Campusleben

Warum pendeln Studierende? 

 Für viele Studierende ist es Alltag, morgens und abends einen längeren Weg zur Uni zurücklegen zu müssen. Sie pendeln, tagein tagaus, zwischen Schlafzimmer und Seminar. Spaß bringt das keinen und man stellt sich zurecht die Frage, warum dieser Lebensstil so weit verbreitet ist.

Durch Pendeln spart man zwar Geld – aber lohnt sich das? Ein Semesterticket für unseren VRN kostet im Moment 160€. Man kommt also günstig weg, wenn man in der Gegend wohnt. Alle anderen müssen allerdings noch mit den Kosten für den nächsten Verkehrsverbund rechnen. Für sechs Monate ist man dann bei knapp 350€, eine deutlich höhere Summe. Immer noch billiger als eine Wohnung und kostengünstiger als mit dem Auto? Das stimmt, aber die Zeit, die man im Zug oder auf der Autobahn verbringt, könnte man auch anders nutzen. Ausschlafen, gemütlich aufwachen, nicht zu früh das Haus verlassen: Das alles bedeutet weniger Stress und Hektik.

Ich selbst habe diese Prozedur für ein ganzes Semester mitgemacht und bin mir mittlerweile sicher: Sowas mache ich nie wieder! Die Strecke von meinem Wohnort nach Karlsruhe mit dem Zug hat mich jeden Tag insgesamt drei Stunden gekostet. Um pünktlich in den Vorlesungen zu sitzen, die immer um acht Uhr anfingen, war frühes Aufstehen angesagt – in diesem Fall um fünf Uhr morgens. Zurück fuhr der Zug nur einmal pro Stunde, wodurch ich immer später zu Hause war, als mir lieb war.

Ich bin von A nach B und wieder zurückgefahren, weil ich mir nicht sicher war, ob dieses Studium wirklich was für mich ist und weil ich nicht schon im ersten Semester umziehen wollte.

Doch wie machen das andere Studentinnen und Studenten? Ich habe nachgefragt:

Es lohnt sich einfach nicht. Finanziell und zeitlich gesehen, weil ich nur 15 Minuten brauche“, Christina (21), Germanistik Sprache, Literatur und Medien

„Ich wohne noch bei meinen Eltern und habe keine Zeit für einen Nebenjob. Ich kann gar nicht umziehen, dafür fehlt mir das Geld!“ Lena (20), BaKuWi Anglistik

„Ich will nicht so weit weg von der Uni wohnen, und je näher man kommt, desto teurer wird es. Ich kann mir das einfach nicht leisten.“ Mario (19), BaKuWi Romanistik

„Ich komme aus Hockenheim und wohne mit meiner Freundin zusammen. Zwei Wohnungen kann ich mir einfach nicht leisten, deswegen pendle ich jeden Tag. Das kostet zwar Zeit, aber die Zeit die ich dann zu Hause bin, kann ich wenigstens mit meiner Freundin verbringen.“ Jonas (23), Unternehmensjura

„Ich bin gerade mal im zweiten Semester und weiß gar nicht, ob mir das Studium gefällt. Erstmal abwarten, eine Wohnung kann ich mir immer noch holen.“ Fiona (20), Bachelor of Education Englisch und Deutsch

„Ich habe so viele Vorlesungen und Übungen, da fehlt die Zeit für einen Job. Und ohne Moos nix los!“ Clara (20), BaKuWi Philosophie

„An meinem Wohnort habe ich meinen Job, meine Freunde, meine Familie und meinen Sportverein. Die halten mich dort. Außerdem spare ich so das Geld für eine eigene Wohnung und dass ich den Haushalt nicht alleine machen muss, hat natürlich auch Vorteile.“  Alicia (19), Bachelor of Education Englisch und Deutsch

Um jedoch genauer auf das Thema einzugehen, was die Studis dazu bewegt, zu pendeln, habe ich mich mit einer Kommilitonin zusammen in die Bahn gesetzt, um möglicherweise weitere oder ähnliche Gründe zu finden. Jessica ist 19 Jahre alt, wohnt mit ihrem Freund in Heidelberg und studiert im zweiten Semester BaKuWi Romanistik mit BWL. Sie benötigt je nach Verbindung bis zu 40 Minuten zur Uni.

Erzähl mir doch mal etwas über dich: Wieso wohnst du nicht in Mannheim?

J: Ich wohne nicht in Mannheim, da ich erst vor knapp einem Jahr in Heidelberg mit meinem Freund zusammengezogen bin. Außerdem ist Heidelberg – Mannheim eine Distanz, die mit S-Bahn und Co. gut zu bewältigen ist, abgesehen von der Dauer natürlich. (lacht) Mein Freund macht gerade seinen Meister in Mannheim, und wollte auch durch seinen Arbeitsplatz nicht umziehen. Dazu kommt noch, dass wir hier in der Region bleiben wollten, da auch unsere Familien auch hier in der Umgebung wohnen.

Würdest du dir manchmal wünschen, in Mannheim zu wohnen?

J:   Nicht wirklich. Mannheim ist zwar eine schöne und vielseitige Stadt, dennoch fühle ich mich in Heidelberg sehr wohl und wohne auch gerne hier. Klar gibt es Nachteile, gerade am späten Abend muss man nach einer guten Verbindung suchen. Manche Bahnen fahren um diese Uhrzeit oft nur noch bis Edingen, deswegen muss ich eine finden, die mich direkt nach Hause bringt, was auch lange Wartezeiten bedeuten kann. Aber die Infrastruktur ist ja gut ausgebaut und man kommt eigentlich überall ganz gut hin. Deshalb würden wir, auch wenn die Möglichkeit bestünde, nicht nach Mannheim ziehen. Wir haben ja erst unsere Wohnung in HD eingerichtet, hier gefällt es uns und ein Umzug ist ja immer mit Aufwand und Kosten verbunden.

Wie vertreibst du dir die Zeit in der Bahn?

J: In der Klausurenphase und davor lerne ich, ansonsten lese ich etwas oder höre Musik. Manchmal lausche ich aber auch den Gesprächen anderer Leute in der Bahn, das ist oft sehr lustig. (lacht)

Wie findest du die Verbindung und ärgerst du dich oft darüber?

J: Eigentlich macht mir das Pendeln nichts aus, trotzdem wäre es manchmal schön, nicht so lange zur Uni zu brauchen. Manchmal könnte die Verbindung besser sein, aber man kann ja nicht alles haben. (lacht). Ab und zu kommt es mal zu Fahrtausfällen oder großen Verspätungen. Die ärgern mich dann eben, aber ich baue mir immer genug Puffer ein, damit ich auf der sicheren Seite stehe.

Hast du schon mal etwas Witziges in der Bahn erlebt?

J: Letztens saß ich total müde in der Bahn, weil ich zum ersten Block in die Uni musste. Ich hatte meine Kopfhörer auf und hörte Musik. Während ich da so saß, halb am Einschlafen, habe ich was auf meinem Schoß gespürt. Im ersten Moment war ich total verwirrt. Als ich dann auf meinen Schoß geguckt habe, schaute ich auf den Rücken eines kleinen Hundes, der mich gerade ausgiebig beschnupperte. Er war von seiner Besitzerin, die neben mir saß, auf meinen Schoß geklettert. Das hat mir den Morgen versüßt.

Hast du hier oder in HD mehr Freunde und hast du das Gefühl, dass du was verpasst?

J: Ich würde sagen, dass ich in HD mehr Freunde habe, da ich die ja noch von der Schule und von früher kenne. Klar heißt es immer, man muss an seinem Studienort wohnen um das richtige Studentenleben nicht zu verpassen, aber das sehe ich nicht so. Wenn ich dann halt mal abends weggehe, mache ich das mit meinen Freunden aus HD, teilweise auch aus MA und habe trotzdem Spaß. Egal wo man wohnt, es kommt auf die Leute an!

Jessica ist erst nach Heidelberg umgezogen und möchte das in nächster Zeit auch nicht ändern, es ist also mehr als verständlich, dass sie jeden Tag pendelt. Viele Aussagen stimmen mit denen der anderen und meinen eigenen überein.

Es gibt also unterschiedliche Gründe zu pendeln. Den einen fehlt schlicht und ergreifend das Geld, andere haben kaum Uni und manche haben schon woanders eine Wohnung. Auch wenn man viel Zeit verliert, und es somit Vor – und Nachteile hat, ist das Pendeln nichtsdestotrotz eine der häufigsten Arten zur Uni zu kommen.

Autorin: Kira Schmidberger

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