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Wie die Welt wirklich aussieht?

In der Schule lernen wir alle eine Karte kennen. Eine Karte, in der Europa im Zentrum liegt und Grönland sowie Russland riesig aussehen. Wir lernen nicht, wie stark diese Karte verzerrt ist. Wir glauben, dass Afrika groß ist, aber kleiner als Russland. Und Europa sowie Deutschland scheinen ein großer Teil der Welt zu sein. Was ist, wenn das aber gar nicht stimmt?

Jede zweidimensionale Karte hat Verzerrungen. Das passiert, wenn man sie von einer dreidimensionalen Fläche auf eine zweidimensionale Fläche übertragen will. Veranschaulicht wird dies meist mit dem Pellen einer Orange. Die Orange ist rund wie unsere Erde auch. Wenn man die Schale nun pellt und versucht, sie auf dem Tisch auszubreiten, dann sieht man, dass sie sich nicht einfach ausbreiten lässt. Sie bäumt sich auf. Genauso verhält es sich, wenn man die Fläche der Erde zweidimensional darstellen will. Verzerrungen sind unausweichlich.

Die Mercator-Projektion existiert schon seit dem 14. Jahrhundert. Gerhard Mercator hat sie 1569 zum seemännischen Gebrauch entworfen. Und hierbei liegt die Betonung auf „zum seemännischen Gebrauch“. Es ist eine winkeltreue Projektion, aber die Flächen werden eben nicht genau dargestellt. Die Flächen der Länder sind verzerrt. Die Verzerrung ist umso stärker desto näher man den Polen kommt. Dadurch wirken Länder wie Grönland, die skandinavischen Länder oder auch Russland deutlich größer, als sie eigentlich sind. Besonders die gewaltige Größe Afrikas zeigt sich nicht. 

Diese Karte hat sich im Laufe der Zeit zur führenden Karte entwickelt und wird auch heute noch in den meisten Schulen unterrichtet. In ihr zeigt sich ein Europa-zentriertes Weltbild, dass Europa größer scheinen lässt und Afrika kleiner. Der Historiker Arno Peters hat 1974 seine eigene Karte veröffentlicht. Diese konzentriert sich darauf die Flächen der Welt korrekt darzustellen. Man sieht nun die immense Größe Afrikas. China, Russland, Indien und Europa passen alle zusammen hinein. Für jemanden der mit der Mercartor-Projektion aufgewachsen ist, ist das ein Schock. Die Weltsicht verändert sich. 

Man sollte Mercartor hierfür nicht die Schuld geben. Seine Projektion war nie darauf ausgelegt die Flächen getreu darzustellen, sondern um von Seefahrern zur Orientierung benutzt zu werden. Die Formen der Länder sind akkurater. Dass diese Karte häufig allerdings als einzig Wahre präsentiert wird, zeigt Fahrlässigkeit. Vermutlich wurde diese auch benutzt um eben das Europa zentrierte Weltbild zu behalten und damit den Kolonialismus weiterhin rechtfertigen zu können. In einer aufgeklärten Welt sollte es aber erklärt werden und am Besten sollten beide Karten gezeigt werden. Am Besten auch eine neuere Version der Karte als die von Arno Peters. Denn es gibt auch in der Gall-Peters-Projektion einige Verzerrungen, nicht nur in den Winkeln. Trotzdem hat Arno Peters der Öffentlichkeit gezeigt (Karten-Liebhabern war diese Verzerrung in der Mehrheit wahrscheinlich schon bewusst), dass die Welt ganz anders aussieht, als sie wirklich ist und dass diese Form der Darstellung vermutlich politische Gründe hatte.  Europa ist ein kleiner Fleck auf dieser Erde, auch wenn dieser Fleck sich in der Vergangenheit und heutzutage manchmal aufführte, als gehöre ihm die ganze Welt. 

Text: Lars Walsleben

Fotos:

Titelbild: auf reddit gefunden, @neilrkaye, https://www.reddit.com/r/dataisbeautiful/comments/9nkg7k/map_projections_can_be_deceptive_oc/e7mw7yl/

Mercartor Projektion: Daniel R. Strebe, 16 December 2011, Wikipedia

Gall-Peters-Projektion: Daniel R. Strebe, 15. August 2011, Wikipedia

Quellen:

https://desktop.arcgis.com/de/arcmap/latest/map/projections/mercator.htm

https://en.wikipedia.org/wiki/Arno_Peters

https://www.independent.co.uk/news/science/world-map-mercator-peters-gall-projection-boston-globe-us-schools-european-colonial-distortion-bias-a7639101.html

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