Kultur Theater

Mit Charme und Witz zu Reichtum und Glück

Donnerstagabend, 11.05.2017, gegen 22:00 Uhr, Nationaltheater Mannheim: Die Zuschauer sind kaum noch auf den Klappstühlen des Opernhauses zu halten. Euphorisch lassen sie sich von den Darstellern dirigieren und singen lauthals im Chor. „Wie werde ich reich und glücklich“ heißt das vom Theaterensemble „Kommando Himmelfahrt“ inszenierte Stück, das bereits vor Schluss mit stehenden Ovationen bejubelt wird. Zumindest während der Aufführung fühlt es sich an, als würde man Zeuge eines gigantischen Spektakels.

Durch die Vorstellung moderiert der fiktive Herr Pausback, Doktor der Philosophie durch seine Regieanweisungen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen verschollenen Film aus den 1930er Jahren nur anhand seiner Erinnerung zu rekonstruieren, da alle anderen Kopien unauffindbar sind. Diese Inszenierung erlebt der Zuschauer durch den Einsatz von Kameraübertragungen auf großen Livewänden mit. Es geht in dem Film um den arbeitslosen Kibis, der in seinem Briefkasten eines Tages eine Broschüre mit dem Titel „Wie werde ich reich und glücklich?“ findet. Wer die aufgelisteten zehn Schritte beachtet, so wirbt das Flugblatt, dem steht seinem Reichtum und Glück nichts mehr im Wege – ganz unkompliziert und mühelos.

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Die Handlung wirkt zunächst wie ein hoffnungsloses Durcheinander. Pausback ist kein guter Regisseur, verstrickt sich in seinen eigenen philosophischen Gedanken und besitzt praktisch kein Durchsetzungsvermögen seinen Schauspielern gegenüber. Doch gerade diese menschlichen Makel des Protagonisten bringen der Inszenierung Sympathiepunkte ein.

Und die benötigt sie dringend. Denn wären die Figuren im Stück nicht so greifbar und mit viel Charme dargestellt, würde die kleine moralethische Lehrstunde, die folgt, vermutlich kaum jemanden im Publikum mitreißen. Denn natürlich, so die Kernaussage des Stücks, ist materieller Reichtum um einiges unkomplizierter zu erreichen als immaterielles Glück. So hat es Kibis tatsächlich geschafft, sich ein kleines Vermögen anzuhäufen und sich eine angesehene Stellung in einem Automobilkonzern zu sichern. Schließlich muss er jedoch feststellen, dass er sich dabei unglücklich gemacht hat: Um seine Karriere zu verwirklichen, hat er seine langjährige Freundin verlassen und sein eigentliches Glück gleich mit.

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Die große Stärke der Aufführung liegt in der leichten Unterhaltung der Massen. Besonders durch den von Martin Schroedter dargestellten Regieassistenten gewinnt das Stück immer wieder an Schwung. Mal ist dieser gezwungen, in Frauenklamotten und Make-Up für das Szenenmädchen Lena einzuspringen, mal scheint er als einziger in der Lage, den in philosophischen Höhen abtreibenden Pausback auf den Boden der Tatsachen zu bringen.

Was die Inszenierung versäumt, sind frische Blickwinkel auf die schwer zu vereinenden Konzepte Glück und Reichtum. Dabei sind beide Themen nach wie vor aktuell, Stichwort Work-Life-Balance: Wie bringt der moderne Mensch Beruf und Freizeit optimal unter einen Hut? Studieren was einem Spaß oder doch lieber was Geld bringt?

Wer also nach einem weltverändernden Wertekompass sucht, wird in „Wie werde ich reich und glücklich?“ nicht fündig. Gute Unterhaltung mit einem ironischen Augenzwinkern bietet die Vorstellung allemal – nicht zuletzt auch durch die authentisch vermittelte Atmosphäre der „Goldenen Zwanziger“.

Text: Julia Springmann, Bilder: (c) Hans Jörg Michel (NTM)

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