatte ich die Zusage für ein Zimmer im Studentenwohnheim im Stadtteil Nørrebro. Dann musste eigentlich nur noch der Papierkram für Erasmus, die Kurswahl und spätere Anerkennung in Mannheim sowie die Aufenthaltserlaubnis in Dänemark vorbereitet werden und es konnte losgehen. Dänische Bürokratie ist leider kaum besser als die deutsche. Wenn dann auch noch das IT-System der entsprechenden Behörde streikt, ist das eine wunderbare Übung für alle ungeduldigen Menschen – mich selbst definitiv eingeschlossen.

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Wenn ihr noch nie in Kopenhagen wart, dann kann ich euch an dieser Stelle nur ans Herz legen: Holt das nach! Fliegt hin und lasst diese super coole Stadt auf euch wirken – auch wenn es nur für ein paar Tage ist. Über Fluggesellschaften lassen sich mit ein paar Tricks und Rabattaktionen sehr günstige Flugtickets nach Kopenhagen kaufen. Der Flug dauert nur etwa eineinhalb Stunden und ihr werdet es nicht bereuen.

Unerlässlich und typisch für alle Kopenhagener ist das Fahrrad. Kopenhagen ist eine wahre Fahrradstadt. Seit einiger Zeit gibt es dort mehr Fahrräder als Einwohner und das merkt man. Das Fahrradwegenetz ist ein Traum und sogar die Ampelschaltungen sind auf Fahrräder ausgelegt. Man kann Fährräder aus zweiter Hand kaufen oder günstig leihen. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, morgens im Berufsverkehr in einem Schwarm mit hunderten Fahrradfahrern in die Innenstadt zu fahren. Trotzdem sollte ich euch an der Stelle warnen: Auch wenn viele Menschen Fahrradhelme für uncool halten, sind sie in Kopenhagen auf jeden Fall angebracht. Bei so vielen Fahrradfahrern kommt es gerade zu Anfang, wenn man die örtlichen Gepflogenheiten und Handzeichen weniger gut kennt, öfter mal zu haarscharfen Situationen.

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Kopenhagen als Stadt hat eine Menge zu bieten. Sobald die Sonne scheint, sind alle Kopenhagener draußen und verbringen Zeit mit Familie und Freunden am Hafen, am Strand oder in den diversen Parks, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen. Jedes Wochenende findet irgendwo ein anderes Festival statt und bietet Livemusik oder andere coole Attraktionen.

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Seid ihr zufällig über Halloween oder Weihnachten in Kopenhagen, lasst euch auch einen Besuch im Tivoli nicht entgehen. Der Tivoli ist ein Freizeitpark im Stadtzentrum mit vielen Fahrgeschäften. Der Eintrittspreis tut dem Geldbeutel zwar ein bisschen weh, aber ihr werdet es nicht bereuen. Ich bin selbst kein großer Fan von Achterbahnen und Co., aber allein ein Rundgang durch den Park macht den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Ein absolutes Muss ist außerdem, neben einem Besuch im neuen Hafen, der Streetfood-Markt auf einer Insel dort. Hier warten kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt darauf, probiert zu werden. Preiswert ist es fast nirgendwo in Kopenhagen, aber der Streetfood-Markt besitzt eine einmalige Atmosphäre, die jeden sofort in seinen Bann zieht.

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An der Universität selbst ist immer etwas los. Eine Mentorengruppe organisiert über das gesamte Semester immer wieder coole Events und war bei jeglichen Problemen oder Fragen ansprechbar. So gab es beispielsweise zu Semesterbeginn eine Gala, die, entgegen aller Erwartungen, die mit einer solchen Bezeichnung einhergehen, mehr einer Ersti-Party ähnelte. Ein wichtiger Tipp noch an dieser Stelle: Bezahlbaren Kaffee gibt es auf dem Campus, ansonsten ist es in Kopenhagen nämlich durchaus normal, 6-7€ für eine Tasse auszugeben.

Über all den Spaß und die Freizeit darf das Studium natürlich auch nicht vergessen werden. Ich belegte während des Semesters drei Kurse zu je 10 ECTS. Zwei der Kurse begannen allerdings erst Mitte Oktober, sodass ich gerade zu Beginn meines Aufenthaltes ausreichend Freizeit hatte. Zur Klausurenphase hin nahm die Arbeitsbelastung dann typischerweise wieder stark zu. Zwei meiner Kurse schlossen mit mündlichen Prüfungen ab, die ich vor Weihnachten ablegte. Der dritte Kurs forderte eine Seminararbeit, die Ende Januar fällig war. Insgesamt war die Arbeitsbelastung überschaubar und das Lesepensum etwa vergleichbar mit Mannheim. Allerdings ist mir dort sehr positiv aufgefallen, wie offen, freundlich und hilfsbereit die Dozenten sind. Mit einer Dozentin waren wir sogar in unserer Freizeit öfter mal unterwegs. Meine Dozenten waren alle sehr interessiert und motiviert, was die Lernatmosphäre sehr angenehm machte. Auch die mündlichen Prüfungen waren somit kein großes Problem.

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Insgesamt kann ich ein Auslandssemester nur jedem empfehlen. Nutzt diese Chance! Man begegnet vielen netten, interessanten Menschen aus aller Welt, kommt mit anderen Kulturen in Kontakt und lernt dabei auch unheimlich viel über sich selbst. Die Zeit in Kopenhagen ist für mich unvergesslich und das war definitiv nicht mein letzter Besuch dort.

 

Text und Bilder: Paula Jöst

 

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