Kultur Theater

Soup Surprise-Trump it up

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Bei der Soup Surprise im Werkhaus Casino des NTM wurde am vergangenen Mittwoch der Trump-Strategie bei leckerer Suppe und entspannter Baratmosphäre nachgegangen. Welche Lacher und vor allem welche Überraschungssuppe es gab, erfahrt ihr im Artikel.

Die Soup Surprise ist bereits bei der dritten Spielzeit des Nationaltheaters Mannheim dabei. Unterschiedlichste Themen werden von Darstellern oder auch Mitarbeitern, die man normalerweise nur hinter der Bühne findet, auf den Tisch gebracht. In gemütlicher Atmosphäre des Werkhauses Casino werden diese dem Besucher durch Satire und komödiantische Züge nähergebracht.

Am Abend des 29. März dreht sich alles um das Thema Trump. Eine umfangreiche Einweisung zu der Veranstaltung gab das Nationaltheater auf seiner Website ausnahmsweise einmal nicht. Auch die etwa 30 Besucher, die den kneipenhaften Raum komplett einnehmen, müssen sich zuerst orientieren. Doch die Bar, die typische Specials wie den „Mexikaner“ anbietet, den man fast überall im Jungbusch findet, stürmen die Leute sofort. Auf kleinen Caféstühlen beäuge ich zuerst meine eng neben mir sitzenden Nachbarn und die mit alten Werbe – und Vorstellungsplakaten tapezierte Decke. Alles wirkt urig und original. Gäbe es diese Kneipe im Jungbusch, wüsste ich, wo ich jeden Donnerstagabend wäre. Es wird kuschelig, man rückt zusammen und kommt schnell mit den Anderen ins Gespräch. Die beiden Darsteller des Abends betreten ganz locker und unspektakulär die Bühne. Diese besteht schlicht aus einem kleinen Podest in der Ecke, mit Leinwand im Hintergrund, zwei roten Stühlen und kleinem Cafétisch. USA-Deko darf natürlich nicht fehlen. Ein paar Luftballons, kleine Flaggenfähnchen und eine USA-Flagge als Tischdecke gibt es, passend zum Thema, auch. Aber alles eher im Low-budget-style. Für Besucher, die kein gutes Englisch sprechen, soll dieser Abend natürlich nicht ins Wasser fallen. Die beiden erklären sich gerne bereit, entsprechende englische Passagen spontan zu übersetzen. Durch verschiedene Ansätze und Blickwinkel möchten sie den Zuschauern näherbringen, wie ein Politiker wie Donald Trump Präsident werden konnte. Im ersten Teil des Abends dreht sich alles um den Politiker – fürs Erste. Es wird allerdings nicht einfach oberflächig über Trump gehetzt. Dahinter steckt Konzept. Die Konstruktion der Wahrheit oder auch der Realität wird hier als Hauptstrategie Trumps identifiziert. Kurz runtergebrochen ist die Quintessenz davon, dass er die Schlagzeilen und Nachrichten der Medien, nicht nur inhaltlich, sogar wortwörtlich in seinen Reden, Tweets, Interviews etc. einbaut. Dadurch greift er die Nachricht, die von unten, vom Volk, zu ihm kommt auf, um sie diesem dann wieder zurück zu werfen. Er füttert das Volk mit seinen eigenen Überzeugungen. Dadurch scheint Trump für die Bürger der erste Präsident zu sein, der endlich die Wahrheit sagt, obwohl er den Leuten einfach nur ihre eigens konstruierte Realität bestätigt. Auch seine zahlreichen Lügen haben an diesem Abend kurze Beine. Das Duo zeigt einige Beispiele für offensichtliche Trump-Lügen und spielt dazu passende TV-Auftritte, Interviews und Tweets von Trump ab, die schon alleine für einige Lacher sorgen. Sie entlarven Trumps Vorgehen als „Politik ohne Fakten“. Professionelle Recherche und Vorbereitung durch Mitarbeiter des Weißen Hauses? Fehlanzeige! Auch witzige Vergleiche mit anderen Politikern bleiben nicht aus; zum Beispiel wird der Prozentsatz der Lügen Obamas in seiner Legislaturperiode mit dessen Trumps verglichen. Man kann sich vorstellen, dass diese Gegenüberstellung sehr kontrastreich ausfällt. Auch unsere Angi bekommt ihr Fett weg. Zum krönenden Abschluss des ersten Teils wird Trumps Auftreten in seiner TV-Show „The Apprentice“ mit der Moderation von Germany`s Next Topmodel durch Angela Merkel verglichen. In der Pause dann warten gleich mehrere Überraschungen auf mich. Erstens: Es gibt tatsächlich eine Überraschungssuppe! Und zweitens: Ausgerechnet die Eltern des zweiten Darstellers Fabian Raabe sind meine Tischnachbarn. Sofort beginnt jeder mit jedem über verschiedenste Themen zu plaudern. Es wird sich vorgestellt, über Persönliches geredet und auch ein politisches Gespräch begonnen. Während ich meine leckere Kürbissuppe löffele, unterhalte ich mich mit dem Ehepaar über die Show ihres Sohnes, woher sie kommen, welche Ansichten sie haben. Im Gegenzug werde ich an diesem Abend auch ausgefragt und der Spieß wird herumgedreht. Gesättigt und guter Laune wird die Pause plötzlich von einem positiv gestimmten, lauten David Müller gesprengt. Er kündigt mit großem Getobe den Spitzenpolitiker und Kanzlerkandidaten „Fabian Raabe“ an. Dieser erscheint im Anzug und mit Basecap unglaublich arrogant und siegessicher, setzt sich breitbeinig und überlegen auf den Stuhl. Um was geht es jetzt, fragt man sich. Kompletter Programmwechsel. Auf Trump schimpfen kann ja jeder. Mit dem Finger auf andere zeigen ist ja einfach. Die beiden stellen dar, dass zu solch einer Präsidentschaftswahl immer zwei gehören. Der Kandidat und der Wähler. Nun könnte man natürlich über die US-Bürger schimpfen. Auch dem nehmen die Beiden den Wind aus den Segeln. Sie zeigen, dass so etwas wie in den USA, jederzeit auch in Deutschland passieren kann. Das Ganze nennen sie scherzhaft den „Raabe-Effekt“, der auch leicht auf andere Politiker übertragen werden kann. Im Voraus haben die Zwei ein wenig Dokumentationsarbeit betrieben, die sie wieder durch Videos auf der Leinwand präsentieren. Erst einmal wird Raabes unangenehme Persönlichkeit bei seiner ganz privaten Wahlkampfvorbereitung im Hinterkämmerchen gezeigt, was so viel heißen soll wie: Ja Leute, die Politiker sind nicht alle so nett, wie sie vor der Kamera tun. Das sind auch nur Menschen, die ein Ziel verfolgen. Nachdem ich einige Male über Kanzlerkandidaten schmunzeln durfte, muss ich mir nun an die eigene Nase fassen. Denn David Müller tarnt sich als Journalist des „Rhein-Neckar-Television“ und interviewt Passanten an verschiedensten Orten in Mannheim zu der einfachen Frage, was sie von dem Parteivorsitzenden der NTM – Nationale Traditionale Mannheim, wie er sie nennt – halten. Die Reaktionen schockierend. Viele behaupten sie finden ihn gut, andere sogar mit ausführlicher Begründung weshalb nicht. Menschen, die ihn nicht kennen, plappern dann aber doch schnell das nach, was ihnen der vermeintliche Journalist in den Mund legt. Ein Passant legt dann aber noch eine ordentliche Schippe drauf und bringt alle richtig zum Lachen. Er kennt natürlich Fabian Raabe, aber von Donald Trump habe er noch nie etwas gehört. Das ist ja alles noch ganz amüsant mit bitterem Beigeschmack. Eine Sequenz finde ich dann aber plötzlich nicht mehr so lustig und ich werde in meinem Stuhl nach und nach immer kleiner. Es sind die Interviews mit den Studierenden. Manche kenne ich sogar persönlich, man hat viele schon einmal an der Universität herumlaufen sehen. Direkt auf dem Ehrenhof spricht Raabe diese in seiner Rolle als Politiker an. Sie sollen ganz einfach in die Kamera blicken und ins Mikrofon sagen „Fabian Raabe ist super“ und sich somit zum Werbegesicht machen lassen. Dass viele Studierende darauf ohne großartig Nachzudenken oder Nachzuhaken eingegangen sind, hat mich dann ebenfalls, wie die anderen Besuchern schon vorher, schockiert. Man könnte ja nun auch sagen, sie hätten den Spaß verstanden und gesehen, dass alles nur ein Fake ist. Antworten wie „Die 5%-Hürde packen sie locker“ beweisen das Gegenteil. Eine Studentin geht sogar so weit, dass sie sich ihren Koffer von Raabe über den Ehrenhof tragen lässt im Tausch gegen den Werbespruch.  Die Nachricht, dass wirklich jede Gesellschaftsgruppe betroffen ist, drang nun auch bei mir endgültig und nachhaltig ein. Natürlich ist Trump an sich schon ein Problem. Allerdings sind auch teilweise die Wähler ein Teil dieses Problems. Viele schlucken einfach alles, was ihnen erzählt wird. Gerade aufgrund dieses ernsten Hintergrundes der Show, der neben reichlichen Witzen und Lachern hängen bleibt, bin ich begeistert von der Soup Surprise. Tolles Konzept, coole Umsetzung und großer Effekt.

Text: Alischa Thomas

Bild: Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America (Donald Trump) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

 

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