Kultur Musik

Public Possession und Midori Takada: so war der Jetztmusik-Freitag

Freitag. 20.04.2018. 19:17 Uhr. 24°C. Vor dem Port25 im Jungbusch steht eine ziemlich heterogene Ansammlung von Menschen und hört dem Redner im Eingang zu. Dieser bedankt sich bei der Stadt Mannheim und stellt dann das Münchner Musiklabel Public Possession vor, das im Rahmen des Jetztmusik Festivals 2018 heute hier seinen Katalog-01 präsentiert. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Grafikarbeiten der letzten Jahre. Dann Applaus, die Türe wird geöffnet und die Leute strömen in das Gebäude. Auf den ersten Blick gibt es gar nicht so viel zu gucken. Gegenüber vom Eingang steht ein DJ Pult; an der Wand rechts wurde ein geschwungener Tisch, überzogen mit knallpinkem Lack, angebracht. Darauf liegen die glänzend gelben Kataloge, bereit durchgeschmökert zu werden. Menschen zeigen auf einzelne Seiten, vergleichen, sind fasziniert, was alles in 5 Jahren musikalischen Schaffens zusammenkommen kann.

20:08 Uhr. 22°C. Langsam melden sich die Mägen und wir ziehen in Richtung Quadrate auf eine Pide, bevor es ins EinTanzHaus zum Konzert des Abends weitergeht. Die japanische Großmeisterin der Avantgarde, Percussionistin Midori Takada gibt ein Konzert. Der Saal ist schon dunkel, als wir ihn betreten und es herrscht eine gespannte Stille. In der Mitte sind die Percussioninstrumente der Musikerin nach einem Schema aufgebaut, dass wohl erst im Laufe des Konzerts verstanden werden kann. Midori Takada steht in einem silbertransparenten Überwurf am Gong und strahlt eine Erhabenheit und Ruhe aus welche mich in ihren Bann zieht. Dann nimmt die 66-jährige die Zuhörer mit auf eine Reise in eine faszinierende Klangwelt: von abstrakten Trommelschlägen mit Vocals über fast schon träumerische Melodien zum Abschweifen bis hin zu clubreifen Rhythmen. Immer wieder gibt es Momente nahezu absoluter Stille (leider dann eben doch mal gestört von herunterfallenden Heftchen, Getränken, Kuckucksuhren – an dieser Stelle würde ich ernsthaft gerne wissen, warum es gerade während eines Konzerts so schwer ist 1-2 Stunden lang still zu sitzen ohne den gesamten Inhalt seiner Tasche auszukippen?).  Etwa 1,5 Stunden lang wiederholen sich Trommelschläge, Melodien und Rhythmen und am Ende des Konzertes fühlt man sich als wäre man aus einer Hypnose erwacht. Leichte Benommenheit, Unsicherheit gegenüber dem was gerade passiert ist und ein stetig wachsendes Glücksgefühl darüber etwas Großartiges erlebt zu haben.

22:38 Uhr. 18°C. Wir verlassen das EinTanzHaus und ziehen wieder in Richtung Port25 wo Konrad Wehrmeister – ebenfalls aus München –  gerade am Mischpult  steht und ein experimentelles Dub Liveset spielt. Der Ausstellungsraum ist immer noch gut besucht, die Stimmung entspannt. BesucherInnen sitzen auf dem pinken Designstück, hören der Musik zu und blättern durch die Glanzseiten des Katalogs. Die Interdisziplinarität des Public Possession Konzepts wird dabei erlebbar umgesetzt.

23:03 Uhr. 17°C. Mit Bierchen und Mate genießen wir am Verbindungskanal die vorsommerliche Restwärme und freuen uns über den bis dahin gelungenen ersten Abend des Festivals.

0:24 Uhr. 15°C. Die letzte Station des Abends wird in Angriff genommen. Wir machen uns auf den Weg in die Kurzbar wo Marvin und Valentino von Public Possession zeigen, dass sie neben Grafik vor allem Musik können. Zwar scheinen viele den Weg in die Kurzbar anfangs nicht zu finden, doch letztendlich wird der Dancefloor doch noch voll und zu melodischem House, Disco und Gin & Tonic schwingen wir die Hüften bis die Füße am Ende doch zu müde werden.

 

Text: Ellen Fritzenschaft

Fotos: Max Langer; Henninger, Forgacs & Borlein GbR

Max Langer

Henninger, Forgacs & Borlein GbR

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