Kultur Musik

What is a society if it can`t crossfade?

Wie ist es möglich mithilfe einer DJ Technik Grenzen jeglicher Art zu überwinden und soziales sowie kulturelles Andersdenken anzuregen? Josh Kun beantwortet diese Frage während eines multimedialen Vortrags bei der Veranstaltung Josh Kun- The Art of the Crossfade, welche im Rahmen des Jetzmusik Festivals am Dienstagabend in der Kurzbar stattfand.

Die Tanzfläche der Kurzbar war provisorisch mit Stühlen versehen worden und mit einem Bier in der Rechten, Zigarette in der linken Hand, konnte man sich schon vor Beginn der Veranstaltung begleitet von guter Musik auf einen interessanten Abend einstimmen. Kun ist Professor der Southern University in Kalifornien, sowie Journalist und Autor, und befasst sich hauptsächlich mit populärer Musik und Kultur. Nach einer  kurzen Begrüßung des Veranstalters tritt der sympathische Redner nach vorne. Etwa drei Viertel der Plätze sind von unterschiedlichsten Leuten in allen Altersgruppen besetzt, die Stimmung ist entspannt.

Für alle Unwissenden (so wie mich): Crossfading ist eine DJ Technik bei welcher Musik beziehungsweise zwei unterschiedliche Musikstücke mit Hilfe eines Mischpultes sozusagen ineinander überlaufen. Diese Art der Verbindung von unterschiedlichen Stücken findet überall in der populären Musik statt; was Beispiele wie Jay Z oder Justin Timberlake zeigen. Nach einer Einführung in die Geschichte des Crossfading wird auch schnell klar worin eigentlich der Zusammenhang zwischen Crossfading und kulturellen, beziehungsweise sozialen Aspekten besteht. Beim Crossfading werden Stücke miteinander verbunden um neue Formen zu schaffen jedoch ohne dabei die alte Form des Stückes zu löschen. Es ist die Kombination von bereits Existierendem zu etwas Neuem, um dabei das Fremde familiär zu machen. Voraussetzung für eine gute Verbindung ist dabei den richtigen Zeitpunkt für die Kombination zu finden, Kenntnisse der Geschichte sowie genaues und kritisches Hinhören. Doch mit dieser Technik verbindet der DJ nicht nur Leute auf der Tanzfläche und bringt Kulturen zusammen; der Crossfader ist neben einem technischen Instrument auch eine Metapher für eine neue Art sozialen Denkens. Die Frage: Wie kombiniert man Musik, sodass ein guter, neuer Mix entsteht ohne das Original zu verlieren, kann auf aktuelle Themen wie Grenzen in Europa, der Grenze zwischen der USA und Mexiko, Migration in Deutschland, die Veränderung der kulturellen Identitäten usw. übertragen werden. Wie können verschiedene Kulturen gemeinsam etwas Neues schaffen, ohne ihre Wurzeln zu verlieren?

Auch die Vortragsweise war gewissermaßen ein neuer Ansatz. Kun unterlegt seinen Vortrag immer wieder mit Musik, der Text wird fast rhythmisch vorgetragen. Mich erinnert das ganze an eine Art Poetry Slam. Nach circa einer Stunde wird der wirklich fesselnde Vortrag mit einer kurzen Diskussionsrunde beendet und der Zuhörer mit neuen Ideen im Kopf  in den Regen entlassen.

Text und Foto: Svea Seidler

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