Kultur Musik

Jetztmusik Opening: Yung Hurn Konzert & Live From Earth Party

Ein Bericht für Menschen, die nicht da waren oder sich nicht mehr erinnern können

Als Opening Act für das derzeit stattfindende Jetztmusik Festival und im Rahmen seiner Club Tour besuchte der Wiener Rapper Yung Hurn zum ersten Mal Mannheim. Seit seinem Durchbruch mit der Single „Nein“ erfreut sich der Wiener Rapper einer wachsenden Fan-Gemeinschaft. Denn seine drogenverherrlichenden und doch zugleich tiefsinnigen Texte spiegeln genau das Lebensgefühl der verkorksten Jugend wider. Von daher war das Konzert auch in Nullkommanichts ausverkauft. Im Folgenden wird nun versucht recht alkoholgeschwängerten Erinnerungen aufzuarbeiten.

Bei der Ankunft an der Alten Feuerwache fielen mir sofort die teils grotesken Frisuren und Gesichtsbehaarungen auf, bei denen selbst Fußballspieler der 90er Jahre neidisch geworden wären. Und wer selbst für einen Oberlippenflaum noch zu jung war, wusste dies immerhin mit einer ordentlichen Portion Merchandise wettzumachen. Keine Frage, hier hatte sich die komplette Hipster-Jugend aus dem Umkreis versammelt. Nach kurzem Anstehen stolperte ich schließlich um kurz vor 9 in die Location rein und wurde fast vom Hitzschlag getroffen. Denn die schwüle Luft in der Halle erinnerte stark an einen Regenwald am Amazonas und wäre im nächsten Moment ein Papagei an der Menge vorbei gesegelt, hätte sich wohl auch niemand groß gewundert.

Doch dieser Gedankengang wurde abrupt von tiefen Bässen unterbrochen. Ein Blick nach vorne verriet, dass Caramelo, der offizielle Support des Abends, die Bühne betreten hatte. Zusammen mit den Soundcloud-Rappern Jonny5 und Badboy Blondey wärmte er die durchaus willige Menge auf. Ein außenstehender Beobachter hätte zu dem Zeitpunkt wohl gar nicht gemerkt, dass es sich hierbei lediglich um das Vorprogramm handelte. Nichtsdestotrotz stieg der Lärmpegel plötzlich merklich an. Der Star des Abends war erschienen und es hätte nur noch ein Heiligenschein gefehlt um das gottgleiche Bild, das Yung Hurn abgab, perfekt zu machen. Während die ersten Takte ertönten bahnten wir uns unseren Weg ins  Epizentrum des Trubels, wo nackte Oberkörper aneinander rieben. Der einzige Unterschied zu einer Männersauna war der penetrante Cannabisgeruch in der Luft. Yung Hurn jedoch ließ sich die Hitze und die Ermüdung der vorherigen Tourstops keineswegs anmerken. Stattdessen brannte er innerhalb der nächsten Stunde ein musikalisches Feuerwerk ab und performte seine besten Hits.

Einen denkwürdigen Höhepunkt fand das Konzert schließlich als sich Yung Hurn gegen Ende zur Menge hinabstieg und ein Kreischen ertönte, das eher an Justin Bieber als an Hip-Hop Konzert erinnerte. Andererseits hätte ich bei direktem Hautkontakt mit dem Idol wohl auch nicht anders reagiert. Schließlich war das Konzert nach nur einer Zugabe dann auch schon vorbei. Die allgemeine Enttäuschung über das jähe Ende wurde immerhin durch den Gedanken an die frische Abendluft gemildert. Auch ich war froh, dass ich so nochmal die Chance hatte Kräfte zu sammeln, bevor der nächste Programmpunkt anstand, die Live From Earth Opening-Party. Also holten wir kurz tief Luft und gingen anschließend bewaffnet mit zwei Germania Bier und einem Döner zum Studio Werkhaus des Nationaltheaters, wo die Party stattfand.

Dort angekommen leerte ich noch mit einem hastigen Zug mein Bier und fand mich einen Moment später schon auf dem recht spärlich gefüllten Dancefloor wieder. Begrüßt wurde ich direkt von einer erbarmungslos schnellen Kick Drum, die in ihrer Schlagfrequenz wohl nur von dem Herzschlag einiger Anwesenden überboten wurde. Untermalt wurde das ganze von treibenden tranceartigen Melodien, sodass sich ein interessanter Genre-Mix ergab, der es aber in sich hatte. Im Laufe der Nacht füllte sich der Dancefloor zunehmend mit Menschen. Darunter waren auch einige bekannte Gesichter der Live From Earth Crew. Allen voran der Beatproduzent Lex Lugner, der maßgeblich für Yung Hurns Erfolg mitverantwortlich ist, machte auf sich aufmerksam. Jedoch weniger durch sein Feingefühl, welches er in der Musikproduktion beweist, sondern eher durch seine alkoholbedingt miserable Motorik. Das führte zu unfreiwilliger Tuchfühlung beim Tanzen und fand seinen Höhepunkt als er wie im Film über eine Stufe stolperte und der Länge nach auf den Boden fiel. Beglückt durch dieses Erlebnis traten wir schließlich kurz vor 4 den Nachhauseweg an und beendeten den Abend mit dem obligatorischen Absacker im Rhodos.

 

Text: Albert von Jahn

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