Campusleben

StuPa, AStA und VS – die studentische Selbstverwaltung im Überblick

Die nächsten Wahlen der Verfassten Studierendenschaft stehen bald an. Damit wir wissen, wofür wir unsere Kreuze machen, haben wir uns die Zusammenhänge der Hochschulpolitik und der studentischen Selbstverwaltung mal genauer angeschaut.

Wie ist die Universität politisch organisiert?

Die Organisation einer Hochschule lässt sich zunächst in die akademische und die studentische Selbstverwaltung aufteilen. In der studentischen Selbstverwaltung werden die hochschulpolitischen Angelegenheiten durch die Studierenden selbst geregelt. Die wichtigsten Organe sind hierbei das Studierendenparlament (StuPa), der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), die Fachschaften, die Fachbereichsvertretungen und der Fachschaftsrat. Die Gesamtheit der immatrikulierten Studierenden der Universität Mannheim bilden die Verfasste Studierendenschaft (VS) und Studierende einer Fakultät jeweils eine Fachschaft. Entsprechend der fünf Fakultäten gibt es auch fünf Fachschaften. Jeder Studierende wird durch seinen Studiengang zusätzlich einem Fachbereich zugeordnet. Insgesamt gibt es zehn verschiedene Fachbereiche. Sowohl die Fachschaften als auch die Fachbereichsvertretungen kümmern sich um die Belange der Studierenden der jeweiligen Fakultäten und Fachbereiche.
Auch in der akademischen Selbstverwaltung sind studentische Vertreter vorhanden – drei Studierende werden jedes Jahr von der Verfassten Studierendenschaft in den Senat gewählt. Dort werden unter anderem die Prorektoren gewählt, der Haushaltsplan der Universität besprochen und grundlegende Richtungsentscheidungen getroffen. Fünf weitere Studierendenvertreter werden von der Fachschaftsvertretung in den jeweiligen Fakultätsrat entsendet, in dem über grundsätzliche Angelegenheiten der fünf Fakultäten entschieden wird.

Wen und was wir wählen

stupa
Einmal im Jahr wählen wir, das heißt die Verfasste Studierendenschaft, das Studierendenparlament, sechs Vertreter unserer jeweiligen Fachbereiche und drei Studierende, die im Senat vertreten sind. Das StuPa, das legislative Organ der studentischen Selbstverwaltung, besteht aus insgesamt 23 VertreterInnen, die wiederum den sechs politischen Hochschulgruppen angehören. Derzeit sind Die LISTE für Individualethik, Studium, Tierliebe und Eschatologie, die Juso Mannheim, die grün-alternative hochschulgruppe (gahg), der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), die Liberale Hochschulgruppe (LHG) und die Soziale Liste im StuPa vertreten. Eine Koalition aus Jusos, Die LISTE und der gahg stellt momentan mit 14 von 23 Sitzen die Mehrheit. Das StuPa trifft sich mindestens dreimal im Semester zu Sitzungen, die in der Regel hochschulöffentlich sind. Nach jeder Wahl wählt es die vier bis neun Mitglieder des AStA, welcher das exekutive Organ der Studierendenschaft darstellt. Zwei Personen bilden den Vorstand. Im Anschluss werden bis zu sieben weitere Referenten vom AStA bestimmt, welche dann beispielsweise das Finanzreferat oder das Referat für Hochschulpolitik und Gesellschaft leiten.

Die junge Geschichte der Verfassten Studierendenschaft

Die Hochschulpolitik und insbesondere die studentische Selbstverwaltung in Baden-Württemberg haben eine bewegte Vergangenheit. So wurde die Verfasste Studierendenschaft 1977 von der damaligen Landesregierung abgeschafft, mit der Begründung, sie sei zu linksgerichtet. Erst 2011 wurde sie im Zuge des Regierungswechsels in Baden-Württemberg wieder eingeführt. Davor gab es an den Universitäten zwar einen Allgemeinen Studierendenausschuss, dieser hatte aber kein politisches Mandat und war lediglich auf universitätsinterner Ebene für die Belange der Studierenden zuständig.

Die alte „neue“ Verfasste Studierendenschaft

Durch die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaft an den baden-württembergischen Hochschulen haben sich für den AStA neue Möglichkeiten aufgetan, aber auch viele zusätzliche Aufgaben ergeben. So musste eine Satzung niedergeschrieben werden, in der die Bestimmungen und der Aufbau der Verfassten Studierendenschaft festgehalten ist. Die Studierendenvertretung ist jetzt finanziell und politisch unabhängig von der Universität aber gleichzeitig fester in die hochschulpolitischen Angelegenheiten eingebunden – was vorher nur der studentischen Vertretung im Senat vorbehalten war. Der AStA vertritt die Studierenden nun universitätsintern, aber auch auf Landes- und Bundesebene. Seit dem Frühjahrssemester 2014 erheben die baden-württembergischen AStAs einen Beitrag, den jeder Studierende zusammen mit dem generellen Semesterbeitrag bezahlt; an der Universität Mannheim beträgt er zurzeit 5,85 Euro. Bei rund 12.000 Studierenden kommt so eine Summe von etwa 70.200 Euro zusammen. Der AStA erstellt über dieses Geld und sonstige Einnahmen einen Haushaltsplan und legt ihn dem StuPa vor, der ihn dann beschließt. Am Ende seiner Amtszeit muss der AStA dem StuPa Rechenschaft ablegen, insbesondere über die Einnahmen und Ausgaben der Studierendenschaft sowie über seine generelle Arbeit. Der genaue Haushaltsplan kann auf der Webseite des AStA eingesehen werden.

Und wofür wird der AStA-Beitrag verwendet?

Mit dem AStA-Beitrag finanziert der Allgemeine Studierendenausschuss unter anderem das Service-Angebot für Studierende. So organisiert er Sportturniere und Feten und betreibt eine eigene Fahrradwerkstatt. Außerdem erscheint jeden Monat die Studierendenzeitschrift bAStA. Auch den Fachschaften werden Mittel aus dem Haushalt der VS zur Verfügung gestellt. Eine weitere wichtige Aufgabe des AStA ist die rechtliche Vertretung der Studierenden. Derzeit verhandelt die Studierendenvertretung beispielsweise mit dem Rhein-Neckar Verbund (VRN) über die Konditionen des Semestertickets und trägt hierbei die rechtliche Verantwortung. Sie arbeiten in diesem Prozess eng mit den AStAs anderer baden-württembergischer Hochschulen zusammen.

Text: Anne Schnadt
Grafik: Paul Ramisch

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