Allgemein Corona

Mosaiksteine

,,Entschuldige, gilt der 70 % Rabatt auf den gesamten Einkauf oder nur auf ein Produkt?“ ,,Rabia? Erkennst du mich nicht, ich bin´s…“ So oder so ähnlich hat sich diese amüsante Begegnung einer Freundin mit ihrer Freundin im Kaufhof ereignet. Die Maskenpflicht: Auslöser von stundenlangem genervtem Seufzen, Quelle der Angst, Inspiration für Kreativität und Gabe einer besonderen Fähigkeit – in Sekundenschelle wirst du für die Öffentlichkeit anonym. Was steckt jedoch hinter diesem Stück Material, das nun ein Teil unseres Alltags ist? Ist es die mögliche Strafe von Bußgeld bei Verstoß dieser Pflicht oder der Schutz vor einer Corona – Infektion? ,,Ich lasse mir keinen Maulkorb anlegen“ – heißt es bei den Protesten gegen die Corona Maßnahmen der Bundesregierung. Na ja, ob man den Mundschutz mit einem Maulkorb vergleichen kann – fraglich. Eins ist jedoch sicher, die deutsche Bevölkerung ist von der Maskenpflicht nicht sonderlich begeistert. Liegt es in der plötzlichen Umstellung des Alltags oder schlummert in uns ein kleiner Rebell? Wir wissen, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Jede Veränderung in der Sitte, löst beim Einzelnen eine Gänsehaut aus. Dabei müsste man von Deutschland aus eigentlich 9.043 km östlich weiter schauen. In Japan sind Gesichtsmasken eine Bürgerpflicht. Hier trägt ein Japaner immer bei Infektionsgefahr eine Maske, um seine Keime nicht auf seine Mitmenschen zu übertragen und das Gebot des Zusammenlebens nicht zu verletzten. Seit der Nachkriegszeit wird die Hygiene in Japan großgeschrieben. Es sollte sich jemand trauen mit Schnupfen ohne Maske zu laufen – der wird mit bösartigen Blicken bestraft. In Japan gehört die Gesichtsmaske zur Kultur, wie die japanischen Kirschblüten. 

Vielleicht liegt es auch letztendlich an der Meckerkultur Deutschlands. Mal ist es zu kalt, mal ist es zu heiß. Mal macht die Bundesregierung zu wenig gegen Corona, mal macht die Bundesregierung zu viel. Mal sind die Maßnahmen der Universitäten nicht gut genug, mal sind diese Maßnahmen zu streng und übertrieben. Oder auch: Mimimi. Man kann es euch nie recht machen. 

Dabei wäre es eine gute Alternative, das Positive in dieser Verordnung zu sehen: Wir riechen den unangenehmen Mundgeruch von Fremden nicht mehr. Man blamiert sich nicht, wenn man einem Fremden zurück anlächelt und merkt, dass das Lächeln überhaupt nicht für einen gedacht war. Zusätzliche Pluspunkte hier für Morgenmuffel: Sie müssen früh morgens niemanden anlächeln. Die Freiheit in der Gestaltung einer Maske, hat viele Menschen kreativ motiviert. Es wurden Nähmaschinen abgestaubt und angeschaltet, Stoffe gesucht, geschnippelt und genäht. Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Ausrufe in WhatsApp – Gruppen sowie Wohnkomplexe wurden ausgesprochen – soll ich dir eine Maske nähen? Wenn das unsere Gemeinschaft nicht gestärkt hat, weiß ich auch nicht weiter. Und die selbst gemachten Masken lassen sich, im Gegensatz zu den schlichten medizinischen Masken, herrlich ansehen. Es gibt schwarze, grüne, rote mit weißen Streifen, gelbe mit lila Punkten, blaue mit weißen Blumen, Türkis mit Fruchtsymbolen und viele mehr. Farbenfroh wie Mosaiksteine und einzigartig wie jedes Individuum. Darüber hinaus betonen die Masken eure Augen. Das halbe Gesicht verdeckt, stärkt den Fokus der Mitmenschen auf deine Augen. Es gibt nichts Schöneres als einen aufmerksamen, intensiven Augenkontakt. Wie sagte Humphrey Bogart immer wieder gerne in Casablanca: ,,Schau mir in die Augen, Kleines!“ Denn die Pupillen weiten sich, wenn die verliebte Person ihren Angebeteten anschaut. Nicht umsonst sagt man, die Augen sind die Fenster der Seele. 

Letzten Endes können wir nur hoffen, dass sich die momentane Situation bald legt und alles wieder gut wird. Wer weiß, vielleicht kann man aus den vielen Masken einen Flickenteppich basteln? 

Text: Aisha Kusairy

Foto: Foto von cottonbro von Pexels

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