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Wie ein Orchester

Eva Martha Eckkrammer, Professorin für Romanische Sprach- und Medienwissenschaft, will die neue Rektorin der Universität Mannheim werden. Ein Porträt.

Als Professorin Eckkrammer an diesem verregneten Dienstag im November ans Mikrofon tritt und zu sprechen beginnt, ist schnell klar: Dies ist eine Frau, die sich im Vorlesungssaal wohl fühlt. Sie hält ihren Vortrag mit klarer Stimme, stützt sich auf eine strukturierte Präsentation und vergisst dabei nicht, das Publikum mit einzubeziehen – eine Dozentin, der man gerne zuhört. Doch an diesem Tag geht es nicht um französische Wirtschaftssprache und auch nicht um Medienwissenschaft in der Romanistik. Der Saal im Barockschloss ist gut besucht, allerdings nur zu einem kleinen Teil von Studierenden, der Rest Professor*innen und Mitarbeiter*innen der Universität Mannheim. Denn heute soll es darum gehen, wer ihre neue Chefin oder ihr neuer Chef wird.

Drei Personen hat die Findungskommission zur Wahl für die Nachfolge von Rektor Ernst-Ludwig von Thadden vorgeschlagen; eine sehr ungewöhnliche Entscheidung. Eine dieser drei ist Eva Martha Eckkrammer – seit 2009 Professorin für Romanistik an der Uni Mannheim; also eine der sogenannten “Internen”. Was bewegt eine von ihren Studierenden und Kolleg*innen hochgeschätzte Dozentin und begeisterte Forscherin, für dieses Amt zu kandidieren?

Zum Treffen in ihrem Büro im ersten Stock kommt Eckkrammer mit dem Fahrrad. Die Frau, die sich im Gespräch als “nachtaktiv” bezeichnen wird, macht auch morgens um neun einen hellwachen Eindruck und begrüßt den anwesenden Kollegen herzlich. Eine gute Stimmung im Team sei wichtig, erklärt sie später: “In dem Moment, wo es mal viel zu tun gibt, muss auf alle Schultern Arbeit verteilt werden. Wenn alle mitmachen, dann gibt es eine gute Dynamik, aber wenn es an ein paar hängenbleibt, dann ist das nicht zu stemmen. Und diese Art von Mehrleistung erbringt man nur dann gern, wenn die Stimmung gut ist.”

Was Mehrfachleistung und -belastung ist, dürfte der zweifachen Mutter und ehemaligen Prorektorin für Forschung sowie Infrastruktur, Gleichstellung und wissenschaftlichen Nachwuchs bekannt sein. Schon während ihres Studiums in Salzburg war es für sie eine Selbstverständlichkeit, 30 Stunden in der Woche zu arbeiten. Diese Nebenjobs – Fremdenführerin für spanische Tourist*innen, Leiterin des Festivals “Szene Salzburg”, Mitarbeiterin in einem Kranbau-Unternehmen – waren so vielfältig wie die Sprachen und Themen, mit denen sie sich im Laufe ihrer Karriere beschäftigte. Acht Sprachen spricht Eckkrammer – einige davon seit der Schulzeit, andere erst durch die wissenschaftliche Erforschung. Im Moment beschäftige sie sich mit “Papiamentu”, einer Kreolsprache, die von etwa 260.000 Menschen auf Inseln in der Karibik gesprochen wird. Der Erhalt solcher kleinen, oft sehr jungen Sprachen liegt ihr am Herzen: “Wir wissen, dass bis Mitte des Jahrhunderts die Hälfte der kleinen Sprachen aussterben wird – das sollten wir uns nicht leisten als Gesellschaft.” Der Kampf um diese Sprachen begleitet sie nicht nur in der Forschung, sondern trägt auch ihre Lehre – beides sei untrennbar miteinander verbunden. “Universität ist forschungsbasierte Lehre. Das heißt: Man versucht, interessante neue Themenfelder anzugehen, und das dann direkt wieder in die Lehre hineinzutragen.”

Das Angebot, ihre Forschung in die Mannheimer Lehre einzubringen, erhielt Eckkrammer, als sie eigentlich kurz davor war, einen Ruf an die Universität Heidelberg anzunehmen. Doch die Mannheimer Schwerpunkte, die Besonderheit des wirtschaftsbezogenen Kultur-Bachelors (BaKuWi) sagten ihr mehr zu, und so kam es, dass sie schnell nicht nur Forschung und Lehre in Mannheim prägte, sondern auch als Prorektorin entscheidende Schritte in den Bereichen Chancengleichheit, Internationalisierung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses tat. Eine Universität müsse Zukunftsfähigkeit beweisen. Es reiche nicht, gut zu sein und Gutes zu tun – man müsse es auch kommunizieren.

Kommunikation und Transparenz, das sind die Kernelemente der Politik, die sich Eckkrammer auf die Fahnen geschrieben hat, sollte sie Rektorin werden. “Eine Universität ist wie ein Orchester”, sagt sie bei der Vorstellung im Hörsaal: “Alle haben ihre eigene Stimme zu spielen, aber nur wenn sie aufeinander achten, gibt es einen schönen Klang.”

Diesen Klang zu fördern und auch zu verwalten ist die Aufgabe der Rektorin. Natürlich habe sie lange überlegt, sagt Eckkrammer, ob sie sich dieser Aufgabe gewachsen fühle. Doch die Ideen und Pläne, die sie – zurückgezogen zur “Klausur mit sich selbst” in den österreichischen Alpen – für die Uni erarbeitete, schienen ihr lohnenswert genug, um ihren Hut in den Ring zu werfen. “Und der worst case?”, schmunzelt Professorin Eckkrammer. “Ich darf weiter das machen, was ich eh total gerne mache.”

 

Text und Bild: Astrid Schwieder

 

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