Kultur Musik

6. Maifeld Derby – Der Freitag (03.06.16)

Vier Bühnen. Drei Tage. Über 80 Konzerte. Und zwei uniMAgazin Redakteure, für euch unterwegs auf dem diesjährigen Maifeld Derby. Clara und Matthias fassen den ersten Festivaltag aus ihren Augen zusammen.

Matthias: 17:40 Uhr
Vor einer Stunde habe ich meine Lernsachen und damit alle Gedanken an die Prüfungen der kommenden Woche vom Schreibtisch geschoben und mich auf den Weg zum Maifeld Derby Festivalgelände gemacht. Schon an der Straßenbahnhaltestelle Maimarkt empfangen mich erste Klangfetzen. Die Vorfreude steigt. Am Eingang hole ich mir das goldene Festival Bändchen ab, dass mich heute und morgen an meinem linken Arm begleiten wird. Danach noch durch den Sicherheitscheck und dann bin ich drin. Bevor es so richtig losgehen kann, begebe ich mich noch zu einer der Geldtausch Stationen, an der man Euros in die Festivalwährung Derby Dollar umtauschen kann. Auf geht’s.

Matthias 17:50 Uhr
Ich stehe vor der großen Fackelbühne, wo gerade die Band „Mothers“ aus den USA ihr letztes Lied spielt. Die Musik klingt tanzbar und der Preis für die wildeste Haarfrisur geht eindeutig an den Gitarristen. Leider ist das Ganze schon nach drei Minuten vorbei.

Mothers auf der Fackelbühne

Mothers auf der Fackelbühne

Matthias 18:05 Uhr
Ich wechsle zur nächsten Location. Parcours d’Amour, eine kleine Bühne im MVV Reitstadion, vor der das Publikum auf den ursprünglichen Stadionsitzen Platz nehmen kann. Beim Betreten ist sofort einen dezenten Geruch von grünen Kräutern wahrnehmbar. Es spielt „Fil Bo Riva“, ein Singer/Songwriter aus Italien. Raue Stimme. Folk Klänge. Gute Stimmung.

Matthias 18:15 Uhr
Schon von Beginn an hatte der bedeckte Himmel über dem Maifeld Derby Niederschlag angekündigt. Jetzt ist es soweit. Ich flüchte vor dem dem Regen in das Palastzelt. Dort spielt die Kölner Band „Neufundland“. Mit viel Energie heizen die fünf Musiker das Festivalpublikum ein. Satte elektronische Beats treffen auf Rockgitarrensound und deutsche Texte. Ich kann die Vibration der Basedrum am ganzen Körper spüren. Ihre Songs haben einen erfrischenden neuen Sound und mitreißende Rhythmen. Schon im zweiten Lied singen sie: „Wohin willst du rennen, wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt?“ Na, am besten zu „Neufundland“ ins Palastzelt.

Matthias 18:50 Uhr
Wechsel zu „Faber“ in den Parcours d’Amour. Wieder deutsche Texte, nur diesmal etwas ruhiger und auf Liedermacher Art. „Faber“ kommt aus Österreich und ist einer der Newcomer auf dem Festival. Er wird begleitet von einem Schlagzeuger, der gleichzeitig in Refrain Passagen auch noch zur Posaune greift und den Sänger mit tragenden Melodien versorgt. Die Texte von „Faber“ sind teils sehr bissig ironisch geschrieben. So heißt es zum Beispiel: „Wem du’s heute kannst besorgen. Dem besorgst du’s morgen auch.“ 🙂
Das Publikum spendet begeistert Beifall zwischen den Liedern. Und ein, vermutlich schon in Kontakt mit alkoholischen Getränken gekommener, Zuschauer in der ersten Reihe springt begeistert auf und vollführt eine gewagte Freestyle Tanzeinlage zur Musik.

Faber im Parcours d'Amour

Faber im Parcours d’Amour

Matthias 19:15 Uhr
Ich bekomme Hunger und begebe mich in die Nähe der Fackelbühne. An vielen Imbissständen kann man dort verschiedenste Leckereien kosten. Das Angebot reicht von der Wurst auf dem Grill, über Falafeln, bis hin zu asiatischer Küche. Ich entscheide mich für eine „Handbrotzeit“. Das sind lecker aussehende gefüllte Teigtaschen, die, entweder mit Schinken oder Pilzen gefüllt, serviert werden. Die Schlange davor wird immer größer und ich stelle mich auf eine lange Wartezeit ein. Doch dann wird plötzlich gezielt nach „Schinken-Essern“ ausgerufen und ich habe damit die Erlaubnis die, scheinbar nur aus vegetarisch Essenden zu bestehende, Schlange zu überholen. Bereits nach zwei Minuten habe ich mein Abendessen in der Hand. Sonst ist das doch eigentlich immer andersrum. Verkehrte Welt auf dem Maifeld Derby.

Handbrotzeit vor der Fackelbühne

Handbrotzeit vor der Fackelbühne

Clara 19:20 Uhr
Auch ich verlasse meine Lerngruppe beschwingt und mache mich schnell auf den Weg zum Maimarkt-Gelände, damit ich meine derzeitige Lern-Hintergrund-Musik von „Liima“ in einem etwas schöneren Kontext erleben kann. Es geht zum Glück ganz fix mit der S-Bahn vom HBF.

Matthias 19:30 Uhr
Der Regen hat inzwischen wieder aufgehört. Trotzdem gehe ich ins Palastzelt um den sphärischen Klängen von Produzent „SG Lewis“ zu lauschen. Zusammen mit zwei weiteren Musikern erzeugt er live auf der Bühne einen tanzbaren Club Sound. Eine komplette Ausreizung des tiefen Frequenzspektrums. Da kann man die Füße nicht stillhalten.

Matthias 20:00 Uhr
„Hallo Jungs, wir sind Liima.“ Warum die dänisch-finnische Band nur die männlichen Zuschauer vor der Fackelbühne begrüßt bleibt ungeklärt, dafür machen die vier Musiker aber sehr schnell klar, dass sie Stimmung machen können. Ihre Musik besteht aus ausgefallene Synthie Sounds und starkem Gesang. Dabei drehen die Jungs an diversen Effektgeräten herum und klopfen auf Schüsseln die auf Bügelbrettern montiert sind – ach so, dafür kann man die also auch verwenden. Klingt echt gut, aber ich hatte heute schon genug elektronische Sounds.

Liima auf der Fackelbühne

Liima auf der Fackelbühne

Clara 20:07 Uhr
Ich komme leider ein, zwei Lieder zu spät an der Fackelbühne an, aber die konnte ich immerhin schon beim Abbiegen und Joggen auf der Zielgerade zum Gelände mithören.

Matthias 20:15 Uhr
Auf dem Parcours d’Amour singt „Lilly Among Clouds“ mit herzergreifender Stimme traurig schöne Lieder. Die Newcomerin aus Würzburg liefert solide Pop-Musik, die sehr an den Sound bekannter Künstlern aus dem benachbarten Großbritannien erinnert. An dieser Stelle explizit Künstlernamen zu nennen wäre jetzt fies, weil die Singer/Songwriterin ja keine Stile kopiert (na gut einen Namen kann man mal nennen: „Birdy“, zum Beispiel). Ihrer Musik kann man sehr gut zuhören und so genieße ich das Konzert bis zum Ende.

Clara 20:30 Uhr
Ich halte endlich das erste Bier in der Hand, die Sonne fehlt zwar, aber der Sänger von „Liima“ trägt Sie immerhin im Herzen und am Körper auf der Bühne, mit Sonnenbrille und Badeshorts.

Clara 20:43 Uhr
Mein Lieblingslied holt mich nun endgültig mit den Gedanken aus der Bib ab. Dididigoooooahhh….

Matthias 20:50 Uhr
Mal was ganz Anderes: eine Lesung. Die britische Rapperin „Kate Tempest“ präsentiert keine neuen Songs, sondern Auszüge aus ihrem aktuell erschienen Roman „The Bricks That Built The Houses“. Sie liest den Text in einem rhythmischen Singsang, steht dabei immer wieder von ihrem Stuhl auf, läuft über die Bühne und spricht auswendig weiter. Dazwischen wird sie von einem Moderator zu ihrem Werk interviewt. Der Auftritt ist, abgesehen von den Lesepassagen, recht langweilig. Ich kenne die Künstlerin und den Inhalt ihres Buchs nicht und so fesselt das Interviewgespräch nicht besonders.

Clara 20:55
Schnell das erste (und sicher nicht das Letzte) obligatorische Handbrot geholt… Bei mir geht’s genau anders herum. Es wird gerufen, PILZE? Und ich, hungrig wie ich bin, nehme alles was kommt, damit’s schneller geht… Ich muss schließlich schnell die nächste Band „MØ“ auschecken.

Clara 21:07 Uhr
Ich stehe im Zelt, MØ ist auch da…. nur wo ist die Sängerin? Ahhhh… mal eben ein volles Lied lang durch die Menge gelaufen. Yeaaaahhh… sie gibt alles und es wird mächtig mitgetanzt.

Clara 21:16 Uhr
Das Ratespiel um Ihre Schlüpferfarbe habe ich übrigens gewonnen…schwarz!

Mø im Palastzelt

Mø im Palastzelt

Clara 21:35 Uhr
Auf Dauer ist der Sound etwas eintönig, also gehe ich rüber ins Brückenaward Zelt

Clara 21:38 Uhr
Hier gibt’s weniger Glam aber bei dem Gitarrenklang von Newmoon schlägt mein Oasis Herz direkt ein bisschen höher.

Matthias 21:39 Uhr
Ich treffe Clara im schnuckeligen Brückenawarad Zelt und zusammen schauen wir noch kurz bei „Newmoon“ vorbei. Die Atmosphäre ist schön. Nur leider geht der Gesang des Sängers komplett im Mix unter.

Clara 21:42 Uhr
Die altbekannte Overhead Licht-Show sieht zwar unter der Brücke beim Brückenaward Festival noch etwas beeindruckender aus, aber fasziniert auch hier im Zelt. Mal sehen, ob Mister Overhead die Farbscheiben bis spät in die Nacht dreht…

Clara 22:00 Uhr
Kaum aus dem Lernalltag raus hat man schon wieder Freizeitstress… Martin Kohlstedt im Parcours d´Amour wäre soo schön.. Ich schicke einfach meine Journalisten-Assistenten hin und lass mich lieber von Käpt’n Peng mit auf Reisen nehmen.

Matthias 22:00 Uhr
Claras Idee mit dem „Journalisten-Assistenten“ hat wohl nicht so ganz geklappt. Zumal über die Assistentenbezeichnung auch nochmal zu reden ist… 🙂
Genau pünktlich startet mein persönliches Highlight des Abends auf der Fackelbühne: „Käpt’n Peng & Die Tentakel von Delphi“. Dazu kann man nicht viel sagen, Käpt’n Peng und seine Band muss man einfach kennen. Seine Texte sind bester Rap und gleichzeitig frisch, neu und voller tiefgründiger Botschaften. Dazu fetzige Beats, bei denen auf Kochtöpfen herumgetrommelt wird.

Käpt'n Peng auf der Fackelbühne

Käpt’n Peng auf der Fackelbühne

Clara 22:34 Uhr
Logbucheintrag 612 an meinem Fenster fliegen Socken vorbei…. Leider fliegen nicht wirklich Socken, ist eben doch eher ein entspanntes Publikum hier beim Maifeld…

Clara 22:57 Uhr
OHNEIN! Nur noch 3 Minuten! Spätestens jetzt hat Peng sie alle mitgerissen, nachdem die Menge zu Beginn erstmal etwas brauchte um in ihren Bann gezogen zu werden…

Clara 22:58 Uhr
Neben mir wedelt ein glücklich tanzender Fan mit seiner Glitzerdose. Die Luft glitzert und alles ist schön. Käpt’n Peng hat vielleicht ein bisschen die Welt gerettet.

Matthias 22:59 Uhr
Ein „glücklich tanzender Fan“ hat mir gerade Glitzer auf die Haare gekippt. Na toll.

Matthias 23:00 Uhr
Nach einer Stunde ist leider schon Schluss. Bei keinem anderen Act heute hätte man sich eine Zugabe so sehnlichst gewünscht, aber leider bleibt die Festivalleitung hart und schüttelt vom Rand der Bühne den Kopf.

Matthias 23:12 Uhr
Nach einem ersten erlebnisreichen Festivaltag überkommt mich plötzlich die Müdigkeit und ich trete den Heimweg an. Während der Fahrt in der Straßenbahn klingen die vielen schönen Melodien des Tages nochmal in meinem Kopf.

Clara 23:30 Uhr

Für mich geht der Abend noch weiter. Im Parcours d’Amour fange ich doch noch begeisterte Stimmen zu Martin Kohlstedts Auftritt auf. Mit dem Rücken zum Publikum sitzend hat er die Liebesbühne mit seinen Klängen eingehüllt. Hier steht eben die Musik im Vordergrund! Ein Abstecher zum Poetry Slam lässt mich leider ein bisschen kalt… ich brauche mehr Musik…

Clara 00:00 Uhr
Ich tanze bei „Flume“ die drei letzten Lieder ausgelassen mit. Wenn man sich ein bisschen darauf einlässt geht das schon… Beim mithüpfen fühle mich wieder wie 17.

Clara 00:30 Uhr
Yes, ich habe eine Falafel bei den netten Herren und Damen der Kombüse geschenkt bekommen, die neben einen Teller auf den Tisch gefallen war. Das ist einfach nett hier!

Clara 00:34 Uhr
Puuhh.. verteidige mich im Moshpit direkt vor der Bühne bei „Die Nerven”, die alle mitgehen lassen. Jetzt wird es mir doch etwas zu viel…

Clara 01:15 Uhr
Der heftig einsetzende Regen (immerhin hat sich das Wetter bis jetzt gehalten) spült mich zum Glück in das große Zelt zu „Meute“. Die Hamburger Truppe, bestehend aus Bläsern, Percussionisten und Xylophonspieler macht echt gute Stimmung.

Meute im Palastzelt

Meute im Palastzelt

Clara 01:50 Uhr
Ohwei, Adele und Deichkind sind also auch dabei… Die letzten zwei Coverlieder von „Meute“ (das Publikum übernimmt die Vocals) hinterlassen dann doch einen eher ambivalenten Eindruck bei mir.

Clara 02:00 Uhr
Schnell geht’s zum letzten Act des Tages. „Cosmo Sheldrake“.

Clara 02:10
Gekonnt überspielt er den durch das Drücken eines Knopfes Abbruch eines Songs- „It´s pitchblack over here“- und beeindruckt mit einer „Improvisation“. Und rappen kann er auch!

Clara 02:45
„If I wanna be rich“ vom Multitalent Cosmo Sheldrake klingt noch den ganzen Heimweg als Ohrwurm nach.. Glücklich falle ich in’s Bett.

Text: Clara Schäper und Matthias Mohler
Fotos: Matthias Mohler und Florian Trykowski (nordic-music.photography)

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