Kultur Theater

Ich habe allmählich das Gefühl dafür verloren wer ich eigentlich bin

Ein Samstag Abend im National Theater Mannheim. Mit einer Überraschung im Programm, aber dennoch unterhaltsamen Schauspiel.

Da staunten einige Besucher des Nationaltheaters Mannheims nicht schlecht, als Sie ihre Tickets für die Abendvorstellung abholen wollten. Statt des erwarteten Shakespeares Drama “Hamlet”, welches an diesem Tag eigentlich Wiederaufnahme ins Theaterprogramm feiern sollte, erwartete einen das zeitgemäße Drama Simon Stephens: „Birdland“. Einen unterhaltsamen und fesselnden Theaterabend stellte dies aber keinen Abbruch dar. „Birdland“ ist die Geschichte des jungen Rockstars Paul, der auf Grund seines Erfolges zunehmend den Bezug zur Realität verliert.

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Vor ein paar Jahren spielte Paul noch in Hinterhöfen und kleinen Clubs, nun umfasst seine Tournee die großen Stadien der Welt, welche regelmäßig ausverkauft sind. Mit dem Erfolg kommt auch das Geld und damit setzt auch der seelische Verfall Pauls ein. Wenn man von vielen bewundert wird, ist es leicht sich für etwas Besseres zu halten. Paul manipuliert, benutzt und verletzt die Personen die ihm nahestehen, ohne Rücksicht auf deren Gefühle zu nehmen. Selbst vor seinem besten Freund Johnny macht sein Ego kein halt. Kaltblütig hintergeht er ihn und fängt ein Verhältnis mit seiner Verlobten Marnie an. Als Paul ihr droht, dieses Geheimnis Johnny zu erzählen, entscheidet Marnie sich selbst umzubringen. Selbst diese Tragödie stellt für Paul keinen Grund dar, sich selbst zu verändern. Er verfällt vielmehr in einen fanatischen Rausch der Eigenliebe und Arroganz. Doch zunehmend kehren sich die Leute von Paul ab und die Schlinge um seinen Hals wird zunehmend enger.

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Allein schon wegen der beeindruckenden Einzelleistung des Hauptdarstellers David Müller, welcher die Rolle des Pauls mit unvergleichbarer Hingabe spielt, lohnt es sich dieses Stück zu besuchen. Aber auch die ju nge Schauspielerin Anne-Marie-Lux spielte ihre Doppelrolle souverän. Sie vertrat Katharina Hauter in der Rolle der Jenny, welche an diesem Abend eigentlich die Ophelia in Hamlet spielen sollte, aber krankheitsbedingt nicht auftreten konnte.

Kommende Vorstellungen: 04.11, 26.11, 30.11

Text: Joe Brandes, Fotos: (c)Hans Jörg Michel

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