Kultur

Unterhaltung und Feuerwerk

Vergangenes Wochenende fand das 13. Mannheimer Schlossfest statt. Unsere Redakteurin Ellen war vor Ort um festzuhalten, was dort alles geboten war.

Samstagabend, 20 Uhr. Die Mannheimer Innenstadt ist bereits voller Menschen und je näher ich dem Schloss komme, desto mehr werden es. Vor dem Eingang wartet eine meterlange Schlange. Ich bin überzeugt ganz Mannheim und Umgebung versammelt sich heute auf dem Ehrenhof für das Mannheimer Schlossfest. Diskret gehe ich an den Wartenden vorbei und geselle mich zu ein paar Freunden, die es schon fast bis zur Taschenkontrolle geschafft haben. Ich reihe mich ein und werde in konstantem Tempo Richtung Eingang geschoben. Tasche auf, Lampe an, ein prüfender Blick, weiter geht es. Jemand schreit mich an: „Programm!“ Ich bin entsetzt, der plötzliche Schrei erwischt mich kalt und ich greife reflexartig zu. Erleichtert stelle ich fest, dass das Objekt in meiner Hand ein Programmheft zum heutigen Abend ist. Ich sehe mich nach meinen Begleitern um und richte dann meinen Blick zum ersten Mal in Richtung Schloss.

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Viele gesponserte Liegestühle luden auf dem Ehrenhof zur Entspannung ein.

Dann: Reizüberflutung. Das festlich beleuchtete Schloss kommt mir viel größer und prunkvoller vor, als an einem normalen Unitag. Musik tönt aus den Lautsprechern, meine Nase vermeldet die verschiedensten Essensangebote und im Schlosshof stehen, sitzen, reden und lachen hunderte, nein, tausende Menschen. Ich fühle mich überfordert und klammere mich an mein Programmheft bis mir einfällt, dass ich auch einen Blick hinein werfen könnte, bevor ich mich planlos in die Masse stürze.

Ich bin überrascht vom vielfältigen Angebot. Es gibt Kunstaustellungen, Theater, Kabarett, verschiedenste Musikangebote, Bands, Poetry Slam, ein Wissenschaftsprogramm und gleich zwei After Parties. Klingt doch ziemlich gut.

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Poetry Slam auf dem Schneckenhof, präsentiert vom Kultur-AStA.

Wir kämpfen uns quer über den Ehrenhof, aus mehreren Lautsprechern schallt verschiedene Musik, die zu einem einheitlichen Kauderwelsch verschwimmt. Und so viele Menschen! Nach meinem Programmheft bedingtem Hoffnungsschimmer stehe ich nun kurz vor einer Herzattacke. Was tue ich hier? Ich mag keine Menschenmassen, ich gehöre hier nicht her.
Ich versuche mich zu konzentrieren und nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns für eine Fotoausstellung namens „art estetica“ Ich betrete den Raum und entspanne mich sofort. Zwischen gemütlichen Sitzsäcken präsentiert Fotograf Konstantinos Simeonidis langzeitbelichtete Ausschnitte Mannheims. Ich bin beeindruckt von den festgehaltenen Momenten. Im Hintergrund erklingt Jazzmusik und sorgt für eine Wohlfühlatmosphäre.
Wir gehen weiter um einen Blick in den Rittersaal zu werfen. Die prunkvollen Decken lassen mich staunen und ich vergesse, dass um mich herum gefühlt hunderte Besucher ebenfalls nach oben starren.

Noch einmal über den Ehrenhof und ich finde mich in den Katakomben wieder. Die Plastiken von Uscha Rudek-Werlé beschäftigen sich mit Integration, Traditionen und Freiheit. Ich verbringe einige Zeit damit die Bedeutung der einzelnen Kunstwerke zu interpretieren.

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Plastiken von Uscha Rudek-Werlé, ausgestellt in den Katakomben.

Wir wandern weiter durch den Ostflügel begegnen weiteren tollen Ausstellungen. Mein anfänglicher Horror ist verschwunden und ich genieße die vielfältigen Eindrücke. Die Künstlergruppe „Kollektiv Cool“ wird ihrem Namen mehr als gerecht und verwandelt die Gänge des Schlosses mit ihren Wandmalereien in ihr persönliches Sketchbook. Cool, cooler, Kollektiv Cool.

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Das “Kollektiv Cool” hat den Gang zur Aula im Ostflügel neu gestaltet.

Ein Blick auf die Uhr. 21:50 Uhr. Nicht mehr viel Zeit bis zum Highlight des Abends, das große Feuerwerk. Auf dem Rückweg zum Ehrenhof kommen wir an den Vorbereitungen zur After Party im Schneckenhof vorbei. Ich werfe einen Blick in mein Programmheft. DJane Thunderpussy verspricht die Tanzfläche mit R&B-Beats zum Beben zu bringen und ich beschließe den Abend mit dem Feuerwerk abzuschließen. Ein paar Minuten vor 22 Uhr finden sich alle Besucher auf dem Schlosshof ein. Auf die Sekunde pünktlich schießt die erste Rakete in die Luft und in den nächsten Minuten ist der Himmel über mir in die schönsten, glitzernden Farben getaucht. Zwischen all den Menschen glaube ich vom Spektakel am Himmel verschluckt zu werden und mich beschleicht das Gefühl hier nicht so falsch zu sein.

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Der größte Star des Abends war wohl der Kranhersteller dessen Produkt aktuell auf der Baustelle der neuen Business School steht. Das gelbe Werbebanner auf dem Kran erstrahlte stets im Vordergrund des Feuerwerks und dürfte es auf so manches Handyfoto geschafft haben.

Weitere Bilder des Abends:

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Rektor der Universität Mannheim Ernst-Ludwig von Thadden begrüßte die neuen Studierenden mit einer Ansprache auf dem Ehrenhof.

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Poetry Slammerin Julia Szymik bei ihrem Auftritt auf dem Schneckenhof.

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Eine Vielzahl an Besuchern fand sich beim Poetry Slam auf dem Schneckenhof ein und lauschte gespannt den Worten der Teilnehmer.

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In dem Projekt “Rapfugees” des Mannheimer Rappers Tobias Schirneck bekommen junge Flüchtlinge die Möglichkeit ihre Erfahrungen in Musik auszudrücken. Das Ergebnis der Arbeit präsentierten die Künstler auf der Bühne im Ehrenhof und später auch im Dozentenzimmer O126.

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Die deutsch-amerikanische Band “Everdeen” rockte das EO.

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Präsentiert von der Popförderung Mannheim trat “Julian Philipp David” auf dem Ehrenhof auf.

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Auch viele kleine Besucher fanden sich auf dem Mannheimer Schlossfest ein und ließen sich ihre Trinkflaschen an der Bar auffüllen.

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Die Mannheimer Band “Straßenpoeten” spielte in der Aula im Ostflügel.

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Der erste Stargast des Abends Andreas Kümmert überzeugte auf der großen Bühne, zusammen mit Tobias Niederhausen, mit starker Stimme und fetzigen Gitarrensounds.

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Die Band “The Necronautics” spielte auf der La Nuit Bohème Bühne im Rektoratshof.

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Nachdem schon während dem Feuerwerk um 22 Uhr der, für die Fußball Europa Meisterschaft extra umgeschriebene, Song “80 Millionen” zum Mitsingen einlud, lies es sich “Max Giesinger” etwa 15 Minuten später nicht nehmen den gleichen Titel nochmal selbst live zu performen. Zwischen den Songs schäkerte er gezielt mit den weiblichen Fans in den ersten Reihen und bot scherzhaft an Käsekuchen, Kaffee und Tee im Publikum zu verteilen, wenn Bedarf wäre. Da hat wohl Jemand seine Zielgruppe verstanden…

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“The HUGGEE SWING Band” ließ im Rektoratshof stilvoll die Swing Ära wieder aufleben.

Text: Ellen Fritzenschaft, Bilder und Bildunterschriften: Matthias Mohler

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