Campusleben

Wahlkampfwahnsinn

Am Mittwochabend lud der AStA zur Podiumsdiskussion mit den Spitzenkandidaten der Hochschulpolitischen Gruppen – das UniMAgazin war für Euch dabei!

Trotz parallel stattfindenden Topvorträgen war die Diskussion gut besucht, sodass alle Plätze im kleinen Raum besetzt waren und einige Zuhörer sogar stehen mussten. Allerdings waren ca. 2/3 der Zuhörer selbst Mitglieder einer der auf dem Podium vertretenen Hochschulgruppen. Die Stimmung war ausgelassen – nebenbei wurde gesnackt und Bierchen getrunken.
Umso erstaunlicher, wie vehement und teilweise verbittert sich die unterschiedlichen Hochschulgruppen gegenüberstanden, wie sich im Laufe der Diskussion durch Zwischenrufe aus dem Publikum und der abschließenden Fragerunde zeigte.

Die Runde setzte sich aus den 6 Spitzenkandidaten Carl Lakos (Jusos), Jan Seeberger (RCDS), Elena Klafsky (gahg), Benedikt Wichtlhuber (die LISTE), Domenico Burkhart (LHG), Leonhard Schwinn (BNOCs) und dem Moderator Simon Krause zusammen.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden die Themen Bibliotheksöffnungszeiten, die Beschaffung finanzieller Drittmittel, die an AStA Mitglieder gezahlten Aufwandsentschädigungen, sowie VRNnextBike eineinhalb Stunden lang diskutiert. Im Anschluss konnten die Zuhörer Fragen stellen.

Angeführt wird das StuPa zur Zeit von Jusos, gahg und der LISTE. Ändern wollen das der RCDS und die LHG. Zusammen mit der Sozialen Liste bilden sie derzeit die Opposition. Die Soziale Liste wird dieses Semester nicht erneut antreten und schickte auch keinen Teilnehmer in die Runde.

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Neu auf der hochschulpolitischen Bühne sind dagegen die BNOCs. Ursprünglich eine Studenteninitiative, sind sie bis jetzt durch die Veranstaltung von Fußballturnieren oder Partys aufgefallen. Mit Forderungen nach „mehr Dönerseminaren“, “Bizepsuntergrenzen“ oder „mehr Möpsen an der Uni“ wollen sie nun ins StuPa einziehen – komisch, denn eine Satire-LISTE gibt es doch schon!
Am Ende bleiben die BNOCs eine Mischung aus Klamauk und schwach vorgetragenen Inhalten. In der Diskussion bleibt Leonhard eher passiv, das Wahlprogramm gibt nicht viel her.
Auch Benedikt, dem Spitzenkandidaten der LISTE, gelingt es nicht den Humor der Flyer und Wahlplakate in die Diskussion zu tragen, was das Zuhören ziemlich mühsam macht. Seine Aussagen finden meistens nur die eigenen Mitglieder lustig. Inhaltliches von Seiten der LISTE gibt es an diesem Abend nicht. Lediglich einmal gelingt es Moderator Simon, der über den ganzen Abend das Ruder in der Hand behielt und zwischen den verschiedenen inhaltlichen Positionen gut vermittelte, Benedikt zu entlocken, dass AStA-Mitglieder der LISTE derzeit die rechtlichen Grundlagen einer Klage gegen die Anwesenheitspflicht prüfen.

„Gucken was so geht“

Zu Beginn der Diskussion wiess AStA-Vorsitzender Carl von den Jusos auf den Verhandlungserfolg des AStAs mit der Universitätsleitung hin: Anders als die Uni ursprünglich geplant hatte, bleibt die Bibliothek bis 22:30 offen. Seit dem Wegfall der Studiengebühren werden die sogenannten „Qualitätssicherungsmittel“ vom Land an die Universitäten gezahlt. Über einen Teil darf ein Gremium unter Beteiligung von AStA-Mitgliedern entscheiden. So konnte mithilfe von Mitteln aus dem letzten Jahr eine Verkürzung der Öffnungszeiten vorerst verhindert werden, doch solche Rücklagen sind dieses Jahr nicht vorhanden.

Wie alle wissen, muss aufgrund der finanziellen Schieflage der Uni Mannheim gespart werden – mit verkürzten Öffnungszeiten ist also dennoch zu rechnen. Domenico von der LHG will deshalb prüfen, ob andere Orte, wie beispielsweise die Mensa, zum Lernen genutzt werden können – „Da muss man eben gucken was so geht“.

Klar ideologisch gefärbt war die Debatte um die finanziellen Drittmittel. Hierbei wird Privaten, vor allem Stiftungen und Unternehmen die Möglichkeit gegeben, der Universität Geld zu spenden. Der RCDS und die LHG befürworten diese Möglichkeit der Finanzierung und wollen Hemmnisse hierfür abbauen. Niemanden störe es, wenn am Eingang eines Raumes ein Firmenname stünde, so Domenico. Einzige Bedingung: Freiheit in der Lehre und maximale Transparenz bei Großspenden.

Gegenwind kam vor allem von Elena, die ihre Punkte sachlich und ohne Stocken vorbrachte und so zwar den souveränsten Eindruck unter den Teilnehmern machte, mehrmals aber auch fehlinformiert war.
Ihre Gruppe, die gahg, sieht in Drittmitteln einen „Ausverkauf“ der Uni und steht ihnen deshalb kritisch gegenüber. Geldgeber würden so mit „bestimmten Ideologien oder Inhalten“ Einfluss auf die Lehre nehmen. Besonders BWL und VWL seien sehr neoliberal geprägt. Falsch ist das sicher nicht. Dass der Grund hierfür aber vor allem im wirtschaftlichen Profil der Uni Mannheim und ihrer Vergangenheit als Handelshochschule zu suchen ist, scheint allerdings wahrscheinlicher.
Falsch hingegen war ihr Hinweis auf eine BASF-Großspende, die zunächst als zweckungebunden galt und anschließend doch für einen BWL-Lehrstuhl ausgegeben werden sollte. In diesem Kontext stellte sie die Mutmaßung in den Raum, dass selbst nach transparenten Spenden Gegenleistungen hinter der Hand erfolgen könnten, von denen man als Student nichts mitbekäme.
Tatsächlich spendete die BASF an die Stiftung der Uni Mannheim, die anschließend das Geld zweckungebunden an die Universität weitergab. Nach Angaben der Uni hatte man in verschiedenen Fachbereichen gesucht und schließlich in der BWL den besten Mann verpflichten können. [UniMAgazin vom HWS 15/16 – Interview mit Rektor von Thadden]
Einzig Carl von den Jusos warf ein, dass die Beschaffung von Drittmitteln ohnehin nicht Aufgabe der Verfassten Studierendenschaft [VS] sei, schloss sich aber auch der Forderung nach maximaler Transparenz an.

„Aufwandsentschädigungszahlungen“ oder Gehälter

Das im Vorfeld wohl am kontroversesten diskutierte Thema, waren die „Aufwandsentschädigungszahlungen“ des AStA an seine Mitglieder. RCDS und LHG hatten diese im Vorfeld als AStA-Gehälter bezeichnet und wollen sie im Falle einer Mehrheit abschaffen.
Die Zahlungen seien „unverschämt“, so Jan vom RCDS. Nahezu jeder Student engagiere sich in einer Initiative, nur der AStA zahle sich selbst Gehälter aus. Ähnlich argumentierte die LHG.
Carl hingegen wandte ein, dass ein AStA-Amt zeitlich sehr fordernd sei. Zeit für einen Nebenjob bliebe nicht, er selbst habe in diesem Zuge seinen Werkstudentenjob in Frankfurt aufgeben müssen. Ohne die Ausgleichszahlungen würden also sozialschwache Studenten benachteiligt werden.
Spannend war die Aussage von Elena, die als einzige Diskutantin die Aufwandsentschädigung für nicht ausreichend hielt! In diesem Punkt sei man innerhalb der gahg aber uneinig.
Ob man bei der Wahl der gahg indirekt für eine Erhöhung der studentischen Beitragszahlungen stimmt, um so noch höhere Entschädigungszahlungen zu finanzieren, blieb offen.

Ein weiteres Wahlkampfthema war das Großprojekt des AStA: die Solidarfinanzierung von VRNnextBike durch die AStA-Beiträge. Die Kooperation der VS mit VRNnextBike ermöglicht es jedem Studenten den Fahrradsharingservice des VRN für Fahrten unter 30 Minuten kostenlos zu nutzen. Durch die Kooperation hat die VS die Infrastruktur an der Uni nachhaltig und umweltfreundlich ausbauen können. Zudem übt die vermehrte Fahrradnutzung Druck auf die Stadt Mannheim aus, wie der Ausbau der Radwege auf der Bismarckstraße zeigt.
Aufgrund der Nutzerzahl von ca. 900 Nutzer und verursacht das Projekt derzeit Mehrkosten in Höhe von 19.000 Euro. Die LHG hatte das Projekt deshalb im Vorfeld als „Verschwendung“ und „Subvention von Wenigen“ kritisiert und spricht sich als einzige Hochschulgruppe dagegen aus.
Carl (Jusos) hingegen argumentierte, dass das Projekt allen zugute käme, sobald der Break-Even-Point von rund 1100 Nutzern erreicht sei und man mehr Zeit bis zur Beurteilung geben müsse.

Die persönliche Bewertung des Projekts läuft letzten Endes auf die allgemeine und normative Frage hinaus, ob Großprojekte dieser Art aus Gemeinschaftsbeiträgen finanziert werden sollen oder nicht.

Auch der RCDS begrüßt das Projekt, kritisierte aber, dass nicht durch eine Urabstimmung alle Studenten miteinbezogen wurden. Jan forderte „mehr direkte Demokratie“ zu wagen.

Portal2, TOEFL & Livestreams

Der Forderung von Jusos und gahg nach Verlängerung der Regelstudienzeit, sowie einer Frauenquote unter den Professoren standen RCDS, LHG und BNOCs ablehnend gegenüber. Kurze Momente der Einigkeit gab es lediglich bei der Ablehnung der Anwesenheitspflicht und der neuen Attestregelung.

Drei Forderungen bleiben am Ende als wirklich innovativ in Erinnerung:

Für einen ständigen Ausbau und die Vereinfachung des Portal2 machte sich der RCDS stark. Außerdem soll man in Zukunft auch per Handy problemlos auf das Portal2 zugreifen können.

Die gahg fordert den TOEFL-Tests als Zulassungsbeschränkung abzuschaffen.
Für einige Bachlor- und Masterstudiengänge fordert die Universität derzeit einen Nachweis über einen abgelegten TOEFL-Tests – unabhängig davon, ob ein Aufenthalt im angelsächsischen Sprachraum geplant ist oder nicht.
Durch seine hohen Kosten würde der Test finanziell schwächere Studenten strukturell benachteiligen, so Elena. Auch in bilateralen Abkommen mit Austauschuniversitäten soll sich die Uni Mannheim dafür stark machen, dass TOEFL-Zertifikate nicht mehr als Zulassungsvoraussetzung gefordert werden.

Vorlesungslivestreams fordert die LHG. Was an anderen Unis schon lange Standard ist, soll es nun auch in Mannheim geben, wenn es nach Domenico und der LHG geht. Durch Übertragung der Vorlesung via Livestream, sollen Studenten die Möglichkeit haben Vorlesungen verfolgen zu können ohne physisch anwesend sein zu müssen.
Die Tonspur wird bereits jetzt über das Mikro des Dozenten aufgezeichnet. Die Übertragung des Bildschirms sei technisch sehr leicht zu realisieren, die Kosten der zusätzlichen Netzauslastung gering.

Was die Uni wirklich weiterbringt, muss jeder selbst entscheiden. Die Podiumsdiskussion brachte eher wenige neue Kenntnisse, wenn man sich vorher bereits Flyer einzelner Gruppen durchgelesen hatte. Um sich ein abschließendes Bild von den Hochschulgruppen und ihren einzelnen Forderungen zu machen, lohnt sich ein Blick in die Wahlprogramme. Diese kann man auf der AStA-Website einsehen.

Am 19. und 20. April Wählen gehen!

Text: Ojan Schwerdtfeger
Titelbild: (c) Juso-HSG/Astrid Schwieder

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