Kultur Musik

Maifeld Derby 2015: Der Freitag

Wie war es eigentlich am Freitag beim Maifeld Derby?

Das Maifeld Derby hatte sich schon letztes Jahr, bevor wir nach Mannheim gezogen sind und uns mit dem Kulturangebot beschäftigt haben, durch ein beeindruckendes Lineup auf unseren „Festivalradar“ gespielt. Es war also – entgegen jeglicher Vernunft – ein Muss dieses Jahr mal vor Ort nachzuschauen, was Timo Kumpf und Kollegen so zu bieten haben.

Nach einem semiproduktiven Halbtag in der Bibliothek haben wir uns also auf unsere Räder geschwungen und sind zum Festivalgelände am Maimarkt gefahren. Angekommen über ein paar Umwege, haben wir unsere Bändchen geholt und vor dem Securitycheck erst mal das erste Bierchen getrunken.
Durchatmen, den Lernstress ablassen und los ging’s. Der erste Eindruck war direkt positiv. Das Festivalgelände des Maifeld-Derbys wirkt auf eine ungewöhnliche Weise ländlich. Zwischen Reitplätzen, Feldern und den Zirkuszelten, fühlen wir uns bei dem wunderbaren Wetter wie im Urlaub. Beim Betreten der Zelte riecht es nach Heu und das Gefühl nach ein paar Stunden jeden Besucher 2 Mal gesehen zu haben, stellte sich schnell ein. Man musste schon über die Zäune hinwegschauen, um die Autobahnauffahrt zu sehen und zu merken, dass man gerade mit dem Fahrrad aus der Stadt hergefahren ist.

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Patrick Bishop auf der Parcours d’Amour Bühne

Nachdem wir uns einen kurzen Überblick über das kulinarische Angebot verschafft und das obligatorische „Handbrot“ gegessen haben, war es Zeit für das erste Konzert. Im Parcours d’Amour, der kleinen Bühne vor der großen Tribüne des MVV-Reitstadions, fläzten wir uns in die Sitzschalen und genossen ein „Woinemer Pils“. Auf der Bühne stand „Patrick Bishop“. Der große und viel älter als seine 20 Jahre aussehende Schweizer macht, wie er selbst sagte, „die perfekte Schwiegermutter-Musik“. Die ruhigen Arrangements die er mit vierfacher Unterstützung auf die Bühne brachte, passten sehr gut zum Ambiente und machten Lust auf den Rest des Tages.
Komplettes Kontrastprogramm lieferten später „See Through Dresses“ aus Omaha, Nebraska ab. Das Quartett trat wild auf ihren Verzerrern rum oder beackerte das komplette Schlagzeug. Die typisch amerikanische Rockmusik war perfekt, um die Gedanken an die kommenden Klausuren nun komplett abzuschütteln.
Beflügelt von den silbernen Pressebändchen starteten wir, nach der fünfzigminütigen Joy Division-Hommage von „Motorama“ einen Ausflug in den sagenumwobenen VIP-Bereich. Im Glauben, dass dort Bier und Honig in rauen Mengen fließen würde, stellten wir uns an der Bar an. Nach 15 Minuten wurde die kindliche Vorfreude von der ernüchternde Realität eingeholt. Auf dem Maifeld Derby werden alle gleich behandelt, auch die VIP’s müssen 3 Derby-Dollar für ihr Bier abgeben.
Das Highlight des Tages waren „Allah-Las“ aus Los Angeles, die ihren Auftritt zu perfekten Zeitpunkt kurz nach Sonnenuntergang auf der Fackelbühnen begannen. Die vier Kalifornier spielen eine Mischung aus 6oer Surfmusik und Beat mit psychedelischen Gitarren und gelegentlichen Conga-Soli, die unfassbar gekonnt und butterweich daherkommt. Schon mit den ersten Tönen schafften es die Surfer in Hawaiihemden den Realpreis eines Joints auf dem Festivalgeländer zu verfünffachen. Jeder durfte mal ans Mikrofon und auch die Instrumentalstücke ließen die Menge glücklich tanzen.

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José Gonzales im Palastzelt

Beschwingt ging es nahtlos über zu „José Gonzales“ im Palastzelt. Der Schwede und seine Band füllten das ganze Zelt mit dichtem Klang und verwandelten es in wenigen Minuten in einen majestätischen Ort der Melancholie. Mit seinen reduzierten, ruhigen Songs zeigte er eindrucksvoll warum das Maifeld Derby eben kein „normales“ Festival ist bei dem der Headliner tanzbare Konsensmusik aus den Boxen dröhnt. Hier können knapp 5000 Menschen zusammenkommen und sich komplett dem Künstler auf der Bühne übergeben und einlullen lassen. Für uns war es eine kleine Oase in der großen Wüste aus Pflichtlektüre, Lernzetteln und Vorlesungsfolien.

Text: Clara Schäper und Lars Sellien; Fotos: Lars Sellien

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