Sport

Training, Tore, Tufekovic – aus dem Leben einer Spitzenfußballerin

Eine kleine braune Strähne hatte sich aus ihrem Zopf gelöst als sie an den Tisch kommt. Das freundliche Lächeln der 23-Jährigen steckt sofort an. Martina Tufekovic trägt einen grau melierten Pullover, ein Tribut an den verregneten Sommertag und schiebt ihren Stuhl möglichst nah an den Tisch. Heute ist einer der kältesten Tage des Sommers, aber der gebürtigen Heilbronnerin vergeht das Lächeln nicht.

Ihr Blick fällt auf die mitgebrachte Zeitung- die Mittwochsausgabe- und sie neigt leicht den Kopf um die Überschriften lesen zu können. „Bei unseren Männern läufts momentan echt gut!“. Sie hat recht, in der deutschen Fußballlandschaft läuft aus männlicher Sicht alles mehr als gut. U21 Europameister, Confedcupsieger und der Weltmeistertitel ist auch noch aktuell. Die Torhüterin des Bundesligavereins TSG 1899 Hoffenheim schaut über den Tisch hinweg. Zwinkernd erzählt sie weiter: „Aber wir Frauen brauchen uns da nicht zu verstecken vor denen, unsere Frauen-Nationalmannschaft hat ja eigentlich schon viel mehr erreicht als die Männer.“ Auf die Frage weshalb dem Männerfußball trotz alle dem immer noch mehr Prestige entgegen kommt, wird Martina aufgeregter. „Wieso verdienen Frauen immer noch weniger im Fußball? Wieso müssen Frauen denn nebenher noch arbeiten? Wieso müssen wir 30km mit dem Zug zur Trainingsstätte fahren? Als ich noch kein Auto hatte musste ich jeden Tag ’ne Stunde Zugfahren um mit dem Team trainieren zu können – Ich würd mir allgemein einfach wünschen, dass mehr über den Frauenfussball in der Zeitung kommt und auch im Fernsehen.“ Etwas skeptisch blickt sie in die fast leere Espressotasse in ihrer Hand. „Wir müssen auch jeden Tag ins Training.“ Die größten Unterschiede zwischen dem Frauen- und dem Männerfußball liegen für die 37-malige Bundesligaspielerin, neben der öffentlichen Aufmerksamkeit, vor allem in den körperlichen Fähigkeiten und der Organisation. „Was die Jungs an einem Tag lernen und trainieren, müssen wir halt in zwei Stunden hinbekommen. Ist doch klar, dass wir Frauen da immer ein Schritt hintendran sind.“ Technisch sind die Männer demnach auch etwas überlegen, gibt die in Obereisesheim lebende Spielerin zu. Besonders in puncto Schnelligkeit seien Frauen einfach naturgemäß etwas benachteiligt. Dem Spielfluss und der Spannung tut dies jedoch keinen Abbruch. Denn eben gerade diese schnelleren Spiele gegen die hochrangigsten Mannschaften, wie dem FC Bayern München oder dem VfL Wolfsburg, haben es der Nummer Eins im Tor der Kraichgauer angetan. „Grad die Mannschaften die so viel aufs Tor schießen find ich echt geil! Weil du einfach die ganze Zeit unter Beschuss und unter Druck bist und deine besten Leistungen zeigen musst – einfach dass du die ganze Zeit unter Adrenalin stehst.“

Seit sieben Jahren ist die Tochter kroatischer Eltern nun fest im Kader der TSG-Frauen. Angefangen in der U17-Mannschaft arbeitete sie sich immer weiter aufwärts und seit dem Aufstieg vor vier Jahren ist Martina Tufekovic endgültig in der obersten deutschen Fußballliga angekommen. Für die neue Spielzeit ab September hat sich die Mitarbeiterin des Sanitätshauses adViva bereits jetzt schon eine Menge vorgenommen. Die starke Konstanz der letzten Saison möchte sie aufrechterhalten und endlich auch einmal einen der „Großen“ besiegen. Denn während es anderen Torhütern und Torhüterinnen angesichts solcher großen Namen eher bange werden würde, lächelt Martina nur verschmitzt und zieht leicht die Nase kraus. Genau diese prestigeträchtigen Spiele sind es, für die sie Fußball spielt und für die sie lebt.

Autorin: Lena Knecht

Foto: Pixabay

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