Bücher Kultur

Hommage an einen Großen

James Baldwin. Vor dem Hintergrund der Bürgerrechtsbewegung, einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller. In Deutschland ist er für lange Zeit in Vergessenheit geraten, zu Unrecht.

Die Hommage an James Baldwin begann für viele Besucher des Literaturfestivals nicht wie gewöhnlich in der alten Feuerwache. Sie begann im Kino Atlantis mit „I Am Not Your Negro“, ein Film von Raoul Peck, welcher 2016 international durch die Decke ging. Der Film erzählt die Geschichte von Baldwins Leben. Das Gerüst bilden drei Morde, die an seinen berühmten Freunden, Malcom X, Medgar Evers und Martin Luther King begangen wurden. Baldwin selbst, welcher 1987 in Südfrankreich starb, musste diese schmerzlich miterleben. Vor dem Hintergrund rassistischer Morde in den USA, ansteigender Gewalt an Schwarzen in den letzten Jahren und einem weißen rassistischen amerikanischen Präsidenten, war die Wieder- oder Neuentdeckung Baldwins nur eine logische Konsequenz. Dies hat sich auch der dtv zu Herzen genommen und aufgrund stetig steigender Anfragen begonnen, Baldwins Bücher neu zu übersetzen. Nach dem Kinobesuch im Atlantis ging es also gespannt weiter, zur Lesung in die alte Feuerwache.

Eröffnet wurde die Lesung von keinem Geringeren als von James Baldwin selbst. O-Ton – eine Rede vor einer amerikanischen Highschool und jetzt vor dem Publikum der alten Feuerwache. Baldwin schildert seine Gefühle und den Moment, in dem er als kleiner Junge in der Schule begriffen hatte, dass er in der Geschichte Amerikas nicht vorkommt. Die Geschichte, wie sie von den Weißen erzählt und unterrichtet wird. „Solange die weiße Gesellschaft nur in den Spiegel schaut, wird sie darin ertrinken“, sagte Baldwin einst. Solange wir nur uns selbst sehen, unsere Perspektive nicht wechseln und in Ignoranz leben, können wir dem Rassismus kein Ende bereiten, lautet die Message. Perspektive und Perspektivenwechsel waren auch die zentralen Themen des Abends. Autorin und Journalistin Verena Lueken von der FAZ leitete durch diesen Abend. Sie diskutierte mit Übersetzerin Mirjam Nuenning über die Perspektive der POC (People of Colour) in Deutschland. Ihr Statement, dass es für den interkulturellen Dialog und das Verständnis mehr bringt, einfach mal zuzuhören was ein Schwarzer zu einem Schwarzen sagt, wurde mit dem ersten Applaus des Abends gefeiert. Auch mit dem zweiten Gast, dem Dichter Max Czollek versuchte Lueken eine Brücke zu schlagen. So diskutierte Sie mit Ihm über Antisemitismus und die Perspektive der Juden in Deutschland heute. Stets kam zur Geltung wie wichtig es ist, uns bewusst zu machen, wie unterschiedlich unsere Perspektiven sind. Passagen aus Baldwins erstem autobiografischen Roman „Von dieser Welt“ aber auch aus „Nach der Flut das Feuer“, lieferten dabei den Gesprächsstoff. Mit ruhiger und starker Stimme zugleich, las Mehmet Atesci, vom Gorki Theater Berlin, daraus vor.

„Es erfordert geistige Stärke den Hassenden nicht zu hassen und das den Kindern beizubringen.“ Die Frage was wir heute von James Baldwin lernen können, wurde beantwortet, wir können jeden Tag neu von ihm lernen.

Text: Sophia Laubel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.