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Kochen mit Krisso: Folge 1 – Bundeskanzler

Es ist ein ganz normaler Dienstag in Mannheim. Weißer Rauch steigt auf über der Neckarstadt. Krisso sitzt apathisch in seiner Küche und qualmt. Er erwartet Gäste, Gäste die sein Leben verändern werden. Die kleinen Schweißperlen auf seiner Stirn und die tiefen Augenringe deuten an, welcher Anspannung er die letzten unterlegen war. Der einsame Küchenmeister starrt eisern aus dem Fenster und kratzt sich beherzt am Sack. Dann klingelt es an der Tür.

Schmidt, Schröder, Kohl und Adenauer treten ein. Sie klopfen sich kollegial auf die Schultern und sind hungrig. Die Gäste grüßen freundlich und setzen sich. Schmidt hustet und steckt sich einen Glimmstängel an. Krisso beginnt drei kleine Zwiebeln und zwei Zehen Knoblauch klein zu schneiden.
Kohl fragt ob es was mit Saumagen gibt. „Ne was Vegetarisches.“, sagt Krisso. Allgemeines Gemurmel. „Also als das letzte Mal ein deutscher Kanzler Vegetarier war, ist nichts Gutes bei rumgekommen! Das sag Ich dir.“, murmelt Adenauer.

Krisso runzelt die Stirn und überlegt welcher Kanzler Vegetarier war. Weil ihm aber niemand einfällt, bedient er sich bei den gehäuften Einkaufen. Adenauer soll erstmal die vier frischen Rote Bete Knollen in kleine Streifen schneiden. „Gibt es nicht auch Schwarze Beete?! Kann mir das mal jemand im Brockhaus nachschlagen? Also Rotes kommt mir nicht auf den Tisch!“
Nachdem Krisso kopfschüttelnd einen Liter Brühe aufgesetzt hat, heizt er die Herdplatte auf und gießt Olivenöl in einen großen Topf. „Ich sehe Sie haben da einen Elektroherd, Krisso. Aber wussten Sie, dass man mit Gas viel schneller und effizienter kochen kann?“ Schröder stellt sich neben Krisso an den Herd und seine Augen leuchten. „Das kann Ich Ihnen nur empfehlen“ Krisso zuckt die Schultern. Daraufhin verlässt Schröder die Küche und tippt auf seinem Handy herum. Auf dem Flur hört man ihn dumpf auf Russisch telefonieren.
Als der Topf heiß wird, gibt Krisso die Zwiebeln und den Knoblauch in den Topf und kurz darauf die geschnittene rote Bete.
Schmidt hustet und steckt sich einen Glimmstängel an.
Kohl, der die ganze Zeit schweigend in der Ecke saß, wird nun etwas munterer. Heimlich schleicht er sich zu seiner Jacke und nascht etwas von seinem mitgebrachtem Proviant, echtem pfälzer Saumagen.
Schmidt hustet und steckt sich einen Glimmstängel an.
Ein paar Minuten später scheint Krisso zufrieden zu sein, er blickt in den Kochtopf und teilt den Anwesenden mit, dass sobald das Gemüse glasig werde, der Risotto Reis kurz mitgebraten werden müsse. „Ist das eigentlich eine Gasheizung?“, fragt Gerhard Шрёдер, mittlerweile wieder in der Küche. „Ne, das ist Photovoltaik.“, antwortet Krisso. Шрёдер setzt sich kopfschüttelnd an den Tisch.
Schmidt schämt sich für die SPD, hustet und steckt sich einen Glimmstängel an.
Krisso kippt nun die gesamte 500g Risotto-Reis Packung in den Topf. Als er allerdings merkt, dass der Reis bereits nach einer Minute anfängt anzubrennen, schreitet er leicht überfordert ein und schüttet ein großes Glas Rotwein in den Bottich.
Nachdem Adenauer dies bemerkt hat, fragt er schon ein bisschen wütend “Gibt es nicht auch Weißwein?! Immer diese rote Plage..”
Kohl freut sich indes, dass keiner gemerkt hat, dass er schon ein wenig von dem Rotwein genascht hat. Oder vielleicht auch ein bisschen mehr als nur ein klein wenig.
Um zu verhindern, dass das Gemisch sich erneut in die Beschichtung des Topfes frisst, kippt Krisso nach und nach Brühe nach. “So, jetzt müssen wir erstmal ne Viertelstunde warten und ab und zu umrühren.“
Schmidt hustet und steckt sich einen Glimmstängel an.
Krissos Fürsorge für das mediterrane Reisgericht scheint auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein. In den letzten 15 bis 20 Minuten konnte er kaum still sitzen. Ständig stand er auf, um umzurühren bis er jetzt schließlich den Biss des Reises als gut befindet. Dann rührt er circa 50g Butter, genauso viel Parmesan und 1 ½ Esslöffel Meerrettich in das Gericht. Es ist vollbracht. Die mit Feldsalat verzierten Teller werden mit einer soliden Schöpfkelle beladen, bis Krisso noch einige Brocken Feta fürs Auge auf jeden Teller streut.
„Und jetzt das Tischgebet!“, ruft Adenauer. „Genau!“, sagt Kohl. „Sonst ess ich nichts!“
Krisso schweigt und ist von Adenauers Vorschlag wenig beeindruckt. Genauso wie von Kohls Drohung. „Naja wir müssen ja nicht beten, aber wollen wir uns einfach stattdessen duzen?“, fragt Герхард um die angespannte Stille aufzulösen. „Mit Wladimir mach ich das genauso!“

Autoren: Paul Fuchs, Carlos Hanke Barajas, Georg Pflomm

Foto: Kristofer Buckel

 

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