Kultur Musik

Ist das noch Rap? – Heimspiel in der Alten Feuerwache

Konzertreview Julian Philipp David

Der Mannheimer Künstler Julian Philipp David beschreibt seine Musik selbst als Songwriter-Rap. Zugegebenermaßen kann man sich unter dieser Bezeichnung zunächst mal irgendwie alles und auch nichts vorstellen. Doch wer ist dieser Mann mit den drei Vornamen und wie klingen seine Songs?

Das Eigengewächs der Popakademie wohnt seit fünf Jahren in Mannheim und dementsprechend war der Termin in der Alten Feuerwache ein Muss und der größte Auftritt der Tour durch ganz Deutschland. Den Anfang in der familiären Atmosphäre machte die Künstlerin Alex Mayr. Ihr erfrischender Mix aus deutschsprachigen Texten und Beats mit musikalischen Einflüssen aus Indie, Pop und Weltmusik brachte das Publikum in Stimmung. Julian Philipp David eröffnete seine Show mit dem Titelsong seiner aktuellen EP Déjà Vu. Doch anders als der Titel vermuten lässt, zeigte er mit starker Band im Rücken direkt, dass er eben kein Déjà Vu in der einfältigen deutschen Popszene ist. Mit Rap-Verses, die an XOXO von Casper erinnern und ohrwurmverdächtigen Hooks, die eine Endlosschleife verdient hätten, brauchte der Künstler nicht lange, um das im Schnitt relativ junge Publikum von seinen Songs zu überzeugen. Neben einigen Stücken seiner beiden EPs Déjà Vu und Herbst gab es auch eine Menge an unveröffentlichtem Material auf die Ohren, denn Julian Philipp David tourt noch ohne Album im Gepäck. Seine Texte sind Erzählungen von persönlichen Erlebnissen und Begegnungen und nichtsdestotrotz findet man sich in fast jedem von ihnen wieder.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, das den Musiker aus der homogenen Masse deutschsprachiger Popmusik hervorhebt ist seine klare Haltung. Anders als viele seiner Mitstreiter im Business schreckt er nicht davor zurück, mit Sirenen auch mal einen politischen Song zu schreiben und die Nazis im Bundestag beim Namen zu nennen. Den klaren Worten inklusive Die Ärzte-Zitat wurde hier mit grandiosem Bandarrangement das nötige Gewicht verliehen. Mit Herbst spielte Julian Philipp David noch eine Hymne für die anfangenden Depressionen der kalten Jahreszeit und seinen womöglich bekanntesten Song. Dementsprechend konnten erstaunlich viele Zuhörer den Text nahezu lückenlos mitsingen. Dass es sich bei dem Künstler und seiner Crew um ein Projekt von Freunden handelt, machte nicht zuletzt die Bandvorstellung inklusive rappenden Tourmanager deutlich. Auch das Publikum bestand zu einem erheblichen Teil aus Bekannten und Weggefährten der Musiker und so herrschte eine besondere, unglaublich entspannte Atmosphäre in der Alten Feuerwache, die sicher nicht alltäglich ist.

Letztendlich ein Konzert wie zwei Stunden Schulferien. Julian Philipp David sorgte mit seinem sorglosen Auftreten für eine Verschnaufpause zwischen Alltagsgedanken und schuf Freiraum für Erinnerungen. Doch den wohl lehrreichsten Teil des Konzerts und gleichzeitig die Universalantwort auf existenzielle Fragen lieferte er mit Gute Frage. „Wie schwarz ist meine Lunge vom Rauchen?“ und „Worauf hab ich mich als letztes wirklich gefreut?“ sind nur Beispiele tausender Fragen, die sich „auch schon mal irgendwer gestellt hat“. Und wenn der Musiker uns an diesem Mittwochabend eine Sache gelehrt hat, dann dass es nun mal nicht auf alles eine Antwort gibt und das ist auch gut so. Also: Ist das noch Rap? Keine Ahnung, aber Julian Philipp David ist ein Künstler, den es lohnt genauer zu betrachten.

Veranstaltungstipps: Wenn ihr Lust auf mehr Musik aus der Region habt, dann könnte der gebürtige Heidelberger Miwata am 14.12. in der Alten Feuerwache was für Euch sein.

Text: Benedikt Broda

Foto: Noisiv

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