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Rezension zu „A Thing of Beauty“ von Lilian Rogart

Zwischen der Showbiz-Welt und Garten-Schilderungen, den Klängen des Alltags und dem Herunterkommen in die Natur – und der Frage, wann weniger doch mehr ist.

Charles Rice hat soeben das Staatsexamen hinter sich gebracht. Bevor ihm die Aufgabe zuteilwird, die väterliche Kanzlei zu übernehmen, möchte er erst einmal eine Auszeit einlegen, die Seele baumeln lassen und eine Weltreise bestreiten. Seine erste Etappe ist dabei das Zuhause von Frances Dean, einer ehemaligen Freundin seiner Eltern, die ein abgeschiedenes Dasein auf ihrem stattlichen Anwesen führt. Anstatt ihm abweisend gegenüberzustehen, empfängt Frances ihn herzlich und lädt Charles dazu ein, länger bei ihr zu bleiben. Beide lernen sich im Zuge seines Besuches immer besser kennen und verstehen, Charles verliebt sich Hals über Kopf in Frances´ paradiesisch anmutenden Garten und verbringt viel Zeit in diesem. Doch dann beschließt Frances, wieder in ihren alten Job im Musik-Business einzusteigen, der sie bereits die Freundschaft zu Charles´ Eltern gekostet hat. Und muss die ein oder andere Niederlage in Kauf nehmen.

Lilian Rogart versteht es, mit Wörtern Bilder zu erschaffen und Emotionen nachzuzeichnen. 

Zumindest vor meinem inneren Auge entstanden durch ihre Schilderungen mühelos plastische Bilder und ich war immer im Bilde darüber, warum die Charaktere nun dieses oder jenes Gefühl verspüren. Leider driftet die Autorin ab und an in zu erklärende Gefilde ab und beschreibt seitenlang Gegenden und überstrapaziert die Länge der philosophisch eingefärbten Gespräche, wobei der Lesefluss ins Stocken gerät. An diesen Stellen wäre weniger vermutlich mehr gewesen.

Die Handlung selbst geht gemächlich vonstatten, es geschieht weder etwas vollkommen Unerwartetes noch tun sich klaffende Logiklücken beim Voranschreiten des Plots auf. 

Der Übergang von der märchenhaften Natur hin zum wagemutigen Musik-Business erfolgt sehr plötzlich. Zumindest während des Geschehens im Musikgeschäft vergisst die Autorin nie, immer wieder Bezug auf Frances´ Garten zu nehmen, der mehr und mehr an Einzigartigkeit einzubüßen scheint je weniger sich dessen Besitzerin ihm widmet. Das ganze menschliche Drumherum wird gut zur Geltung gebracht. 

Über den Erzähler Charles erfährt man im Laufe der Handlung immer weniger. 

Je mehr das Buch voranschreitet, desto passiver wird er als Person dem Geschehen gegenüber und desto distanzierter wird der Erzählstil eingefärbt. Frances´ Charakter, der von Willensstärke, Zielgerichtetheit und einer unaufhaltsamen Kämpfernatur geprägt ist, wird wiederum einiges an Zeit eingeräumt und ihre unzähligen Facetten werden gut zur Geltung gebracht. Beide Protagonisten sind auf ihre Art gut in das Handlungsgerüst eingearbeitet. Demgegenüber bleiben die Nebencharaktere nicht wirklich im Gedächtnis, seien es nun Charles´ Eltern, Frances´ Familie oder die Leute aus dem „Sex. Drugs and Rock ´n Roll“-Geschäft. Zwar ist jeder Charakter mit einem Merkmal zur Identifikation oder mehreren ausgezeichnet, doch keiner stellt sich wirklich für Lange ins erzählerische Rampenlicht und erhascht somit einen bleibenden Eindruck. 

Sowohl der Garten als auch das Musik-Business sind metaphorisch so weit überhöht und vermenschlicht, dass man sie bereits ins Figurentableau einordnen kann

Während der Natur Sanftheit, Ausgeglichenheit und Schönheit als prägende Eigenschaften zugeteilt werden, wohnt der Welt der Töne und Klänge das Hektische, Schnelllebige und im Hier und Jetzt Verwurzelte inne.

Der Zwiespalt, der sich aus dem Leben in diesen beiden unterschiedlichen Welten ergibt, wird bereits durch das Cover angeschnitten. 

Aus den Knospen der Blumen, die für den Garten stehen, dringen unzählige Noten, die dem Musikgeschäft zuzuordnen sind. Mit Ausnahme davon ist das Cover relativ schlicht vom Design und der Farbgebung gehalten, allein die Überschrift weist eine andere Schriftart auf.

Abschließend lässt sich sagen, dass es „A Thing of Beauty“ gut gelingt, den Leser*innen das mitzuteilen, was der Autorin während des Schreibprozesses womöglich im Kopf herumgegeistert ist. Ebenso schafft es Lilian Rogart, das ganze Geschehen in die richtigen Worte zu kleiden und angemessen zu bebildern. Dabei schlägt sie aber nicht selten erzählerisch über die Strenge. Manchmal wäre es vom Vorteil gewesen, zu einer Knappheit beim Erzählen zu tendieren.

Lilian Rogart: A Thing of Beauty. Roman.
Phantom Verlag. 2019.
246 Seiten. 20,00 EUR.
ISBN: 978-3927447080

Text: Stefan Lautenschläger

Foto: Phantom Verlag

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