Kultur Musik

Mystische Klänge über den Dächern von Mannheim

Mit der Location des Doppelkonzerts von Lea Bertucci und Masayoshi Fujita hat sich das Jetztmusik Festival wieder einmal selbst übertroffen. Die Mannheimer Versicherung AG stellt im Rahmen ihres Projekts „Die Mannheimer – ein Haus der Kultur“ sozusagen ihr Dach zur Verfügung. Statt einem langweiligen Raum, den man in einem klassischen Bürogebäude eigentlich erwartet, finden wir ein gläsernes Stockwerk mit Blick über Mannheim vor.  Schon beim Betreten herrscht eine intime Stimmung, von der wir uns sofort anstecken lassen. Wir schnappen uns etwas zu trinken und machen es uns dann auch bald auf den Stühlen vor der Bühne gemütlich.

 

Dass Lea Bertucci kein Mensch der großen Reden ist wird klar, als sie aus dem Nichts mit ihrem Saxophon auftaucht und kommentarlos ihre Performance startet.  Wer allerdings so eine sympathische und besondere Ausstrahlung besitzt, benötigt keine Worte um Verbindung mit dem Publikum aufzubauen. Bertucci macht es sich zu ihrer Aufgabe, die Welt der klassischen Musik mit elektronischen Klängen auf experimenteller Weise miteinander zu verknüpfen. Hierbei treffen elektronisch erzeugte Laute auf die mächtigen Klänge des Saxophons, das der sonst eher zierlichen Frau eine enorme Kraft auf der Bühne verleiht. Während die Sonne untergeht und der Raum in ein surreales Licht getaucht wird, entführt sie uns mit ihrer dissonanten Klangwelt in eine unbekannte Sphäre. Lea Bertuccis Musik folgt keinen Regeln, sie erfindet neue. Es geht ihr hierbei nicht um Gefälligkeit, sondern sie lädt die Zuhörer ein, mit ihr die Grenzen der Musik zu erforschen.

 

„Meine Musik ist wie ein Buch dessen Sprache man nicht versteht. Man kann die Geschichte nicht komplett erfassen, aber anhand der Bilder kann man zumindest erahnen um was es geht.“

 

So beschreibt Masayoshi Fujita, der kurz darauf die Bühne betritt, seine Musik. Für den am Vibraphon ausgebildeten Fujita, ist die innovative Funktion seines Instrumentes sehr bedeutend. Ähnlich wie Bertucci will er sich von traditionellen Spieltechniken loslösen und das relativ neue Instrument auf die Probe stellen. Dabei kommen unter anderem Alufolie und Ketten zum Einsatz, die für ein einzigartiges und faszinierendes Hörerlebnis sorgen. Vor jedem Stück erklärt er in wenigen Worten, welche Szenerien ihn zu seinen jeweiligen Werken inspiriert haben. Seine Stücke handeln von Melancholie und unberührter Natur, von Liebe und Schmerz. Im Raum herrscht eine konzentrierte und andächtige Stille, einige haben die Augen geschlossen und lassen sich in eine mystische Welt entführen, die Fujita mit seiner Musik real werden lässt.

 

Obwohl beide Auftritte nicht unterschiedlicher hätten sein können, wird schnell deutlich was Lea Bertucci und Masayoshi Fujita miteinander verbindet. Beide Künstler sind experimentierfreudig und fordern die traditionelle Sicht auf Musik heraus. In Kombination mit der außergewöhnlichen Location, verlässt das Publikum den Saal mit einem ungewohnten Sehnsuchtsgefühl nach weiter Ferne.

 

Autorinnnen: Liv Nickel und Ellen Robinson

Bilder: Henninger, Forgacs & Brooklyn GbR, http://masayoshifujita.com/acoustic/

Zur Verfügung gestellt von Henninger, Forgacs & Brooklyn GbR

http://masayoshifujita.com/acoustic/

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