Campusleben

Warum Wissenschaft auch spannend sein kann

Ihr kommt nach der Vorlesung heim und müsst schon wieder endlos lange Studien aus längst vergangenen Jahrzehnten mit unfassbar komplizierten Theorien lesen anstatt euch mit interessanteren Dingen, wie der neuen Staffel Game of Thrones, zu beschäftigen. Studierendenleben in seiner natürlichen Ausprägung. Soweit so gut. Doch Wissenschaft und Forschung müssen nicht immer trocken und alltagsfern sind. Glaubt ihr nicht? Hier ein paar Beispiele:

Jeder von uns hat sie schon mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gebracht: die Schulzeit. Die gemeinsamen Pausen mit Freunden sind wohl noch den meisten in Erinnerung. Doch warum waren wir mit einigen Personen befreundet und mit anderen nicht? Hierzu hat die Wissenschaft natürlich passende Antworten parat. Generell freunden wir uns eher mit Menschen des gleichen Geschlechts und ethnischen Hintergrundes, sowie aus der gleichen Klasse an. Auch wenn wir Personen schon aus der Grundschule kennen, erhöht das die Chance, Freundschaften zu knüpfen. Der Stadtteil spielt hier jedoch keine weitere Rolle; ob Lindenhof oder Neckarstadt, Freundschaft überwindet räumliche Grenzen.
Nach dem Schulabschluss stellt sich dann die Frage: Was fange ich mit meinem Leben an? Studium oder Ausbildung, soziales Jahr oder vielleicht doch erst mal ins Ausland? Und will ich Hotel Mama wirklich verlassen? Alle, die sich dann doch entschieden haben, den Schritt weg vom geliebten Kinderzimmer hin zur eigenen Bude zu wagen, können stolz auf sich sein. Gefühlt ist man am anderen Ende der Welt, doch die Zahlen sprechen da anderes. Der Median für die Distanz des ersten Auszuges liegt gerade mal bei 9,2 Kilometer Luftlinie. Zum Vergleich: vom Barockschloss bis nach Mannheim Rheinau sind es circa neun Kilometer; man müsste also gar nicht aus „Monnem“ wegziehen, um der breiten Masse zu entsprechen. Weiter weg, nämlich etwa 24,6 Kilometer, ziehen eher diejenigen, deren Bildungsgrad hoch ist. So könnte man auch nach Heidelberg ziehen, falls man jemals genug von unserer Quadratestadt haben sollte.*
Du bist aus dem schönen Ostdeutschland und fragst dich, wie diese geringen Distanzen zu Stande kommen, wenn du doch allein schon hunderte Kilometer an Weg auf dich genommen hast, um das sagenumwobene Mannheim endlich als neue Heimat begrüßen zu dürfen? Auch dafür hat die Wissenschaft eine Antwort. Vor allem ostdeutsche Frauen wollen die neuen Bundesländer verlassen, da ihre Bildungschancen in Westdeutschland besser sind. Weniger mobil sind da die ostdeutschen Herren, die ihrer Heimat lieber treu bleiben.
Doch keine Angst, nach dem Studium bleibt immer noch Zeit, die Welt zu erkunden. Mit gutbezahltem Job und festem Partner oder Partnerin fällt der Umzug doch viel leichter. Und ist die neue Heimat erst mal gefunden, kann dann auch endlich über den Nachwuchs nachgedacht werden. Deine Kollegin ist schwanger? Dann kommt der Nachwuchs wohl schneller als du denkst. Denn die Interaktion am Arbeitsplatz zwischen zwei Frauen, von denen eine Nachwuchs erwartet oder bereits bekommen hat, erhöht die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Der Grund dafür ist die Vorbildfunktion der erfahreneren Kollegin, die zeigt, wie die Kombination aus Beruf und Familie gemeistert werden kann. Besonders stark ist dieser Effekt übrigens in kleineren Firmen, die weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen.
Das ist ja alles interessant, aber dieser Statistik-Quatsch fliegt doch täglich in verschiedensten Versionen durch die sozialen Netzwerke und ist doch sowieso nur von irgendwelchen Forschern am anderen Ende der Welt untersucht worden. Denkst du? Tja, weit gefehlt, denn die Urheber dieser Studien sitzen direkt vor deiner Haustür, am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES), das in A5,6 gelegen ist. Sebastian Pink hat sein Diplom in Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg gemacht und hat danach mit seiner Arbeit am MZES begonnen. Am MZES untersucht Pink Themen, wie Fertilität, Freundschaft und Identität und veröffentlichte die hier vorgestellten Ergebnisse. Alle Forschungsergebnisse aus diesem Artikel sind in seinen wissenschaftlichen Untersuchungen entstanden.
Und nun noch einmal für alle: Wissenschaft kann also doch spannend sein!

*nicht betrachtet wurden Zivildienstleistende und Wohnheimbewohner

Text: Marie Amberg
Foto: Kenishirotie – Fotolia.com

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