Kultur Musik

Jazz Session mit dem Vijay Iyer Sextett

Guter Wein, ausgezeichnete Künstler und jede Menge Jazz: Das 19. Enjoy Jazz Festival ist seit zwei Wochen in vollem Gang und lädt wieder Musikbegeisterte in die Alte Feuerwache und andere Locations ein.

Unter den bisherigen Auftritten waren Acts wie DePhazz, Youn Sun Nah und Hejira. Am Sonntagabend hat nun auch VIjay Iyer bewiesen, warum er bereits zum wiederholten Male von den Organisatoren des Festivals gebucht worden ist. Knapp zwei Monate nach dem Release ihres neuen Albums „Far From Over“ lieferten er und seine Band ein spektakuläres Konzert in der Feuerwache ab.

Für viele Hörer zählt Vijay Iyer zu den besten zeitgenössischen Jazz-Musikern. Wurde er 2008 noch als Newcomer in Mannheim begrüßt, so kann er heute bereits auf zahlreiche Auszeichnungen zurückblicken. Neben dem Echo-Gewinn 2010, einer Grammy-Nominierung 2011, dem Performing Artists Award der Doris Duke Foundation 2012 und dem Greenfield Prize 2012 erhielt er 2013 eine MacArthur Fellowship. Die Auszeichnung der gleichnamigen Stiftung wird an Amerikaner vergeben, die „außerordentliche Verdienste vorzeigen und andauernde und verstärkte kreative Arbeit versprechen“. Sie ist mit 625.000$ dotiert und beinhaltet eine Harvard-Professur. Iyer ist der erste Musiker der im Kritikerpoll der Zeitschrift Downbeat gleichzeitig in fünf Kategorien gewann, so erhielt er im Juni 2012 unter anderem den Preis als „Jazzmusiker des Jahres“ und für das beste Album des Jahres. In der Los Angeles Times wird der Pianist als „wild funky“ beschrieben und Pitchfork nennt ihn „einer der interessantesten und vitalsten jungen Pianisten im heutigen Jazz“.

Nachdem Iyer in den letzten Jahren nur in kleineren Zusammensetzungen Musik produzierte, hat er diesen August das Album „Far From Over“ als Sextett veröffentlicht, was seiner Musik noch mehr Breite gibt. Das ehemalige Trio aus Ijay Iyer am Piano, Stephan Crump am Kontrabass und dem Schlagzeuger Marcus Gilmore wird nun durch Graham Haynes mit der Trompete und die beiden Saxophonisten Steve Lehman und Mark Shim ergänzt. Für den Pianisten ergibt sich so die Chance, auch komplexere Stücke ausgelassen spielen zu können. Die Gefahr der Komplexität führe aber auch zu einer Verletzlichkeit, die es ermöglicht „auf Emotionen zuzugreifen und diese in die Musik einzubringen“. Auf dem Album finden sich somit Stücke, die zum Teil sehr verschiedene Stimmungen transportieren, von explosiv bis wehmütig.

Die Erwartungen im Publikum waren an diesem Sonntagabend also dementsprechend hoch, sofern man sich denn von der kulturellen Größe des Sextetts bewusst war. Vijay Iyer und seine Band ließen jedoch niemanden enttäuscht. Das Konzert begann furios und es dauerte über eine halbe Stunde bis die ersten ruhigeren Töne angespielt wurden. Gerade in diesem Zeitraum fehlte einem die Freiheit zu tanzen, an die man in der Alten Feuerwache ansonsten so gewohnt ist, da der Raum an diesem Abend mit Stühlen ausgestattet wurde. Auf der Setlist standen Titel wie Hood, Paul, For Amiri Baraka und Nope. Nope würde so viel mehr als einfach nur Nein bedeuten und sei deswegen der passenden Songnamen gewesen, erzählte Iyer bevor die Gruppe das Lied spielte.

Zum Ende wurde es auch etwas abstrakter als Graham Haynes sein Talent an der Trompete mit ungewöhnlichen Klängen unter Beweis stellte. Die dargebotenen Soli der einzelnen Musiker bildeten über den Abend hinweg definitiv das große Highlight des Konzerts. Marcus Gilmore, der ohnehin schon durch sein rosafarbenes Sweatshirt auffiel, legte am Schlagzeug ein beeindruckendes Solo hin, welches sicherlich nicht nur Jazzfans beeindruckt hätte. Das Publikum verfiel ohnehin mehrfach in begeisterten Zwischenapplaus, mit dem die spektakulären Passagen gewürdigt wurden.

Nach knapp eineinhalb Stunden hatte das Konzert dann sein Ende erreicht und Fans konnten sich noch ein Autogramm vom Pianisten oder der Band holen. Wer bei Jazz im Schloss vielleicht schon Gefallen an dem Genre gefunden hat und sich auch außerhalb vom Schneckenhof damit beschäftigen will, dem bietet das Enjoy Jazz Festival noch bis zum 11. November die Gelegenheit dazu. In der Alten Feuerwache sind in nächster Zeit unter anderem Chassol am 25.10., die Hot 8 Brass Band am 05.11. und Lapalux am 10.11. zu sehen.

Autor und Fotos: Felix Kuhlenkamp

 

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