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Verzicht: Whatsapp

Am 02. März 2019 habe ich WhatsApp von meinem Handy gelöscht. Ich hatte das schon länger vorgehabt und an jenem Tag war der spontane Impuls da, diesen Zopf endlich abzuschneiden. Ich habe noch eine kleine erklärende Abschiedsnotiz an ausgewählte Kontakte geschrieben und dann das Unvermeidliche vollzogen. Es war im guten Sinne aufregend.

Warum habe ich das getan? Zunächst einmal nicht für diesen Artikel sondern privat aus freien Stücken. Politisch stehe ich der Datensammelwut großer Konzerne kritisch gegenüber. WhatsApp gehört Facebook und ist kostenfrei. Es muss also auf andere Weise Profit erbringen, beziehungsweise die Nutzer bezahlen mit etwas anderem als Geld. Ich bezahle lieber mit Geld.

Persönlich hat mein WhatsApp-Gebrauch ungebührlich viel meiner geistigen Kapazität in Anspruch genommen. Seit Beginn meines Studiums war ich in zwei Gruppenchats. Aus meiner Studiums-Jahrgangsgruppe bin ich bald wieder ausgetreten, weil mich nahezu alles, was dort besprochen wurde, nicht betraf oder interessierte. Dieser Anteil war in der Fachschaftsgruppe niedriger, aber dennoch beträchtlich. Zumal wir wöchentlich die Sitzungsprotokolle per Mail erhalten. Der sich ständig wiederholende Prozess der milden Erregung bei Erhalt einer Nachricht gefolgt von der Enttäuschung über deren Belanglosigkeit war erschöpfend.

Außerdem habe ich mich oft dabei ertappt, mein Handy auf neue Nachrichten hin zu checken, obwohl ich keine erwartete. Nur für den Fall. Und sieh an: Es waren auch keine da. Oder Gruppenchat-Nachrichten, noch schlimmer. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich kaum intensive WhatsApp-Kontakte hatte und viele marginale Bekanntschaften. Meine Chat-Liste war voll mit obsoleten Threads aus der Vergangenheit und Leuten, mit denen ich nie groß über Smalltalk hinausgekommen bin. Ob das mein Gefühl von Einsamkeit erst erzeugt oder verstärkt hat, weiß ich nicht. Jedenfalls hat es meine Lebensqualität nicht verbessert.

Und wie ist es so ohne? Mit Familie und guten Freunden habe ich schon vorher anders kommuniziert, auch weil in meiner Filterblase natürlich überproportional viele ähnlich WhatsApp-ferne Leute wie ich verkehren. Ich benutze Signal, Threema, E-Mail und natürlich SMS. Es hat mir anfangs großes Vergnügen bereitet, Leute auch einfach mal anzurufen, um zu fragen, wo sie bleiben. Ich verpasse kaum wichtige organisatorische Infos, auch weil Leute Rücksicht auf mich nehmen. An dieser Stelle vielen Dank an Nina! Andererseits dürfte die Menge an unwichtigen organisatorischen Infos und sonstigem Nachrichten-Abraum, von denen ich nicht mal erfahre, immens sein.

Und das fühlt sich gut an. Ich bin vielleicht, was Textnachrichten betrifft, Hardcore-Minimalist. Messenger-Apps sind für mich ein Werkzeug zur effizienten Informations-Übertragung, nicht für Diskussionen oder zwischenmenschlichen Kontakt. Den bevorzuge ich persönlich, wenigstens per Telefon. Und die Kommunikation, die ich über Textnachrichten abwickle, fühlt sich seit meinem WhatsApp-Abschied – so pathetisch das klingen mag – wahrhaftiger an. Wenn bei mir irgendwo eine Benachrichtigung aufploppt, dann ist das ein Mensch, der mir etwas bedeutet, eine wichtige Info, beides in einem – oder ein nigerianischer Prinz.

Text & Verzicht: Felix Dunker

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