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„Manhunt: Unabomber“ – Ein Review

17 Jahre blieb er unentdeckt und verletzte und tötete unschuldige Menschen. 17 Jahre war es dem FBI nicht möglich, den Anarchisten und Terroristen aufzufinden. Die Rede ist von Theodore John Kaczynski, dem Unabomber. Der Name Unabomber kam daher, weil seine ersten Bomben Universitätsprofessoren oder Fluggesellschaften zum Ziel hatten. Zwischen 1978 und 1995 verschickte der überaus intelligente Terrorist Ted Kaczynski 16 Briefbomben und bereitete nicht nur der amerikanischen Gesellschaft, sondern auch dem FBI Sorgen. Aber wie konnte der Unabomber nach 17 Jahren ausfindig gemacht werden? Was waren die Motive für sein Handeln? Und warum ist es erst soweit gekommen? Die Serie „Manhunt“ mit ihrer ersten Staffel über den Unabomber beantwortet genau diese Fragen.

Die erste Staffel der Fernsehserie „Manhunt“, die es auch auf Netflix gibt, erzählt die wahre Geschichte der FBI-Ermittlungen im Fall des Unabombers. Dabei basiert die Handlung auf dem Leben des FBI Supervisory Special Agent James R. Fitzgerald. In der Serie wird er dem Unabomber-Fall zugeordnet und schafft es, diesen letztendlich aufzuklären. Der Weg zum Ziel stellt sich allerdings nicht leicht für den Special Agent heraus. Aufgrund seiner zu der Zeit unkonventionellen und neuen Methoden wird er von seinen Arbeitskollegen und Vorgesetzten nicht ernst genommen. Das hält ihn trotzdem nicht davon ab, seine Arbeit weiterhin zu verfolgen. 

Fitzgerald bedient sich der forensischen Linguistik und setzt sich mit der Sprache des Unabombers auseinander. Durch das 1995 veröffentlichte Manifest des ehemaligen Mathematik-Assistenzprofessors identifiziert er Phrasen und Wörter, die nur einem bestimmten Profil zugeordnet werden können. Allein durch die Analyse der Sprache kann er das Alter, die Bildung und die Herkunft des Unabombers ermitteln. Das macht die Serie für Linguistik-Studierende nochmal interessanter. Die Serie veranschaulicht ausgezeichnet, wie die Redewendungen und sprachlichen Bestandteile und Einheiten des Unabombers der Grund dafür werden, dass er schlussendlich gefangen wird. 

Zusätzlich beleuchtet die Serie psychologische Aspekte. Durch die Darstellung der Kindheit, Entwicklung und Laufbahn Ted Kaczynskis werden Auslöser für sein Tun ans Licht gebracht, die einen dazu bringen, unangenehmerweise mit dem naturzentrierten Anarchisten zu sympathisieren. In der Schule wird er von seinen Mitschülern drangsaliert und an der Universität wird er Proband einer 3-jährigen Persönlichkeitsstudie, durch die er regelmäßig verbal erniedrigt und psychischem Stress ausgesetzt wird. Natürlich rechtfertigen seine Umstände in der Kindheit und Jugend nicht die Tötung und Verletzung unschuldiger Menschen. Dennoch kann man nachvollziehen, wie es zu der Entstehung dieser einsamen, isolierten und menschenverachtenden Persönlichkeit kommt.

Darüber hinaus wendet sich die Serie den Gedanken und dem Ideal des Unabombers zu. In seinem Manifest „Die Industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft“ behauptet Ted Kaczynski, dass die Technisierung unserer Gesellschaft infolge der industriellen Revolution zur Zerstörung der Freiheit und Würde des Individuums führe. Special Agent James R. Fitzgerald fühlt sich in der Serie mit den Ideen des Manifests verbunden und kann die Gedanken des Anarchisten nachvollziehen. Nachdem Ted Kaczynski festgenommen wird, versucht auch er ein minimalistisches und einfaches Leben in der Natur zu führen.  Die Serie zeigt damit, dass die Ideen und Gedanken des Unabombers eigentlich nicht abwegig sind, sondern einen wahren Kern beinhalten. Dies ist das Paradoxe an dem Charakter Ted Kaczynskis. Fakt ist, dass er ein skrupelloser Terrorist ist. Jedoch sind seine Ansichten über die Menschheit in vielen Aspekten durchdacht und nachvollziehbar. 

„Manhunt: Unabomber“: Eine Serienstaffel, die einen mitreißt, den Zuschauer direkt ins Geschehen hineinwirft und über eine hochkarätige Besetzung verfügt. Eine Staffel mit hohem Niveau und vielen Gänsehaut-Momenten – durchaus zu empfehlen! 

Text: Nisha Gurung 

Bild: http://moviemansguide.com/main/2017/12/review-manhunt-unabomber-bd/2/

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